Trump, Newsom

Trump gegen Newsom - Machtprobe in Kalifornien

09.06.2025 - 17:12:15

Es ist ein politisches KrÀftemessen. US-PrÀsident Trump befiehlt den Einsatz der Nationalgarde in Kalifornien. Gouverneur Newsom hÀlt dagegen und inszeniert sich als Gegenspieler.

Gavin Newsom gibt sich kĂ€mpferisch. «Nehmt mich halt fest. Lasst es uns hinter uns bringen. ... Ist mir völlig egal», sagt der Gouverneur des US-Bundesstaates trotzig in die Kamera. Zuvor hatte Tom Homan – der Mann, der die Abschiebepolitik von US-PrĂ€sident Donald Trump durchsetzen soll - mit einer Festnahme gedroht. «Wir mĂŒssen dagegen halten», schiebt Newsom nach - in Richtung Washington und ganz klar: in Richtung Trump. Der Republikaner hatte am Wochenende seine Macht demonstriert und den Einsatz der Nationalgarde gegen den erklĂ€rten Willen Newsoms in Kalifornien befohlen. 

Auslöser fĂŒr Trumps drastischen Schritt waren Proteste gegen Beamte der US-Einwanderungsbehörde ICE in Los Angeles. FĂŒr den Republikaner sind die Demonstrationen gegen seine Abschiebepolitik eine Chance, sich als starker und unnachgiebiger Mann im Weißen Haus zu prĂ€sentieren. Doch sie sind auch eine Gelegenheit fĂŒr einen besonderen Zweikampf: Trump gegen Newsom. Denn der Demokrat ist eine Art Lieblingsfeind des US-PrĂ€sidenten. Und es gilt als offenes Geheimnis, dass der 57-JĂ€hrige auf die PrĂ€sidentschaftskandidatur der Demokraten 2028 schielt.

Der Vorzeige-Liberale

Newsom steht fĂŒr alles, wofĂŒr Trump nicht steht. Der liberale Demokrat mit den nach hinten gegelten Haaren war von 2004 bis 2011 BĂŒrgermeister der WestkĂŒsten-Metropole San Francisco. Dort ist er auch geboren. Er erregte landesweit Aufsehen, als er als BĂŒrgermeister in einer spektakulĂ€ren Entscheidung gleichgeschlechtlichen Paaren grĂŒnes Licht zum Heiraten gab. Dies war damals in Kalifornien nicht erlaubt. Im Jahr 2019 wurde der als ehrgeizig geltende Newsom Gouverneur des Bundesstaates, der politisch als zutiefst progressiv gilt. Er wurde 2022 wiedergewĂ€hlt. Seine Amtszeit endet im Januar 2027 - er kann dann nicht noch einmal antreten. 

Als sich der damalige US-PrĂ€sident Joe Biden im vergangenen Sommer aus dem Rennen um das Weiße Haus zurĂŒckzog, wurde Newsom sofort als möglicher Ersatzkandidat der Demokraten ins Spiel gebracht. Schließlich zog er gegenĂŒber der damaligen US-Vize Kamala Harris den KĂŒrzeren. Er ist aber weiter einer der prominentesten Vertreter seiner Partei auf Bundesebene. Der charismatische Politiker war einst mit Kimberly Guilfoyle verheiratet, mittlerweile Ex-Verlobte von Trumps Sohn Don Jr. und designierte US-Botschafterin in Griechenland. 2004 posierten beide fĂŒr das Magazin «Harper's Bazaar» - der Titel der Geschichte: «Die neuen Kennedys».

