USA, Russland

USA holen Russland aus der Isolation - Rubio trifft Lawrow

18.02.2025 - 18:59:41 | dpa.de

Erstmals seit Jahren gibt es wieder direkte GesprĂ€che zwischen Washington und Moskau. Das vorrangige Thema: Russlands Krieg in der Ukraine. Doch Kiew bleibt erst mal außen vor.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow (r) sitzt neben dem außenpolitischen Berater des russischen PrĂ€sidenten Putin, Juri Uschakow. - Foto: Evelyn Hockstein/Pool Reuters/AP/dpa
Der russische Außenminister Sergej Lawrow (r) sitzt neben dem außenpolitischen Berater des russischen PrĂ€sidenten Putin, Juri Uschakow. - Foto: Evelyn Hockstein/Pool Reuters/AP/dpa

Erst das Telefonat von US-PrĂ€sident Donald Trump mit Russlands PrĂ€sident Wladimir Putin, nun ein Treffen der Außenminister Marco Rubio und Sergej Lawrow im saudi-arabischen Riad: Die Zeichen zwischen Washington und Moskau stehen auf AnnĂ€herung. Nach jahrelanger Eiszeit seit Beginn des Ukraine-Kriegs ist die US-Regierung dabei, Russland aus der Isolation zu holen.

Rubio und Lawrow einigten sich bei den GesprĂ€chen in Riad darauf, dass beide Regierungen UnterhĂ€ndler fĂŒr kĂŒnftige FriedensgesprĂ€che zur Ukraine benennen werden. Aus Washington hieß es, das Ziel sei eine Lösung, die dauerhaft, stabil und fĂŒr alle Seiten annehmbar sei.

Doch ein Hauptakteur fehlte: Die Ukraine war bei den GesprĂ€chen in Riad außen vor – ebenso wie ihre europĂ€ischen VerbĂŒndeten. Zwar betonte das US-Außenministerium, dass ein einziges Telefonat und ein erstes Treffen nicht ausreichten, um den Krieg zu beenden. Doch die Tatsache, dass die Amerikaner im Alleingang und ganz ohne Absprache mit Kiew und den EuropĂ€ern in derartige GesprĂ€che einsteigen, ist bemerkenswert und zeigt, welchen Stellenwert die USA multilateraler Abstimmung einrĂ€umen. 

Vereinbarungen auch im bilateralen Bereich

In Riad vereinbarten Washington und Moskau laut US-Angaben auch, Maßnahmen zur Normalisierung des Betriebs ihrer diplomatischen Vertretungen zu ergreifen. Die beiderseitigen Ausweisungen von Diplomaten hatten in den vergangenen Jahren die ArbeitsfĂ€higkeit der Botschaften erheblich eingeschrĂ€nkt. 

Das US-Ministerium erklĂ€rte außerdem, dass nun die Grundlage fĂŒr eine zukĂŒnftige Zusammenarbeit in geopolitischen und wirtschaftlichen Fragen gelegt werde. Diese Perspektiven wĂŒrden sich jedoch erst dann realisieren lassen, wenn der Ukraine-Krieg erfolgreich beendet sei.

Sorge in Kiew und bei VerbĂŒndeten

Nach dem Treffen zwischen den Amerikanern und Russen verschob der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj einen geplanten Besuch in Saudi-Arabien. Er hatte ursprĂŒnglich vorgehabt, von der TĂŒrkei sofort in den Golfstaat weiterzureisen. «Sie können besprechen, was sie wollen, aber es können keine Entscheidungen ohne die Ukraine getroffen werden, wie der Krieg in der Ukraine zu beenden ist», mahnte Selenskyj.

Bereits zuvor hatte der Ukrainer betont, dass ein Friedensprozess nicht ohne sein Land und Europa stattfinden dĂŒrfe. Doch genau diese Sorge steht nun im Raum: Dass Trump und Putin die Ukraine zu ZugestĂ€ndnissen drĂ€ngen könnten – und dass das angegriffene Land sowie Europa am Ende die Hauptlast einer möglichen Waffenruhe tragen mĂŒssen.

Am Vortag hatten mehrere europĂ€ische Staats- und Regierungschefs auf Einladung von Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron in Paris bei einem Krisengipfel darĂŒber beraten, wie sie auf Trumps verĂ€nderten Kurs reagieren sollten. Dabei ging es auch um die umstrittene Frage, ob europĂ€ische Truppen entsandt werden sollten, um ein mögliches Friedensabkommen in der Ukraine abzusichern. Denn die neue US-Regierung hat bereits angedeutet, dass amerikanische Soldaten dafĂŒr nicht zur VerfĂŒgung stehen. Russland lehnt Truppen aus Nato-Staaten in der Ukraine komplett ab und warnt vor einer neuen Eskalation.

Trump vollzieht Russland-Kehrtwende

In den vergangenen Jahren waren die Beziehungen zwischen den USA und Russland wegen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine auf einem Tiefpunkt. Begegnungen zwischen dem damaligen US-Außenminister Antony Blinken und Sergej Lawrow fanden nur sporadisch und meist am Rande internationaler Gipfel wie dem G20 statt. Trump leitete mit seinem Amtsantritt vor rund einem Monat nun aber wie erwartet einen Kurswechsel ein. 

