Israel, Deutschland

Merz: Deutschland steht immer an der Seite Israels

07.12.2025 - 04:59:22 | dpa.de

Es ist eine seiner bisher wichtigsten Auslandsreisen, aber auch eine der schwierigsten. In Jerusalem betont der Kanzler die unverbrüchliche Solidarität mit Israel, spricht aber auch die Probleme an.

  • Der Besuch des Kanzlers in Israel gilt als wichtig aber auch schwierig. - Foto: Michael Kappeler/dpa
  • Merz betont, Deutschland werde immer an der Seite Israels stehen. - Foto: ABIR SULTAN/Pool EPA/AP/dpa
Der Besuch des Kanzlers in Israel gilt als wichtig aber auch schwierig.  - Foto: Michael Kappeler/dpa Merz betont, Deutschland werde immer an der Seite Israels stehen. - Foto: ABIR SULTAN/Pool EPA/AP/dpa

Zum Auftakt seines ersten Israel-Besuchs als Bundeskanzler hat Friedrich Merz die besondere Verantwortung Deutschlands für das Existenzrecht des jüdischen Staats bekräftigt. «Wir werden immer an der Seite dieses Landes stehen», sagte er bei einem Treffen mit dem israelischen Staatspräsidenten Izchak Herzog in Jerusalem. «Ich weiß um die Verpflichtung, die jeder Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland in diesem Land hat.»

Es bleibe für ihn persönlich ein Wunder, dass nach den Verbrechen des Holocaust die Freundschaft zwischen Deutschland und Israel bis heute so aufgebaut und vertieft werden konnte. Die deutsche Solidarität mit Israel gelte nun insbesondere auch «nach dem schrecklichen Massaker» der Hamas am 7. Oktober 2023. 

Kanzler spricht auch «Dilemmata» in den Beziehungen an

Merz betonte aber auch, dass er zu einer Zeit nach Israel komme, die «komplizierter kaum sein könnte». Das Vorgehen der israelischen Armee im Gaza-Krieg habe Deutschland «vor einige Dilemmata gestellt». Auf die habe man reagiert, sagte er offenbar auch mit Blick auf die vorübergehende Einschränkung von Rüstungsexporten nach Israel, die inzwischen wieder zurückgenommen wurde. 

Der Kanzler betonte aber, «dass wir bis heute im Grundsatz keinerlei Differenzen haben.» Israel habe das Recht, sich selbst zu verteidigen, es sei die Hamas gewesen, die den Krieg begonnen habe. Wenn sie ihre Waffen niederlege, sei der Krieg beendet. «Dann gibt es eine Zukunft für die Region, gibt es eine Zukunft auch für Gaza.»

Er bekräftigte das Ziel einer Zweistaatenlösung in Nahost. Damit ist gemeint, dass Israel und ein unabhängiger Palästinenserstaat friedlich Seite an Seite existieren.

Herzog spricht von «neuem Horizont» für Menschen in der Region

Israels Präsident Herzog drückte die Hoffnung aus, dass der Gaza-Plan von US-Präsident Donald Trump einen neuen Horizont für die Menschen in Gaza und Israel bedeute sowie für die arabischen Nachbarstaaten. Deutschland könne dabei eine wichtige Rolle spielen. 

Zur gerade erst erfolgten Stationierung des Raketenabwehrsystems Arrow 3 in Deutschland sagte Herzog: «Dass Deutschland in Europa mit einem israelischen Produkt verteidigt wird, ist einzigartig und sehr bewegend und wichtig.»

Deutsch-israelische Freundschaft «ein großer Schatz»

In das Gästebuch im Präsidentenamt in Jerusalem schrieb Merz: «Die Freundschaft zwischen Deutschland und Israel ist ein großer Schatz.» Acht Jahrzehnte nach der Schoah bleibe es «unsere Verantwortung, das Band zwischen unseren Ländern von Generation zu Generation neu zu stärken». Merz schrieb weiter: «Aus tiefer Überzeugung bin ich bereit, gemeinsam mit Ihnen meinen Teil zu dieser Verantwortung zu leisten.» Für die enge Verbundenheit mit Präsident Herzog sei er «zutiefst dankbar». 

Merz warnt vor Annexionen im Westjordanland

Merz war vor dem Besuch in Israel nach Jordanien gereist und hatte dort auf Fortschritte im Nahost-Friedensprozess gedrängt. Er richtete von dort aus auch mahnende Worte an Israel. Die Lage im Westjordanland dürfe nicht aus dem Blick geraten, sagte er. «Wir müssen den Weg zur palästinensischen Staatlichkeit offenhalten. Deshalb darf es keine Annexionsschritte im Westjordanland geben.» Ultrarechte Mitglieder der Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu machen sich seit langem für eine Annexion des Westjordanlands stark. Die Palästinenser beanspruchen das Gebiet als Teil eines künftigen unabhängigen Staates.

