Trumps Ukraine-Diplomatie in Rom ohne greifbare Ergebnisse
27.04.2025 - 04:59:37Nach einem GesprĂ€ch von US-PrĂ€sident Donald Trump mit dem ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj in Rom am Rande der Trauerfeier fĂŒr Papst Franziskus gibt es neue Hoffnung auf eine Waffenruhe im Krieg in der Ukraine. Selenskyj betonte nach den einzelnen Treffen mit Trump, mit dem französischen PrĂ€sidenten Emmanuel Macron, Italiens Regierungschefin Georgia Meloni und EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen, dass die Ukraine zu einem bedingungslosen Waffenstillstand bereit sei. Nun sei Russland aufgefordert, dem zuzustimmen.
In Moskau sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow nach US-GesprĂ€chen mit Trumps Sondergesandten Steve Witkoff am Freitag, dass PrĂ€sident Putin zu direkten Verhandlungen mit der Ukraine ohne Vorbedingungen bereit sei. «WĂ€hrend des gestrigen GesprĂ€chs mit Trumps Gesandtem Witkoff bekrĂ€ftigte Wladimir Putin, dass die russische Seite bereit ist, den Verhandlungsprozess mit der Ukraine ohne Vorbedingungen wieder aufzunehmen», sagte Peskow, wie die russische Nachrichtenagentur Interfax meldete.Â
Trump hatte nach dem dreistĂŒndigen Treffen Witkoffs mit Putin erklĂ€rt, dass es eine Einigung in dem Konflikt geben könne. Bisher hatte Putin zwar immer wieder seine Bereitschaft zu GesprĂ€chen mit Kiew betont. Er erklĂ€rte dann aber, dass Selenskyj erst sein Dekret zurĂŒckziehen mĂŒsse, das solche GesprĂ€che untersagt. Wenn dies als Vorbedingung wegfiele, dann könnte es eine Lage wie zu Beginn des Krieges geben, als Ukrainer und Russen direkt verhandelten ĂŒber ein Ende des Krieges.
Trump droht mit Sanktionen gegen Russland
Trump zeigte nach dem Treffen mit Selenskyj im Petersdom, das nur 15 Minuten gedauert haben soll und im Vergleich zu ihrem Streit im Februar sehr friedlich verlief, Zweifel an den GesprĂ€chen mit Putin. Der US-PrĂ€sident strebt ein schnelles Ende des Krieges an. Nun kritisierte er Putin, den er eigentlich schĂ€tzt, und fragte, ob der Kremlchef ĂŒberhaupt ein Interesse habe daran, den Krieg zu beenden.Â
Trump drohte Russland mit Sanktionen. Er schrieb auf dem RĂŒckflug von Rom in die USA auf seinem Online-Sprachrohr Truth Social, dass es fĂŒr Putin keinen Grund gegeben habe, in den vergangenen Tagen Raketen auf zivile Gebiete, StĂ€dte und Dörfer in der Ukraine zu feuern. «Es bringt mich zum Nachdenken: Vielleicht will er den Krieg gar nicht beenden, sondern hĂ€lt mich nur hin â und muss anders behandelt werden (...)», schrieb Trump weiter.
Der US-PrĂ€sident nannte als Beispiel sogenannte SekundĂ€rsanktionen, also MaĂnahmen gegen DrittlĂ€nder, Unternehmen oder Einzelpersonen, die weiterhin mit Russland GeschĂ€fte machen. Er deutete auch an, Russland noch weiter vom internationalen Bankensystem abschneiden zu wollen. Es sind ungewöhnlich scharfe Worte, die Trump nun ĂŒber Putin verliert.Â
Russland setzen Sanktionen zwar wirtschaftlich massiv zu. Aber auch westliche Experten erklĂ€ren immer wieder, dass Moskau sich unerwartet gut dagegen behauptet. Russland betont, sich durch die StrafmaĂnahmen nicht politisch beeinflussen zu lassen. Auch den Krieg konnten die westlichen Sanktionen bisher nicht stoppen.
Selenskyj sieht «historische» Chance nach Treffen mit Trump
Selenskyj bezeichnete sein erstes Wiedersehen mit Trump seit ihrem Streit im Februar als ein «gutes Treffen». «Wir haben viel unter vier Augen besprochen», teilte Selenskyj auf der Plattform X mit. Das WeiĂe Haus sprach von einem «sehr produktiven» Treffen.
«Ein verlĂ€sslicher und dauerhafter Frieden, der den Ausbruch eines neuen Krieges verhindern wird», sagte Selenskyj zu seinem Ziel bei den Verhandlungen. Er dankte Trump fĂŒr das GesprĂ€ch: «Ein sehr symbolisches Treffen, das das Potenzial hat, historisch zu werden, wenn wir gemeinsame Ergebnisse erzielen.»
Halbinsel Krim immer wieder Thema in Verhandlungen
In seinem Beitrag auf Truth Social betonte Trump auch, dass eine RĂŒckgabe der 2014 von Russland annektierten Halbinsel Krim an die Ukraine eine «lĂ€cherliche Forderung» sei. Der Republikaner schrieb erneut, dass der Krieg nie hĂ€tte beginnen dĂŒrfen und nicht begonnen worden wĂ€re, wenn er damals PrĂ€sident gewesen wĂ€re.Â
Trump will auch Selenskyj ZugestĂ€ndnisse abringen. Einen Verzicht etwa auf die Schwarzmeer-Halbinsel Krim oder andere von Moskau einverleibte Gebiete im Osten der Ukraine hatte Selenskyj bisher kategorisch abgelehnt. Die FĂŒhrung in Moskau spricht zwar von Fortschritten bei den Verhandlungen mit Washington, verweist aber darauf, dass noch Detailfragen fĂŒr eine Beendigung des Krieges zu klĂ€ren seien.
Russland feiert «Befreiung» von Kursk als «Sieg»
Moskaus Truppen eroberten indes nach Angaben des Verteidigungsministeriums die russische Region Kursk vollstĂ€ndig von den ukrainischen StreitkrĂ€ften zurĂŒck. Die ukrainischen Truppen waren dort Anfang August vergangenen Jahres einmarschiert und hatten Dutzende Ortschaften eingenommen.Â
«Die PlĂ€ne des Kiewer Regimes, einen sogenannten strategischen BrĂŒckenkopf zu schaffen und unsere Offensive im Donbass zu stören, sind gescheitert», sagte Russlands Generalstabschef Waleri Gerassimow. Putin gratulierte den Truppen zum «Sieg».Â
Dagegen bezeichnete der ukrainische Generalstab die Behauptungen Moskaus als «Wunschdenken». Die KĂ€mpfe gingen weiter, hieĂ es in Kiew. ĂberprĂŒfbar sind die Angaben der Kriegsparteien von unabhĂ€ngiger Seite nicht.
Russland hatte die RĂŒckeroberung der Region Kursk stets als Bedingung genannt, um mit der Ukraine in Verhandlungen fĂŒr einen Frieden zu treten. FĂŒr Kremlchef Putin war die Invasion der ukrainischen Truppen eine BloĂstellung, weil sie auch die Verletzlichkeit der russischen Staatsgrenze zeigte.
Die Ukraine sah die Invasion stets als Teil des Abwehrkampfes gegen den russischen Angriffskrieg. Dagegen kritisierten auch westliche MilitÀrexperten, dass Kiews StreitkrÀfte an anderen wichtigen Abschnitten der Front in der Ukraine gefehlt hÀtten. Die Ukraine wehrt sich seit mehr als drei Jahre gegen den russischen Angriffskrieg.





