DĂ€nemarks MinisterprĂ€sidentin: Traurig und erschĂŒttert
09.06.2024 - 11:50:09DĂ€nemarks MinisterprĂ€sidentin Mette Frederiksen hat sich erstmals selbst an die Ăffentlichkeit gewandt, nachdem sie in Kopenhagen körperlich angegriffen worden war. Sie bedankte sich fĂŒr die vielen Nachrichten der UnterstĂŒtzung. «Das ist alles unglaublich rĂŒhrend», schrieb sie am Wochenende bei Instagram. Dazu postete sie ein Herz. Sie sei traurig und erschĂŒttert ĂŒber das, was vorgefallen sei, aber sonst wohlauf. Sie benötige nun Ruhe sowie Zeit fĂŒr sich und ihre Familie.
Die 46-JÀhrige war am Freitagabend in der Kopenhagener Innenstadt von einem Mann geschlagen worden. Die Polizei nahm einen VerdÀchtigen fest. Dem 39-JÀhrigen wird vorgeworfen, Frederiksen einen Schlag auf den Oberarm versetzt zu haben. Der VerdÀchtige ist vorerst in Haft und bestritt seine Schuld vor Gericht.
MutmaĂlicher TĂ€ter war wohl betrunken
Ermittler gehen derzeit nicht davon aus, dass es sich um eine geplante Attacke mit politischem Motiv handelte. Der Mann habe wahrscheinlich unter Drogen- und Alkoholeinfluss gestanden, meldete die dĂ€nische Nachrichtenagentur Ritzau. Er sei polnischer StaatsbĂŒrger und bestritt vor Gericht, etwas gegen Frederiksen zu haben. Sie sei eine «richtig gute MinisterprĂ€sidentin», sagte er Ritzau zufolge.
Die Zeitung «B.T.» zitierte Augenzeugen, wonach Frederiksen durch den Schlag zur Seite gefallen, aber nicht zu Boden gegangen sein soll. Die Politikerin wurde anschlieĂend im Krankenhaus untersucht und erlitt ein leichtes Schleudertrauma, wie ihr BĂŒro mitteilte. Sie sagte ihre Teilnahme an mehreren Veranstaltungen am Samstag ab und sollte auch am Sonntag keine öffentlichen Termine wahrnehmen.
«Welch ein Schock. So ist DÀnemark nicht.»
Politiker der Regierung und Opposition reagierten entsetzt auf die Attacke und erklĂ€rten sich solidarisch mit MinisterprĂ€sidentin. Der konservative dĂ€nische Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen schrieb auf der Plattform X: «Welch ein Schock. So ist DĂ€nemark nicht. Wir ĂŒberfallen unsere MinisterprĂ€sidentin nicht.»
Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) schickte ĂŒber X GenesungswĂŒnsche: «Liebe Mette, ich wĂŒnsche dir gute Besserung!» Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron reagierte ebenso wie GroĂbritanniens Premierminister Rishi Sunak. EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen schrieb an Frederiksen gerichtet: «Ich verurteile diese verachtenswerte Tat, die allem widerspricht, woran wir in Europa glauben und wofĂŒr wir kĂ€mpfen. Ich wĂŒnsche Dir Kraft und Mut â ich weiĂ, dass Du von beidem reichlich hast.»
Zuletzt waren mehrere Politiker in Europa auf der StraĂe angegriffen worden, auch in Deutschland. So wurde in Dresden der SPD-WahlkĂ€mpfer Matthias Ecke krankenhausreif geschlagen und ein Kommunalpolitiker der AfD in Mannheim bei der Verfolgung eines Wahlplakate-Diebes mit einem Messer verletzt. Der slowakische MinisterprĂ€sident Robert Fico wurde am 15. Mai von einem Regierungsgegner mit SchĂŒssen lebensgefĂ€hrlich verletzt.
Frederiksen machte Beleidigungen im Internet öffentlich
Frederiksen hatte erst vor einigen Wochen eine Debatte ĂŒber den zwischenmenschlichen Umgang gefordert, damals allerdings in sozialen Medien. Zur Verdeutlichung ihrer Kritik hatte sie mehrere Hassbotschaften veröffentlicht, die sie nach eigenen Angaben selbst bekommen hat. Schikane, Sexismus, Beschimpfungen, Hass und Drohungen gehörten leider fĂŒr viele zum Alltag, schrieb sie. Sie selbst habe in letzter Zeit Hassbotschaften und Drohungen in einem Umfang erhalten, wie sie es vorher nicht erlebt habe.