Treffen mit Netanjahu und befreiten Geiseln der Hamas

Am Sonntag trifft Merz Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Zuvor wird er die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem besuchen und der sechs Millionen während der Nazi-Diktatur ermordeten Juden gedenken - ein Programmpunkt, der zu jedem Antrittsbesuch eines deutschen Kanzlers oder einer Kanzlerin in Israel gehört. Außerdem trifft er sich mit freigelassenen Geiseln der Hamas und Hinterbliebenen von Geiseln, die in Gefangenschaft getötet wurden oder umgekommen sind.

Rüstungskooperation dürfte Thema sein

Beim Gespräch mit Netanjahu dürften neben dem Nahost-Friedensprozess auch die zuletzt turbulenten deutsch-israelischen Beziehungen eine größere Rolle in den Gesprächen in Jerusalem spielen. Das Teil-Embargo für die deutschen Rüstungsexporte hatte die deutsch-israelischen Beziehungen zuletzt schwer belastet. Am 8. August hatte Merz angeordnet, dass vorerst keine Ausfuhren von Rüstungsgütern nach Israel mehr genehmigt werden, die im Gaza-Krieg verwendet werden können. 

Nun hofft Israel wieder auf verstärkte Rüstungslieferungen aus Deutschland - unter anderem auf Getriebe für seine Merkava-Panzer. Andererseits profitiert Deutschland von israelischen Rüstungsgütern wie Arrow 3.

Netanjahu unsdad der internationale Haftbefehl

Die vielleicht schwierigste Frage für Merz wird sein, ob Netanjahu trotz eines internationalen Haftbefehls in Deutschland willkommen wäre. Noch kurz nach seinem Amtsantritt hatte der Kanzler seine grundsätzliche Bereitschaft erklärt, ihm einen Besuch zu ermöglichen. «Grundsätzlich muss ein israelischer Premierminister nach Deutschland reisen können», sagte er Mitte Mai. «Er ist ein demokratisch gewählter Ministerpräsident der einzigen Demokratie der gesamten Region. Dieser Ministerpräsident muss grundsätzlich nach Deutschland reisen können. Wie wir das ermöglichen, wenn es denn geplant werden sollte, darüber werden wir Sie dann rechtzeitig informieren.»

So schätzen die Börsenprofis Aktien ein!

<b>So schätzen die Börsenprofis Aktien ein!</b>
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlässliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
Für. Immer. Kostenlos.
de | ausland | 68410963 |

Weitere Meldungen

Lula prangert «Wahnsinn» des Iran-Krieges an. Er fordert, Technik für Frieden statt Zerstörung zu nutzen – und nimmt die Mächtigen ins Visier. Während Milliarden hungern, fließen 2,7 Billionen Dollar in Kriege, klagt Lula in Hannover. (Ausland, 19.04.2026 - 20:47) weiterlesen...

Michael Schulte zur ESC-Debatte: «Sollte um Musik gehen». Michael Schulte erklärt, warum ihn das traurig macht und was er vom deutschen Beitrag hält. Boykottaufrufe und politische Debatten prägen den ESC 2026. (Unterhaltung, 18.04.2026 - 06:46) weiterlesen...

Konferenz in Paris plant Marine-Mission in Straße von Hormus. Die Aufgabe ist hochkomplex, die Gefahr derzeit schwer einzuschätzen. In Paris haben Dutzende Länder über Möglichkeiten zur Sicherung der Straße von Hormus beraten - für die Zeit nach dem Iran-Krieg. (Ausland, 17.04.2026 - 18:59) weiterlesen...

Iran öffnet Straße von Hormus - Neutrale Mission geplant. Da verkündet der Iran eine Öffnung der Meerenge. Dutzende Länder werben für eine neutrale Marine-Mission zur Sicherung der Straße von Hormus. (Ausland, 17.04.2026 - 17:51) weiterlesen...

Krise in der Straße von Hormus: Beratungen in Paris. Die Aufgabe ist hochkomplex, die Gefahr derzeit schwer einzuschätzen. In Paris haben Beratungen über Möglichkeiten zur Sicherung der Straße von Hormus begonnen - für die Zeit nach dem Iran-Krieg. (Ausland, 17.04.2026 - 03:30) weiterlesen...

Auch während Kriegs Rüstungsexporte nach Israel genehmigt. Es gibt nun neue Zahlen dazu. Die Rüstungsexporte nach Israel waren zuletzt ein extrem heikles Thema für die Bundesregierung – erst wegen des Gaza-Kriegs, jetzt wegen des Iran-Kriegs. (Politik, 16.04.2026 - 04:30) weiterlesen...