Arktisstrategie, Eisbrecherflotte

EU-Gipfel in Rovaniemi: Merz und Partner beraten ĂĽber neue Arktis-Strategie und Eisbrecherflotte

Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 04:10 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Beim Arktis-Gipfel im finnischen Rovaniemi beraten Bundeskanzler Friedrich Merz und EU-Spitzen ĂĽber eine neue Strategie fĂĽr den Hohen Norden. Im Zentrum stehen Sicherheit, Schifffahrtsrouten, Rohstoffe und Europas Rolle zwischen Russland, China und den USA.

  • Das Treffen mit dem finnischen Ministerpräsidenten Petteri Orpo (l) war fĂĽr Kanzler Friedrich Merz der Gipfel-Auftakt. - Bild: Michael Kappeler/dpa
    Das Treffen mit dem finnischen Ministerpräsidenten Petteri Orpo (l) war für Kanzler Friedrich Merz der Gipfel-Auftakt. - Bild: Michael Kappeler/dpa
  • Ganz weit weg von Europa – und doch so wichtig fĂĽr die EU: die Arktisinsel Grönland. (Archivbild) - Bild: Li Ying/XinHua/dpa
    Ganz weit weg von Europa – und doch so wichtig für die EU: die Arktisinsel Grönland. (Archivbild) - Bild: Li Ying/XinHua/dpa
  • Die Verteidigung des hohen Nordens wird fĂĽr Europa immer wichtiger. (Archivbild) - Bild: Sebastian Christoph Gollnow/dpa
    Die Verteidigung des hohen Nordens wird fĂĽr Europa immer wichtiger. (Archivbild) - Bild: Sebastian Christoph Gollnow/dpa
  • Finnland sieht Eisbrecher als SchlĂĽssel fĂĽr Europas Handlungsfähigkeit im Norden. (Archivbild) - Bild: picture alliance / dpa
    Finnland sieht Eisbrecher als Schlüssel für Europas Handlungsfähigkeit im Norden. (Archivbild) - Bild: picture alliance / dpa
  • US-Präsident Donald Trump meldet regelmäßig BesitzansprĂĽche auf Grönland an. (Archivbild) - Bild: Evgeniy Maloletka/AP/dpa
    US-Präsident Donald Trump meldet regelmäßig Besitzansprüche auf Grönland an. (Archivbild) - Bild: Evgeniy Maloletka/AP/dpa
  • Merz brach am Sonntag von Dortmund aus in die Arktis auf – mitten in einer tiefen Krise seiner Kanzlerschaft. - Bild: Michael Kappeler/dpa
    Merz brach am Sonntag von Dortmund aus in die Arktis auf – mitten in einer tiefen Krise seiner Kanzlerschaft. - Bild: Michael Kappeler/dpa
Das Treffen mit dem finnischen Ministerpräsidenten Petteri Orpo (l) war für Kanzler Friedrich Merz der Gipfel-Auftakt. - Bild: Michael Kappeler/dpa Ganz weit weg von Europa – und doch so wichtig für die EU: die Arktisinsel Grönland. (Archivbild) - Bild: Li Ying/XinHua/dpa Die Verteidigung des hohen Nordens wird für Europa immer wichtiger. (Archivbild) - Bild: Sebastian Christoph Gollnow/dpa Finnland sieht Eisbrecher als Schlüssel für Europas Handlungsfähigkeit im Norden. (Archivbild) - Bild: picture alliance / dpa US-Präsident Donald Trump meldet regelmäßig Besitzansprüche auf Grönland an. (Archivbild) - Bild: Evgeniy Maloletka/AP/dpa Merz brach am Sonntag von Dortmund aus in die Arktis auf – mitten in einer tiefen Krise seiner Kanzlerschaft. - Bild: Michael Kappeler/dpa

Im finnischen Rovaniemi am Polarkreis beraten Bundeskanzler Friedrich Merz und Spitzenvertreter mehrerer EU-Staaten ĂĽber eine neue Strategie Europas fĂĽr die Arktis.

