Ultraliberaler, Milei

Ultraliberaler Milei als PrÀsident Argentiniens vereidigt

10.12.2023 - 17:13:52

«Es gibt kein Geld»: Argentiniens neuer PrÀsident Milei verordnet dem von Krisen gebeutelten Land zum Amtsantritt eine Schocktherapie. Der ukrainische PrÀsident Selenslyj wirbt am anderen Ende der Welt um SolidaritÀt.

  • Javier Milei (l) erhĂ€lt den PrĂ€sidentenstock von seinem AmtsvorgĂ€nger Alberto Fernandez. - Foto: Natacha Pisarenko/AP/dpa

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  • Umarmung in Buenos Aires: Wolodymyr Selenskyj (l) und Javier Milei. - Foto: Gustavo Garello/AP/dpa

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Javier Milei (l) erhÀlt den PrÀsidentenstock von seinem AmtsvorgÀnger Alberto Fernandez. - Foto: Natacha Pisarenko/AP/dpaUmarmung in Buenos Aires: Wolodymyr Selenskyj (l) und Javier Milei. - Foto: Gustavo Garello/AP/dpa

Inmitten einer schweren Wirtschaftskrise hat der ultraliberale Ökonom Javier Milei sein Amt als argentinischer PrĂ€sident angetreten. Der 53-JĂ€hrige wurde vor dem Parlament in Buenos Aires vereidigt. «Heute fĂ€ngt eine neue Ära an. Heute beginnt der Wiederaufbau Argentiniens», sagte Milei in seiner Antrittsrede auf den Stufen des Kongresses. «Es gibt keine Alternative zum Sparprogramm, es gibt keine Alternative zur Schocktherapie. Ich sage es wieder: Wir haben kein Geld.»

Zu der Zeremonie waren unter anderen Spaniens König Felipe VI., der chilenische PrĂ€sident Gabriel Boric, Uruguays Staatschef Luis Lacalle Pou, der paraguayische PrĂ€sident Santiago Peña und der ungarische Regierungschef Viktor Orban in die argentinische Hauptstadt gekommen. Am selben Tag jĂ€hrte sich auch Argentiniens RĂŒckkehr zur Demokratie nach der MilitĂ€rdiktatur zum 40. Mal. «Es lebe die Freiheit, verdammt nochmal», rief Milei zum Abschluss der Rede seinen jubelnden AnhĂ€ngern zu.

PrĂ€sident Selenskyj erstmals in SĂŒdamerika

FĂŒr Aufsehen sorgte der Besuch des ukrainischen PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj in Buenos Aires. Es war das erste Mal seit Beginn des russischen Angriffskrieges auf sein Land, dass der Regierungschef nach SĂŒdamerika reiste. Im Gegensatz zur linken VorgĂ€ngerregierung in Buenos Aires gilt Milei als entschlossener UnterstĂŒtzer der Ukraine. Gleich nach seinem Wahlsieg vor drei Wochen hatten die beiden telefoniert. «Ich habe ihm fĂŒr seine klare Haltung gedankt. Kein AbwĂ€gen zwischen Gut und Böse. Nur eine klare UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ukraine. Das wird von den Ukrainern sehr wohl wahrgenommen und geschĂ€tzt», schrieb Selenskyj damals auf der Plattform X, ehemals Twitter.

Mit seiner Reise nach Argentinien dĂŒrfte sich Selenskyj die UnterstĂŒtzung von LĂ€ndern des sogenannten Globalen SĂŒdens sichern wollen. Viele von ihnen tun sich schwer, die harte Linie westlicher Industrienationen gegenĂŒber Russland mitzutragen. So hat der brasilianische PrĂ€sident Luiz InĂĄcio Lula da Silva den russischen Überfall auf die Ukraine zwar kritisiert, mit deutlichen Worten gegenĂŒber Moskau hĂ€lt er sich aber zurĂŒck. Zuletzt warb er wiederholt fĂŒr eine internationale Vermittlungsinitiative zur Beilegung des Krieges in der Ukraine, ohne bislang allerdings konkrete VorschlĂ€ge zu unterbreiten.

