Merz, Macron

Merz und Macron drohen Moskau mit neuen Sanktionen

10.05.2025 - 13:04:59

Es ist ein Novum in drei Jahren Ukraine-Krieg: Die Staats- und Regierungschefs der vier wichtigsten europÀischen Partner kommen gemeinsam nach Kiew - mit einer klaren Botschaft.

  • Starmer, Macron und Merz reisten mit dem Zug in die Ukraine.  - Foto: Kay Nietfeld/dpa

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  • Starmer, Merz und Macron treffen auf dem Bahnhof in Kiew ein.  - Foto: Kay Nietfeld/dpa

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  • Spitzentreffen in Kiew: Wird es zu einer Waffenruhe zwischen Russland und der Ukraine kommen?  - Foto: Ludovic Marin/Pool AFP/AP/dpa

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Starmer, Macron und Merz reisten mit dem Zug in die Ukraine.  - Foto: Kay Nietfeld/dpaStarmer, Merz und Macron treffen auf dem Bahnhof in Kiew ein.  - Foto: Kay Nietfeld/dpaSpitzentreffen in Kiew: Wird es zu einer Waffenruhe zwischen Russland und der Ukraine kommen?  - Foto: Ludovic Marin/Pool AFP/AP/dpa

Bundeskanzler Friedrich Merz und Frankreichs PrĂ€sident Macron haben Russland mit weitreichenden Konsequenzen gedroht, falls Moskau eine 30-tĂ€gige Waffenruhe im Ukraine-Krieg ablehnen sollte. Bei einem Besuch in Kiew machen sich Merz, Macron, der britische Premierminister Keir Starmer und der polnische Regierungschef Donald Tusk fĂŒr eine solche Waffenruhe stark, die eine Chance fĂŒr Friedensverhandlungen eröffnen soll. Merz kĂŒndigte eine massive VerschĂ€rfung der Sanktionen an, falls sich Russland verweigern sollte. 

Merz, Macron und Starmer trafen am Morgen mit dem Zug in der ukrainischen Hauptstadt ein, wo sie gemeinsam mit Tusk mit PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj zusammentrafen. Selenskyj begrĂŒĂŸte Merz auf dem Maidan mit einer langen Umarmung. Auf dem zentralen UnabhĂ€ngigkeitsplatz gedachten die Staats- und Regierungschefs der Toten des russischen Angriffskriegs. Danach kamen sie zu Beratungen zusammen. 

Es ist die erste gemeinsame Reise der Staats- und Regierungschefs der vier großen europĂ€ischen VerbĂŒndeten der Ukraine ins Kriegsgebiet. Merz ist erst seit Dienstag im Amt. Er hatte den Besuch mit einem Telefonat mit US-PrĂ€sident Donald Trump vorbereitet. Dessen Forderung nach einer Waffenruhe von 30 Tagen unterstĂŒtzen die EuropĂ€er nun. 

«Wir bekrĂ€ftigen unsere UnterstĂŒtzung fĂŒr die Forderung von PrĂ€sident Trump nach einem Friedensabkommen. Russland ist aufgefordert, die BemĂŒhungen um einen dauerhaften Frieden nicht lĂ€nger zu behindern», hieß es in einer gemeinsamen ErklĂ€rung, die sie auf dem Weg nach Kiew veröffentlichten. 

Moskau reagiert gelassen - und stellt Bedingungen

Trump hat Russland bereits neue Sanktionen angedroht, sollte sich das Land einer Waffenruhe verweigern. In Kiew stellte auch Merz weitreichende Folgen in Aussicht, falls Moskau eine 30-tĂ€gige Feuerpause und anschließende Friedensverhandlungen ablehnen sollte. «Es wird dann eine massive VerschĂ€rfung der Sanktionen geben und es wird weiter massive Hilfe fĂŒr die Ukraine geben. Politisch ohnehin, finanzielle Hilfe, aber auch militĂ€rische», sagte der CDU-Chef der «Bild». 

Macron schrieb auf der Plattform X: «Ein gerechter und dauerhafter Frieden beginnt mit einem vollstÀndigen und bedingungslosen Waffenstillstand.» Wenn Moskau das weiter behindere, werde man den Druck erhöhen, «gemeinsam, als EuropÀer und in enger Abstimmung mit den Vereinigten Staaten». EU-KommissionsprÀsidentin Ursula von der Leyen schrieb: «Der Ball liegt nun bei Russland.» Die EU sei bereit, weitere scharfe Sanktionen zu verhÀngen, falls ein Waffenstillstand gebrochen werde. 