Bereits im Wahlkampf hatte der Republikaner immer wieder ĂŒber seine guten Kontakte zu Putin geschwĂ€rmt und behauptet, den Ukraine-Krieg innerhalb von 24 Stunden beenden zu können. Vergangene Woche telefonierte Trump dann mit dem russischen PrĂ€sidenten - und erst danach mit Selenskyj. Mit Putin vereinbarte Trump nicht nur den Start von Friedensverhandlungen, sondern stellte auch ein spĂ€teres persönliches Treffen in Aussicht. Auf einen Termin dafĂŒr einigten sich Lawrow und Rubio in Riad aber zunĂ€chst nicht. 

AmtsvorgĂ€nger Joe Biden hatte zuletzt vor Beginn des russischen Angriffskriegs im Februar 2022 mit Putin gesprochen. Trump macht nun die Kehrtwende: Er will Russland wieder auf die internationale BĂŒhne zurĂŒckholen. Kurz vor den GesprĂ€chen in Riad hatte er sich fĂŒr eine RĂŒckkehr Russlands in die Gruppe der fĂŒhrenden westlichen Wirtschaftsnationen (G7) ausgesprochen und den Ausschluss Moskaus 2014 als «Fehler» bezeichnet.

Forderungen bislang nur gen Kiew

WĂ€hrend die US-Regierung diplomatische KanĂ€le zu Moskau öffnet, bleibt unklar, inwieweit sie noch hinter den bisherigen strategischen Zielen der Ukraine steht. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth machte vergangene Woche in BrĂŒssel deutlich, dass die EuropĂ€er weitgehend allein fĂŒr die UnterstĂŒtzung der Ukraine und die Sicherung eines möglichen Friedens verantwortlich seien.

Er legte außerdem mehrere potenzielle ZugestĂ€ndnisse Kiews als Grundlage fĂŒr eine Einigung auf den Tisch:

  • Eine Nato-Mitgliedschaft der Ukraine sei kein realistisches Ergebnis einer Verhandlungslösung.
  • Washington werde keine eigenen Truppen entsenden und sehe auch keinen militĂ€rischen Beitrag der Nato vor.
  • Eine RĂŒckkehr zu den ukrainischen Grenzen vor 2014 sei nicht realistisch.

Doch nur einen Tag spĂ€ter ruderte Hegseth zurĂŒck. Trump fĂŒhre die Verhandlungen und habe das letzte Wort, stellte er klar.

Offenkundig ist: Die US-UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ukraine beruht kĂŒnftig nicht mehr allein auf westlichen Werten, sondern auf handfesten Interessen. Trump will einen «Deal» – und der soll sich fĂŒr die USA auszahlen. Kiew soll sich fĂŒr die amerikanische Hilfe mit seltenen Erden und anderen wertvollen BodenschĂ€tzen erkenntlich zeigen. Welche konkreten Forderungen Trump hingegen an Putin stellt, lĂ€sst er offen - bislang wich der US-PrĂ€sident Nachfragen aus. 

Kreml will verhandeln - und stellt Bedingungen

Nach Kreml-Angaben zeigt sich Putin offen fĂŒr GesprĂ€che mit der Ukraine – allerdings nicht ohne Bedingungen. Kremlsprecher Dmitri Peskow erklĂ€rte, der russische PrĂ€sident habe mehrfach seine Bereitschaft fĂŒr Verhandlungen betont. Gleichzeitig zog Moskau jedoch die LegitimitĂ€t Selenskyjs in Zweifel. Russland argumentiert, dass dessen Amtszeit bereits im Mai vergangenen Jahres ausgelaufen sei und in der Ukraine Neuwahlen notwendig wĂ€ren. Kiew hingegen betont, dass Selenskyjs Vollmachten durch das geltende Kriegsrecht weiterhin in Kraft seien.

Russland feiert derweil nach fast drei Jahren Krieg die RĂŒckkehr auf die WeltbĂŒhne mit diesem viereinhalbstĂŒndigen Treffen mit der US-Delegation. «Das GesprĂ€ch war, so denke ich, sehr nĂŒtzlich», sagte Lawrow bei einer Pressekonferenz in Riad. Beide Seiten hĂ€tten einander zugehört und vereinbart, die Bedingungen zu schaffen, um eine vollwertige Zusammenarbeit zwischen beiden LĂ€ndern wieder aufzunehmen und auch noch auszuweiten. 

Demnach ging es bei den GesprĂ€chen auch um Wirtschafts- und Handelsfragen, darunter im Bereich Energie. Die Hoffnung ist in Moskau nach Jahren unter dem Druck der westlichen Sanktionen groß, dass es wirtschaftlich wieder aufwĂ€rts geht. Die russische WĂ€hrung Rubel verzeichnete nach dem Treffen schon mal einen starken Sprung und gewann stark an Wert gegenĂŒber dem Dollar und Euro.

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