SchlussplÀdoyers, Trumps

SchlussplÀdoyers in Trumps Schweigegeld-Prozess

28.05.2024 - 05:14:51

Es ist die letzte Möglichkeit, die Meinung der Geschworenen zu beeinflussen. Die Frage: Ist Donald Trump schuldig, Schweigegeld fĂŒr eine Pornodarstellerin verschleiert zu haben?

Im Schweigegeld-Prozess gegen Donald Trump wollen Staatsanwaltschaft und Verteidigung ein letztes Mal die zwölf Geschworenen von der Schuld oder Unschuld des ehemaligen US-PrĂ€sidenten ĂŒberzeugen. Bei den SchlussplĂ€doyers vor Gericht in New York geht es um mutmaßliche DokumentenfĂ€lschung in 34 FĂ€llen. Dem erneuten PrĂ€sidentschaftsbewerber Trump droht bei einer Verurteilung eine mehrjĂ€hrige Freiheitsstrafe, die auch zur BewĂ€hrung ausgesetzt werden könnte, oder eine Geldstrafe. Er hat auf nicht schuldig plĂ€diert. 

Es handelt sich um den ersten Strafprozess gegen einen ehemaligen US-PrÀsidenten in der amerikanischen Geschichte. Seit Mitte April wurden mehr als 20 Zeuginnen und Zeugen gehört. Die Staatsanwaltschaft beschuldigt Trump, dass er seine Aussichten auf einen Erfolg bei der PrÀsidentschaftswahl 2016 durch die Zahlung von 130.000 Dollar an die Pornodarstellerin Daniels habe verbessern wollen. Obwohl die - von keiner Seite bestrittene - Zahlung selbst nicht illegal war, soll der heute 77-JÀhrige bei der Erstattung des Betrags an seinen damaligen persönlichen Anwalt Michael Cohen Unterlagen manipuliert haben, um den wahren Grund der Transaktion zu verschleiern. Dies habe die Zahlungen zu illegaler Wahlkampf-Finanzierung gemacht.

Einstimmiges Urteil nötig

Das Urteil dĂŒrfte sich auch auf den gegenwĂ€rtigen Wahlkampf in den Vereinigten Staaten auswirken - die Frage ist bloß: wie stark und zu wessen Vorteil. Trump versucht die Anschuldigungen in einen persönlichen Vorteil umzumĂŒnzen und seine AnhĂ€ngerschaft zu mobilisieren, indem er sich als Opfer einer politisch motivierten Justiz inszeniert. Amtsinhaber Joe Biden scheint von der Prozessarie gegen seinen Herausforderer bislang nicht erkennbar zu profitieren. 

Nach den SchlussplĂ€doyers, deren Ende noch heute oder aber am Mittwoch erwartet wird, sollen sich die zwölf Geschworenen zur Beratung zurĂŒckziehen und mĂŒssen ein einstimmiges Urteil fĂ€llen. Offiziell gibt es dafĂŒr kein Zeitlimit, fĂŒr gewöhnlich beraten Jurys aber einige Stunden bis einige Tage. Im Falle einer Verurteilung wird Richter Juan Merchan das Strafmaß an einem gesonderten Termin festlegen. Sollten die Geschworenen sich auch nach lĂ€ngerer Beratung nicht einigen können, ist der Prozess geplatzt. In diesem Fall hĂ€tte die Staatsanwaltschaft die Möglichkeit, das Verfahren mit einer neuen Jury erneut aufzurollen.

Trump: Mal interessiert, mal mit geschlossenen Augen

Der Prozess findet unter beispiellosem medialem Interesse und strengsten Sicherheitsvorkehrungen in Downtown Manhattan statt. Trump war bei den Sitzungen stets anwesend und variierte die Farbe seiner Krawatte von Tag zu Tag. FĂŒr den kurzen Fototermin zu Beginn der Sitzung setzte er regelmĂ€ĂŸig ein grimmiges Gesicht auf. Einige Zeugen-Befragungen schien Trump interessiert zu verfolgen, an anderen Tagen waren sich US-Medien sicher, dass er die Augen ĂŒber lĂ€ngere Zeit geschlossen hielt, weil er eingedöst war. Beim Weg aus und in den Gerichtssaal grĂŒĂŸte er manchmal Reporter oder Besucher, die er wieder erkannte. 

Trump nutzte den Prozess und den Medienauflauf fĂŒr den Wahlkampf: WĂ€hrend er sich im Gerichtssaal selbst ruhig verhielt, trat er im Flur vor Saal 1530 - in dem ĂŒbrigens schon Ex-Filmmogul Harvey Weinstein verurteilt wurde - tĂ€glich vor die Kameras, antwortete selten auf Fragen und monologisierte hĂ€ufig darĂŒber, dass das Verfahren gegen ihn politisch motiviert sei. Dabei schaffte er es aber im Verlauf des Prozesses immer besser, sich an die Anweisung von Richter Merchan zu halten, sich nicht ĂŒber Prozessbeteiligte zu Ă€ußern.

Vor allem die Prozesstage rund um die Aussage des Kronzeugen Michael Cohen wurden zum Schaulaufen von Trumps politischen UnterstĂŒtzern - darunter auch jene, die als Kandidaten an Trumps Seite fĂŒr die Vize-Rolle bei den Wahlen im November gesehen werden.

Im Prozess belastete vor allem Cohen, Trumps ehemaliger Anwalt, seinen frĂŒheren Boss. Bei einem harten Kreuzverhör durch Trump-Anwalt Todd Blanche wurde zwar deutlich, wie oft Cohen in der Vergangenheit öffentlich gelogen hat, trotz der teils provokanten Fragen behielt der 57-JĂ€hrige aber die Contenance. Ein weiterer Höhepunkt des Prozesses war die Aussage von Pornostar Daniels selbst, die bis in peinliche Details vom angeblichen Sex mit Trump erzĂ€hlte - was den ehemaligen PrĂ€sidenten nicht besonders gut aussehen ließ. 

Zum Ende des Verfahrens verlor Richter Merchan ein Mal die Fassung, als er sich durch einen Trump-nahen Entlastungszeugen in seiner AutoritĂ€t untergraben sah. Merchan ließ den Saal vorĂŒbergehend rĂ€umen und drohte damit, den Mann aus dem Zeugenstand zu entfernen.

@ dpa.de