Gipfel am Polarkreis zu Routen, Rohstoffen und Sicherheit

Bei dem Treffen soll ausgelotet werden, wie die EU ihre Interessen in der Region sichern kann. Im Mittelpunkt stehen neue Schifffahrtsrouten, die durch den klimabedingten Rückgang des arktischen Meereises entstehen, sowie unerschlossene Rohstoffvorkommen. Zugleich geht es um Sicherheitsbedrohungen durch militärische Aktivitäten Russlands und Chinas in der Region.

Merz zwischen Arktis-Diplomatie und innenpolitischer Krise

Merz reist inmitten einer Krise seiner Kanzlerschaft nach dem Wahldebakel der CDU in Sachsen-Anhalt nach Finnland. Es ist seine erste Auslandsreise nach der Sommerpause, in die er mit einer umstrittenen Personalrochade gestartet war. Der Druck aus der eigenen Partei hat sich dadurch weiter erhöht, bei den bevorstehenden Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin geht es auch um seine politische Zukunft.

Signal an EU- und Nato-Partner

Die Teilnahme am Arktis-Gipfel soll zugleich ein Zeichen an EU- und Nato-Partner senden, dass sich Deutschland sicherheitspolitisch auch im Hohen Norden engagiert. Experten betonen, die Arktis könne als Sicherheitsraum nicht mehr von Europa und der Ostsee getrennt werden. Daher sind auch Staats- und Regierungschefs aus den baltischen Staaten eingeladen, um ihre Erfahrungen einzubringen.

Grönland und wachsende Begehrlichkeiten

Zu den Gästen zählt die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen, die mit Besitzansprüchen von US-Präsident Donald Trump auf Grönland konfrontiert ist. Trump argumentiert, Dänemark könne die Insel nicht ausreichend vor Russland und China schützen. Grönland gehört als weitgehend autonomes Territorium zum Königreich Dänemark und gilt wegen seiner militärstrategischen Lage und vermuteten Bodenschätze als besonders begehrt.

EU sucht engere Kooperation mit Grönland

Grönland ist zwar kein Mitglied der Europäischen Union, doch Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat bei einem Besuch auf der Insel eine engere Zusammenarbeit angekündigt. Ein Investitionspaket von 200 Millionen Euro soll unter anderem in Infrastruktur fließen, die nötig ist, um wertvolle Rohstoffe zu gewinnen.

Arktische Staaten und der Rat im hohen Norden

Neben Dänemark mit Grönland zählen Norwegen mit Spitzbergen, Russland, die USA und Kanada zu den arktischen Polarstaaten. Dem 1996 zum Schutz der Umwelt gegründeten Arktischen Rat gehören zudem Island, Schweden und Finnland an. Gipfelgastgeber Finnland will deutlich machen, dass die Arktis als integraler Bestandteil europäischer Sicherheit verstanden werden muss und nicht mehr nur als Gegenstand wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Interessen.

Bedrohungen durch Unterseeboote und Infrastruktur

Als Beispiel für neue Bedrohungen gelten offengelegte Aktivitäten russischer Unterseeboote im Hohen Norden im Frühjahr. Nach Informationen aus Nato-Kreisen sollen die Boote nahe Spitzbergen eine Technologie erprobt haben, mit der sich Unterseekabel nahezu spurenlos sabotieren lassen. Solche Kabel sind für Kommunikation und Datenverkehr zwischen Europa und der Welt zentral.

Finnlands Plädoyer für Eisbrecherfähigkeiten

Die Ergebnisse des Treffens sollen in die geplante neue Arktis-Strategie der EU-Kommission einfließen. Vor allem Finnland will erreichen, dass europäische Eisbrecherfähigkeiten als konkretes Projekt aufgenommen werden. Das Land sieht Eisbrecher als Schlüssel für Europas Handlungsfähigkeit im Norden, weil ohne solche Schiffe Versorgung, Handel und militärische Präsenz trotz schwindenden Meereises nicht zuverlässig gesichert werden können.

