Spannende, PrÀsidentenwahl

Spannende PrÀsidentenwahl in Polen - zittern um jede Stimme

01.06.2025 - 23:50:44

Es bleibt eng bei der Stichwahl ums polnische PrĂ€sidentenamt. Bei den jĂŒngsten Prognosen liegt nun der rechtskonservative Kandidat einen Hauch vorn. Noch ist nichts entschieden.

  • Der rechtskonservative Kandidat Karol Nawrocki mit seiner Frau und seinem Sohn am Wahlabend. Nach neuesten Prognosen liegt er mit knappem Vorsprung vorn.  - Foto: Leszek Szymanski/PAP/dpa

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  • Der liberale PrĂ€sidentschaftskandidat Rafal Trzaskowski am Wahlabend.  - Foto: Petr David Josek/AP/dpa

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Der rechtskonservative Kandidat Karol Nawrocki mit seiner Frau und seinem Sohn am Wahlabend. Nach neuesten Prognosen liegt er mit knappem Vorsprung vorn.  - Foto: Leszek Szymanski/PAP/dpaDer liberale PrÀsidentschaftskandidat Rafal Trzaskowski am Wahlabend.  - Foto: Petr David Josek/AP/dpa

Bei der Stichwahl um das PrÀsidentenamt in Polen zeichnet sich weiterhin ein Kopf-an-Kopf-Rennen ab. Nach aktuellen Prognosen erhielt der rechtskonservative Kandidat Karol Nawrocki 50,7 Prozent der Stimmen, auf den liberalen Kandidaten Rafal Trzaskowski entfielen demnach 49,3 Prozent der Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag demnach bei 71,7 Prozent.

Die Prognosen beruhen auf der Grundlage von Nachwahlbefragungen in 500 Wahllokalen und TeilauszÀhlungen in 250 dieser Wahllokale. Nach Angaben des Meinungsforschungsinstituts Ipsos haben diese detaillierten Prognosen eine Fehlertoleranz von einem Prozentpunkt. Hochrechnungen wie in Deutschland gibt es in Polen nicht. Das offizielle Endergebnis wird nach Angaben der Wahlkommission am Montagvormittag vorliegen.

Die ersten Prognosen gleich nach Schließung der Wahllokale hatten Trzaskowski mit leichtem Vorsprung in FĂŒhrung gesehen. Beide Politiker zeigten sich am Wahlabend vor ihren AnhĂ€ngern siegessicher. Trzaskowski sprach direkt nach der Bekanntgabe der ersten Prognosen von einem Erfolg. «Wir haben gewonnen, auch wenn ich glaube, dass der Ausdruck "auf der Rasierklinge" in die polnische Sprache Einzug halten wird», sagte der 53-JĂ€hrige unter dem Jubel seiner AnhĂ€nger. Bei der Wahlparty von Nawrocki war die Stimmung zunĂ€chst deutlich gedĂ€mpfter. Er appellierte an seine AnhĂ€nger, die Hoffnung nicht zu verlieren. «Wir mĂŒssen in dieser Nacht gewinnen und wir wissen, dass dies geschehen wird.»

Richtungswahl in Polen

Die rund 29 Millionen Wahlberechtigten waren aufgerufen, einen Nachfolger fĂŒr PrĂ€sident Andrzej Duda zu wĂ€hlen. Dieser durfte nach zwei Amtsperioden nicht noch einmal antreten. 

Die Abstimmung gilt als Richtungswahl fĂŒr das EU- und Nato-Land Polen. Der parteilose Nawrocki ist der Kandidat der rechtskonservativen PiS, Polens grĂ¶ĂŸter Oppositionspartei. Die PiS regierte das Land von 2015 bis 2023. Sie legte die Justiz an die Kandare der Politik und lag wegen dieses Eingriffs in die Gewaltenteilung im Dauerclinch mit BrĂŒssel.

Das seit Dezember 2023 regierende Mitte-Links-BĂŒndnis von Donald Tusk hat versucht, mit Reformprojekten vieles davon zurĂŒckzudrehen. Doch der bisherige PrĂ€sident Duda, der aus den Reihen der PiS stammt, hatte diese mit seinem Veto gebremst. Tusk hat im Parlament nicht die nötige Mehrheit von 60 Prozent, um Vetos des PrĂ€sidenten aufzuheben.

PrÀsident mit viel Macht

Der polnische Regierungschef hofft deshalb auf einen Wahlsieg seines politischen Mitstreiters Trzaskowski. Der 53-jĂ€hrige Warschauer OberbĂŒrgermeister gilt innerhalb seines politischen Lagers als progressiv und links. Als Staatsoberhaupt wĂŒrde er Tusks Kurs stĂŒtzen.

In Polen amtiert der PrĂ€sident fĂŒnf Jahre. Das Staatsoberhaupt hat mehr Befugnisse als der BundesprĂ€sident in Deutschland. Er reprĂ€sentiert das Land nicht nur nach außen. Der PrĂ€sident hat auch Einfluss auf die Außenpolitik, er ernennt den Regierungschef sowie das Kabinett und ist im Kriegsfall Oberkommandierender der polnischen StreitkrĂ€fte. Vor allem aber kann er der Regierung mit seinem Vetorecht das Leben schwer machen.

@ dpa.de