EU-Chefdiplomatin Kaja Kallas erklĂ€rte in einem Statement: «Wir schließen uns der Ukraine und den internationalen Partnern an, einschließlich der Vereinigten Staaten, und fordern einen vollstĂ€ndigen, bedingungslosen Waffenstillstand von mindestens 30 Tagen.» Wie in der Vergangenheit sei es nun an Russland, seine Bereitschaft zu zeigen, Frieden zu schaffen. Auch Nicht-EU-LĂ€nder wie Moldawien, Nordmazedonien und Norwegen unterstĂŒtzten die ErklĂ€rung.

Moskau reagierte gelassen auf neue Sanktionsdrohungen. Russland werde sich davon nicht einschĂŒchtern lassen, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow dem Staatsfernsehen in Moskau. Man stelle sich sogar schon vor, wie man die Folgen minimieren werde. «Uns mit Sanktionen Angst zu machen, lĂ€uft ins Leere.» FĂŒr eine 30-tĂ€gige Feuerpause stellt Moskau Bedingungen, darunter ein Ende der westlichen Waffenlieferungen an die Ukraine. 

Europa und USA ziehen erstmals wieder an einem Strang

Die USA und Europa scheinen nun erstmals seit dem Amtsantritt Trumps bei den BemĂŒhungen um ein Ende des Krieges in der Ukraine wieder an einem Strang zu ziehen - zumindest in diesem einen Punkt. In den vergangenen Monaten hatte Trump im Alleingang versucht, den Krieg zu beenden. Bisher blieb er ohne Erfolg. Trump hatte Selenskyj massiv unter Druck gesetzt, ZugestĂ€ndnisse an Putin zu machen. Die EuropĂ€er warnten dagegen vor einem Diktatfrieden.

In ihrer ErklĂ€rung machen die EuropĂ€er deutlich, dass eine Gebietsabtretung der Ukraine an Russland fĂŒr sie nicht infrage komme. «Russland muss seinen illegalen Angriffskrieg beenden und die Ukraine muss in die Lage versetzt werden, sich als souverĂ€ne Nation in ihren international anerkannten Grenzen zu entwickeln, auch fĂŒr kommende Generationen.»

Sie sichern der Ukraine auch weitere militĂ€rische Hilfe zu, um der «andauernden barbarischen und völkerrechtswidrigen Invasion» Russlands standzuhalten. «Wir werden unsere UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ukraine weiter ausbauen. Solange Russland einem dauerhaften Waffenstillstand nicht zustimmt, werden wir den Druck auf Russlands Kriegsmaschine weiter erhöhen.»

Merz bereitete Besuch bei Telefonat mit Trump vor

Merz hatte am Donnerstag sein erstes Telefonat mit US-PrĂ€sident Trump gefĂŒhrt. Der Kanzler habe den amerikanischen PrĂ€sidenten ĂŒber die gemeinsame ErklĂ€rung informiert, und der habe wohlwollend darauf reagiert, hieß es anschließend aus Merz' Umfeld. Trump verschĂ€rfte anschließend auf dem Portal Truth Social den Ton gegenĂŒber dem russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin und drohte mit Sanktionen, falls Russland sich einer Waffenruhe verweigere. 

Merz schloss sich wĂ€hrend seines BrĂŒssel-Besuchs am Freitag der Sanktionsdrohung an. «Der Ball liegt jetzt in Moskau, nirgendwo anders», sagte er. Zum Zeitplan fĂŒr eine Waffenruhe fĂŒgte er hinzu: «Ich habe die große Hoffnung, dass es ĂŒber dieses Wochenende eine Verabredung gibt fĂŒr einen Waffenstillstand in der Ukraine.»

Ukraine erwartet deutsche Zusage fĂŒr neue Waffenlieferungen

Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Oleksii Makeiev, rechnet damit, dass Merz der Ukraine bei dem Besuch neue Waffenlieferungen zusagen wird. «Ich bin mir sicher», sagte der Botschafter auf eine entsprechende Frage in Kiew. Details wollte er nicht nennen. Die neue Bundesregierung will deutsche Waffenlieferungen in die Ukraine wieder grĂ¶ĂŸtenteils geheim halten, wie Freitagabend aus Regierungskreisen verlautete.

@ dpa.de