Trumps und Newsoms Feinschaft ist nicht neu

Trump wettert immer wieder verbal gegen Newsom - nennt ihn regelmĂ€ĂŸig «Newscum» – ein Wortspiel mit dem englischen Begriff «scum», der auf Deutsch «Abschaum» bedeutet. Schon wĂ€hrend der Corona-Pandemie gerieten die beiden aneinander. Newsom war im Gegensatz zu Trump ein BefĂŒrworter strikter Maßnahmen - die beiden hatten im Verlauf der Pandemie wenig Positives ĂŒbereinander zu sagen. WĂ€hrend der verheerenden BrĂ€nde in Los Angeles Anfang des Jahres machte Trump Newsom schwere VorwĂŒrfe. Der Demokrat versuchte, die Situation zu entspannen. Als Trump nach Kalifornien reiste, holte ihn Newsom am Flughafen ab. Zumindest kurzzeitig zĂ€hmte Trump seinen Ton gegenĂŒber dem liberalen Gouverneur.

Nun liegen die PolitikansĂ€tze der beiden wieder völlig ĂŒber Kreuz. WĂ€hrend Trump auf einen maximal harten Kurs in der Migrationspolitik setzt, vertritt Newsom einen anderen Ansatz. Kalifornien ist seit 2017 ein sogenannter Sanctuary State - also eine Art Schutzstaat fĂŒr Migranten. In solchen Bundesstaaten - neben Kalifornien gibt es noch andere - gelten spezielle Gesetze, die Menschen ohne regulĂ€ren Aufenthaltsstatus in den USA besonders schĂŒtzen und ihnen Zugang zu bestimmten öffentlichen Dienstleistungen ermöglichen.

Newsom: Trump stiftet «Chaos und Gewalt»

Trump stellt sich offensiv gegen diese Schutzstaaten und versucht, ihnen Fördergelder des Bundes zu entziehen. Auch wenn Newsom bei der Erweiterung des Schutzes zuletzt zurĂŒckhaltender agierte und auch KĂŒrzungen bei der Gesundheitsversorgung fĂŒr Migranten ohne Papiere ins Spiel brachte, verteidigt er das prinzipielle Konzept des Schutzstaates entschlossen – vor allem im Konflikt mit Trump und dessen Regierung. Der Demokrat wirft Trump vor, mit dem Einsatz der Nationalgarde «Chaos und Gewalt» schĂŒren zu wollen. Trump hingegen behauptet, Newsom wĂŒrde einen «schrecklichen Job» in Kalifornien machen.

Der offene Streit mit Trump ist fĂŒr Newsom eine Möglichkeit, sich weiter zu profilieren - als versierter Gegenspieler des US-PrĂ€sidenten. Eigentlich versuchte Newsom allerdings zuletzt, sich von seinem Ruf als Vorzeige-Liberaler etwas zu befreien. In seinem neuen Podcast sagte Newsom vor einigen Wochen, dass er es fĂŒr unfair halte, wenn Transfrauen im Frauensport antreten. Damit brach er mit einer Position der Demokraten. Auch die Auswahl der GĂ€ste in dem Podcast war bemerkenswert. Unter ihnen war der ultrarechte Publizist Steve Bannon, mit dem Newsom freundlich plauderte. 

Bei den Demokraten ist noch alles offen

Es ist fraglich, ob Newsom mit dieser Strategie moderatere Republikaner hinter sich versammeln könnte, sollte er 2028 tatsĂ€chlich ins Rennen um das Weiße Haus gehen. Unter möglichen AnwĂ€rtern auf die PrĂ€sidentschaftskandidatur sind Demokraten, die als deutlich gemĂ€ĂŸigter - und damit auch mehrheitsfĂ€higer - gelten. Darunter sind etwa Josh Shapiro, Gouverneur des WechselwĂ€hlerstaats Pennsylvania, oder Andy Beshear, der an der Spitze des konservativ geprĂ€gten Bundesstaates Kentucky steht. 

Die Schlagzeilen waren Newsom mit seiner Neupositionierung jedoch sicher. Und der offene Disput ĂŒber den Einsatz der Nationalgarde mit Trump rĂŒckt ihn einmal mehr ins nationale Rampenlicht.

@ dpa.de