EU-Haushalt: Costa plant Sondergipfel am 26. November
Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 23:21 Uhr | dpa, AD HOC NEWSFinanzrahmen und Gipfeltermine
- Der neue langfristige EU-Haushalt soll die Jahre 2028 bis 2034 abdecken.
- Am 26. November ist ein Sondertreffen der Staats- und Regierungschefs geplant.
- Der irische Vorschlag sah rund 1,826 Billionen Euro und damit rund 159 Milliarden Euro weniger als der Kommissionsentwurf vor.
EU-Haushalt 2028 bis 2034 soll neuen Verhandlungsschub erhalten
EU-RatsprĂ€sident AntĂłnio Costa will in den kommenden Wochen einen neuen Vorschlag fĂŒr den langfristigen EU-Haushalt vorlegen. Am 26. November sollen die Staats- und Regierungschefs bei einem Sondertreffen ĂŒber den Finanzrahmen fĂŒr die Jahre 2028 bis 2034 beraten.
Zeitplan fĂŒr eine Einigung
Im Idealfall soll drei Wochen nach dem Sondertreffen beim regulÀren Gipfel eine Einigung erzielt werden. Die Staats- und Regierungschefs forderten Costa auf, die Verhandlungen mit Blick auf einen rechtzeitigen Abschluss voranzubringen.
Ein Abschluss noch vor Ende 2026 wĂŒrde nach Angaben der EU den Weg fĂŒr die notwendigen Rechtsakte im Jahr 2027 freimachen. So könnten Anfang 2028 ohne Unterbrechung EU-Gelder flieĂen.
Drei Themen stehen im Mittelpunkt
Costa will vor allem drei Bereiche voranbringen. Die nationalen BeitrÀge einzelner Mitgliedstaaten sollen politisch tragfÀhig bleiben, zugleich sollen die EU-Kommission und die Staaten ein neues Paket zusÀtzlicher Eigenmittel entwickeln.
GeprĂŒft werden sollen auch VorschlĂ€ge des Europaparlaments und eine mögliche Einnahmequelle aus der Vergabe von 6G-Mobilfunkfrequenzen. AuĂerdem soll der Haushalt genĂŒgend Spielraum behalten, um auf unvorhersehbare Krisen reagieren zu können.
Verhandlungen als Gesamtpaket
Ăber neue Eigenmittel soll nicht vorab getrennt entschieden werden. Stattdessen sollen Ausgabenhöhe, nationale BeitrĂ€ge, zusĂ€tzliche Einnahmen und die FlexibilitĂ€t des Haushalts gemeinsam verhandelt werden.
ZusĂ€tzliche Einnahmen könnten den Spielraum fĂŒr einen gröĂeren Haushalt erweitern, ohne die BeitrĂ€ge der Mitgliedstaaten im gleichen Umfang zu erhöhen. Wie hoch das Gesamtvolumen am Ende ausfĂ€llt, ist jedoch offen; auch fĂŒr Agrar- und Strukturförderung gibt es bislang keinen neuen Ansatz.
Merz weist irischen Vorschlag zurĂŒck
Die Fronten hatten sich am vergangenen Wochenende verschĂ€rft, nachdem Bundeskanzler Friedrich Merz einen Vorschlag der irischen RatsprĂ€sidentschaft als inakzeptabel zurĂŒckgewiesen hatte. Dieser sah vor, den nĂ€chsten Etat gegenĂŒber dem ursprĂŒnglichen Kommissionsvorschlag um rund 159 Milliarden Euro auf insgesamt rund 1,826 Billionen Euro zu kĂŒrzen.
Deutschland sowie die Niederlande, Schweden und Ăsterreich hatten zuvor eine KĂŒrzung des Haushaltsentwurfs um mehrere Hundert Milliarden Euro gefordert. Die Staaten gehören zu den Nettozahlern, die unter dem Strich mehr in den EU-Haushalt einzahlen, als sie zurĂŒckerhalten.
Der MehrjĂ€hrige Finanzrahmen legt fest, welche politischen PrioritĂ€ten die EU von 2028 bis 2034 finanzieren kann. Die Verhandlungen verbinden deshalb mehrere Konflikte: Nettozahler wie Deutschland dringen auf begrenzte BeitrĂ€ge, wĂ€hrend EmpfĂ€ngerstaaten auf ausreichende Mittel fĂŒr Landwirtschaft, regionale Entwicklung und andere Förderprogramme pochen.
Der Finanzrahmen wird ĂŒberwiegend aus nationalen BeitrĂ€gen und Eigenmitteln finanziert. ZusĂ€tzliche Einnahmequellen könnten den Druck auf die Mitgliedstaaten verringern, werfen aber zugleich Fragen nach ihrer Ausgestaltung, Verteilung und politischen Zustimmung auf. Die mögliche Nutzung von Erlösen aus der Vergabe kĂŒnftiger 6G-Frequenzen steht dabei fĂŒr den Versuch, die Einnahmeseite strukturell zu verbreitern.
Entscheidung mit Folgen fĂŒr 2028
Der Zeitplan erhöht den politischen Druck. Eine Einigung bis Ende 2026 wĂŒrde der EU 2027 Zeit fĂŒr die nötigen Rechtsakte lassen; ohne rechtzeitigen Abschluss könnten sich Planung und Umsetzung des neuen Finanzrahmens erschweren. Das Sondertreffen am 26. November soll die festgefahrenen Positionen zunĂ€chst wieder zusammenfĂŒhren.
FĂŒr Deutschland geht es neben der Höhe des Gesamtvolumens um die Verteilung der Lasten und um die Frage, an welchen Stellen gekĂŒrzt wird. FĂŒr Regionen, Landwirte, Forschungseinrichtungen und Unternehmen entscheidet sich erst im weiteren Verlauf, welche Programme und Förderbedingungen ab 2028 tatsĂ€chlich gelten.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
n-tv: âFast zwei Billionen Euro geplant: Warum Merz mit anderen Staaten um den EU-Haushalt streitetâ (15.10.2026)
Der Beitrag ordne den Streit ĂŒber den Finanzrahmen 2028 bis 2034 ein und stelle die Position der Nettozahler dem höheren Finanzbedarf von EU-Kommission und Parlament gegenĂŒber. Anders als die dpa-Meldung konzentriere er sich auf die bisherigen GröĂenordnungen und die politischen Interessen der beteiligten Staatengruppen.
tagesschau: âEU-Spitzen verhandeln ĂŒber Haushaltâ (15.10.2026)
Der Artikel betone Deutschlands Rolle als gröĂter Nettozahler und die Bedeutung des Haushalts fĂŒr Landwirtschaft, Forschung und Regionalförderung. Zudem verweise er auf das Risiko eines politischen Vertrauensverlusts bei einer ausbleibenden Einigung, wĂ€hrend der konkrete neue Vorschlag Costas dort noch nicht im Mittelpunkt stehe.
Beide BeitrĂ€ge bestĂ€tigten die grundsĂ€tzliche Konfrontation ĂŒber Umfang und PrioritĂ€ten des nĂ€chsten EU-Haushalts. Unterschiedliche Schwerpunkte lĂ€gen bei der Einordnung der finanziellen GröĂenordnung und den möglichen Folgen eines Scheiterns; offen bleibe, wie die Mitgliedstaaten Einnahmen, BeitrĂ€ge und Ausgaben zu einem Kompromiss verbinden.