Bei Mileis AmtseinfĂŒhrung hatte Selenskyj die Gelegenheit, mehrere konservative Regierungschefs aus der Region zu treffen, die ebenfalls auf der Seite der Ukraine stehen. Dazu zĂ€hlen Uruguays Staatschef Lacalle Pou, der paraguayische PrĂ€sident Peña und Ecuadors Staatschef Daniel Noboa. «Ich hoffe, so viele lateinamerikanische LĂ€nder wie möglich bei den nĂ€chsten GesprĂ€chen ĂŒber die Friedensformel im Januar 2024 in der Schweiz zu sehen», schrieb Selenskyj auf X. «Die UnterstĂŒtzung und die starke gemeinsame Stimme der lateinamerikanischen LĂ€nder, die dem ukrainischen Volk in seinem Kampf fĂŒr Freiheit und Demokratie zur Seite stehen, ist fĂŒr uns sehr wichtig.»

Umfangreiches Gesetzespaket fĂŒr grundlegenden Staatsumbau geplant

Milei hatte die Wahl in Argentinien mit exzentrischem Gebaren und radikalen Forderungen nach einer wirtschaftlichen und politischen Kehrtwende gewonnen. Er kĂŒndigte an, den US-Dollar als gesetzliches Zahlungsmittel einzufĂŒhren, die Zentralbank sowie viele Ministerien abzuschaffen und die Sozialausgaben drastisch zu kĂŒrzen. Mittlerweile hat er sich im Ton deutlich gemĂ€ĂŸigt und viele seiner ursprĂŒnglichen PlĂ€ne aufgeschoben oder abgeschwĂ€cht. Zudem holte er eine Reihe erfahrener Politiker in sein Kabinett, die er zuvor als Mitglieder der von ihm verachteten «Kaste» geschmĂ€ht hatte. Da er im Parlament ĂŒber keine Mehrheit verfĂŒgt, muss Milei ohnehin Allianzen bilden.

Gleich nach Amtsantritt will Milei ein umfangreiches Gesetzespaket ins Parlament einbringen, das den argentinischen Staat grundlegend umbauen soll. Dazu gehören eine deutliche Reduzierung von Ministerien und Behörden, die Privatisierung öffentlicher Unternehmen und ein starker BĂŒrokratieabbau zu Erleichterung von Investitionen. «Ich weiß nicht, wie viele Gesetze wir aufheben werden, aber es werden sehr viele sein», sagte die neue Außenministerin Diana Mondino.

Eines seiner wichtigsten Versprechen im Wahlkampf, die EinfĂŒhrung des US-Dollars als gesetzliches Zahlungsmittel, hat Milei offenbar erst einmal zurĂŒckgestellt. In den vergangenen Wochen erwĂ€hnte er sein frĂŒheres Herzensprojekt kaum noch. «Das ist nur realistisch, denn das Land verfĂŒgt einfach nicht ĂŒber genĂŒgend Devisen, um eine Dollarisierung vernĂŒnftig umzusetzen», sagte der argentinische Wirtschaftswissenschaftler Eduardo Levy Yeyati.

Der neue PrĂ€sident ĂŒbernimmt Argentinien in einer schweren Wirtschaftskrise. Die Inflationsrate liegt bei ĂŒber 140 Prozent, rund 40 Prozent der Menschen in dem einst reichen Land leben unterhalb der Armutsgrenze. Die zweitgrĂ¶ĂŸte Volkswirtschaft SĂŒdamerikas leidet unter einem aufgeblĂ€hten Staatsapparat, geringer ProduktivitĂ€t der Industrie und einer großen Schattenwirtschaft, die dem Staat viele Steuereinnahmen entzieht. Die LandeswĂ€hrung Peso verliert gegenĂŒber dem US-Dollar immer weiter an Wert, der Schuldenberg wĂ€chst stĂ€ndig.

@ dpa.de