Debatte über eine europäische Eisbrecher-Flotte

Kommissionspräsidentin von der Leyen hat vorgeschlagen, höhere europäische Verteidigungsausgaben für eine europäische Eisbrecher-Flotte oder entsprechende Fähigkeiten zu nutzen. Die Kommission arbeitet an einem umfassenderen Paket für die Sicherheit der Arktis. Ein konkretes Beschaffungsprogramm oder eine festgelegte Zahl neuer Schiffe gibt es bisher jedoch nicht.

Finnische Werften als strategischer Faktor

Der Ökonom Anselm Küsters vom Centrum für Europäische Politik sieht die Debatte über Europas Souveränität eng mit der Lage der finnischen Werften verknüpft. Er betont, entscheidend seien unscheinbare Fähigkeiten, deren Ersatz Jahre dauere. Nach seiner Analyse haben Unternehmen aus Finnland rund 80 Prozent der Eisbrecher weltweit entworfen und etwa 60 Prozent gebaut.

EU-Botschaft an die USA und wachsende Präsenz Russlands und Chinas

Aus der Delegation der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas wird hervorgehoben, die Sicherheit der Arktis sei europäische Sicherheit und Europa müsse entsprechend handeln. Der Klimawandel bleibe ein Kernelement der neuen EU-Arktispolitik, zugleich müsse sich die Union aber auf eine härtere Sicherheitslage einstellen, in der Russland die Arktis zunehmend militarisiert und China seine Präsenz und Ambitionen ausweitet. Nach Einschätzung des Experten Tobias Etzold will die EU mit dem Gipfel auch den USA signalisieren, dass sie in der Region eigene Interessen verfolgt und anderen Akteuren das Feld nicht überlässt.

Arktis als neue sicherheitspolitische SchlĂĽsselregion

Die Beratungen in Rovaniemi markieren den Versuch der EU, die Arktis nicht mehr nur als entfernte Forschungsregion, sondern als strategischen Teil ihres sicherheitspolitischen Umfelds zu begreifen. Der klimabedingte Rückgang des Meereises eröffnet neue Schifffahrtsrouten, die Handelsströme und militärische Bewegungen dauerhaft verändern können. Zugleich wächst der Wettbewerb um Rohstoffe und kritische Infrastruktur – etwa Unterseekabel –, die für digitale Kommunikation und Energieversorgung in Europa zentral sind. Die Präsenz Russlands und Chinas in der Region verschärft diesen Wettbewerb.

Spannungsfeld zwischen AuĂźenpolitik und Berliner Innenlage

Die Reise von Bundeskanzler Friedrich Merz nach Finnland fällt in eine innenpolitisch heikle Phase. Nach dem Wahldebakel seiner Partei in Sachsen-Anhalt steht seine Kanzlerschaft unter Druck, weitere Landtagswahlen könnten den Kurs der Bundesregierung zusätzlich beeinflussen. In dieser Situation dient der Arktis-Gipfel auch als Signal an EU- und Nato-Partner, dass Deutschland trotz innenpolitischer Spannungen handlungsfähig bleibt und sich in strategischen Fragen engagiert. Für Leserinnen und Leser bedeutet dies, dass Entscheidungen über Arktispolitik und Verteidigungsprojekte wie Eisbrecher nicht losgelöst von parteipolitischen Debatten in Berlin stehen.

Eisbrecherfähigkeiten, Grönland und Europas Souveränität

Finnland drängt darauf, Eisbrecherfähigkeiten als konkretes Projekt der neuen EU-Arktisstrategie zu verankern. Eisbrecher sichern Versorgung, Handel und militärische Präsenz, selbst wenn Teile der Arktis nur saisonal eisfrei sind. Unternehmen aus Finnland verfügen über besondere Expertise in diesem Bereich, was dem Land innerhalb der EU wirtschaftliche und politische Hebel verschafft. Zugleich versucht die EU, ihre Interessen in Grönland gegenüber den USA deutlicher zu vertreten und durch ein Investitionspaket den Zugang zu kritischen Rohstoffen und Infrastruktur zu sichern. Für Europa steht damit nicht nur Klimaschutz, sondern auch technologische und militärische Souveränität im Hohen Norden auf dem Spiel.

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