UN-Vertrag, PlastikmĂŒll

UN-Vertrag gegen PlastikmĂŒll auf Messers Schneide

14.08.2025 - 05:00:49

Es soll ein globales Abkommen geben, um Umwelt- und GesundheitsschĂ€den durch PlastikmĂŒll zu reduzieren. Stunden vor Ende der Verhandlungsfrist sind die GrĂ€ben zwischen LĂ€ndern tief. Woran hapert es?

  • Öl produzierende LĂ€nder wollen keine ProduktionsbeschrĂ€nkungen. (Archivbild) - Foto: Sven Hoppe/dpa

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  • Die EuropĂ€er lehnen den jĂŒngsten Entwurf als zu wenig ehrgeizig ab. (Archivbild)  - Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

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  • Von PlastikmĂŒll besonders betroffene LĂ€nder wollen ein ehrgeiziges Abkommen. (Archivbild) - Foto: K.M. Chaudary/AP/dpa

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  • Der Vertrag soll auch das Recyceln von Plastikprodukten stĂ€rken. (Archivbild) - Foto: Fernando Vergara/AP/dpa

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Öl produzierende LĂ€nder wollen keine ProduktionsbeschrĂ€nkungen. (Archivbild) - Foto: Sven Hoppe/dpaDie EuropĂ€er lehnen den jĂŒngsten Entwurf als zu wenig ehrgeizig ab. (Archivbild)  - Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpaVon PlastikmĂŒll besonders betroffene LĂ€nder wollen ein ehrgeiziges Abkommen. (Archivbild) - Foto: K.M. Chaudary/AP/dpaDer Vertrag soll auch das Recyceln von Plastikprodukten stĂ€rken. (Archivbild) - Foto: Fernando Vergara/AP/dpa

Nach zehntĂ€gigem Ringen um einen globalen Vertrag zur EindĂ€mmung der verheerenden Plastikverschmutzung ist das Ergebnis der UN-Konferenz in Genf zunĂ€chst mager: Ohne Schlussspurt in den letzten Stunden vor Ablauf der gesetzten Frist drohen die BemĂŒhungen zu scheitern. Die Verhandlungen sollten am Donnerstag enden. FĂŒr die EuropĂ€ische Union sagte Umweltkommissarin Jessika Roswall: «Die EU ist zum Handeln bereit, aber nicht um jeden Preis.» 

Mit BestĂŒrzung reagierten Dutzende LĂ€nder am Mittwoch auf einen Last-Minute-Vertragsentwurf des Konferenzvorsitzenden. Daraus waren praktisch alle ehrgeizigen Ziele und Auflagen fĂŒr Regierungen gestrichen worden. «Dieser Text ist inakzeptabel und liefert nicht einmal das Minimum, das nötig ist, um mit der Dringlichkeit der Herausforderung umzugehen», warnte der dĂ€nische Delegierte im Namen der 27 EU-LĂ€nder. «Inakzeptabel» und «rote Linien ĂŒberschritten» - so Ă€ußerten sich zahlreiche Regierungsvertreter.

Knackpunkt Produktionsbegrenzung 

Mehr als 120 LĂ€nder stehen hinter der Forderung, den Gebrauch und die Produktion von Plastik auf ein nachhaltiges Niveau zu begrenzen. Ziel ist, bestimmte Einwegplastikprodukte wie Strohhalme oder Becher aus Styropor weltweit aus dem Verkehr zu ziehen. FĂŒr Öl produzierende LĂ€nder ist das Thema Produktionsbegrenzung aber ein rotes Tuch. Sie sehen ihre GeschĂ€fte schwinden. Plastik wird ĂŒberwiegend aus Öl hergestellt. Die LĂ€nder wollen stattdessen nur eine Einigung auf den Umgang mit Abfall akzeptieren. 

«Das Problem der internationalen Plastikverschmutzung ist gigantisch», sagte der StaatssekretĂ€r im deutschen Bundesumweltministerium, Jochen Flasbarth, am Vorabend des Finaltags. «Die produzierten Mengen sind nicht nachhaltig. Das immer neue HinzufĂŒgen des Plastiks muss Grenzen finden.»

Was Plastik mit Ökosystemen und Menschen macht 

Plastik vermĂŒllt Meere und Umwelt und vergiftet Ökosysteme, tötet Fische und andere Lebewesen und gefĂ€hrdet die menschliche Gesundheit. Kleinste Partikel werden vermehrt in Organen und auch im Gehirn gefunden. Die Nano- und Mikroplastikpartikel beeintrĂ€chtigen nach Studien unter anderem das Immunsystem, können sich in Arterien absetzen und fördern EntzĂŒndungen. 

Die Umweltversammlung der Vereinten Nationen, das höchste Entscheidungsgremium fĂŒr Umweltfragen, hatte 2022 einen Plastikvertrag beschlossen. Im Mandat heißt es, der Vertrag soll den ganzen Lebenszyklus des Plastiks umfassen, von der Produktion, ĂŒber das Design bis zur Entsorgung. FĂŒr die Ambitionierten wie Deutschland und die EU heißt das: weniger produzieren, Plastikprodukte mehrfach verwenden und recyceln, und das, was ĂŒbrig bleibt, umweltschonend entsorgen. 

«Wir mögen Plastik, es ist ein tolles Produkt, und wir werden es auch weiterhin brauchen», sagte die EU-Umweltkommissarin Roswall. «Aber wir mögen keine Plastikverschmutzung.» Die mĂŒsse endlich beendet werden. 

Harsche Kritik 

Der neue Vertragsentwurf sei nur noch ein Managementplan fĂŒr Abfall, monierten Kenia, die Philippinen und zahlreiche andere LĂ€nder. Eine Einigung auf den kleinsten gemeinsamen Nenner sei keine Option, sagte die Vertreterin Großbritanniens. Selbst Öl-Produzent Saudi-Arabien, das eine Produktionsbegrenzung seit langem bekĂ€mpft, kritisierte den Text. 

«Der Text ist ein Geschenk an die petrochemische Industrie und ein Verrat an der Menschheit», meinte der Chef der Delegation der Umweltorganisation Greenpeace, Graham Forbes. Die Wurzel des Übels, die unermĂŒdliche Plastik-Produktion, werde ignoriert.

@ dpa.de