Robert Habeck, EU-Kanada-Beziehungen

EU-Kanada-Partnerschaft: Habeck kritisiert Bundesregierung

Veröffentlicht am: 01.11.2026 um 08:39 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS
Der Grünen-Politiker wirft der Bundesregierung vor, eine engere Anbindung Kanadas an die EU verhindert zu haben. Er fordert von Europa mehr strategische Eigenständigkeit gegenüber den USA, Russland und China.

Habecks Forderungen an Europas Außenpolitik

  • Robert Habeck bezeichnete das Vorgehen der deutschen Regierung als Fehler.
  • Ursula von der Leyen hatte Kanada als mögliches assoziiertes EU-Mitglied vorgeschlagen.
  • Habeck verwies auf Premierminister Mark Carney und forderte Europas entschiedeneres Auftreten gegenüber USA, Russland und China.
Robert Habeck (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Habeck fordert engere EU-Bindung Kanadas

Der frühere Wirtschaftsminister und Vizekanzler Robert Habeck (Grüne) hält es für einen Fehler, dass Kanada auf Drängen der Bundesregierung vorerst nicht „assoziiertes Mitglied“ der EU wird. „Dass die deutsche Regierung ein Zusammenrücken der EU und Kanadas verhindert, ist ein Fehler“, sagte Habeck dem „Handelsblatt“.

Vorschlag beim Gipfel zurückgezogen

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte Kanadas Mitgliedschaft vorgeschlagen. Bei einem EU-Kanada-Gipfel am Donnerstag wurde der Plan jedoch zurückgezogen.

„Das Gegenteil wäre richtig“, sagte Habeck. Es spiele keine Rolle, ob die Bundesregierung verärgert gewesen sei, weil von der Leyen die „assoziierte Partnerschaft“ unabgestimmt vorgeschlagen habe, oder ob sie aus Sorge vor den Reaktionen von US-Präsident Donald Trump gehandelt habe.

Europa soll entschiedener auftreten

Habeck forderte, dass sich Europa entschiedener gegenüber den USA, Russland und China aufstellt. „Die Aufgabe ist, nicht darauf zu vertrauen, dass sich die alte Welt wieder einrenkt, sondern die neue Welt Volley zu nehmen“, sagte der Grünen-Politiker.

Als Vorbild nannte Habeck Kanadas Premierminister Mark Carney, der sich „nicht herumschubsen lasse“. In Europa fänden „in der Theorie Carney alle toll, aber keiner traut sich, die Konsequenzen zu ziehen“.

Der Streit über Kanadas mögliche engere Anbindung an die EU berührt eine grundsätzliche Frage europäischer Außen- und Sicherheitspolitik. Die von Ursula von der Leyen vorgeschlagene assoziierte Mitgliedschaft würde keine Vollmitgliedschaft Kanadas bedeuten, könnte aber die politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit deutlich vertiefen.

Kanada verfügt über große Rohstoffvorkommen, enge sicherheitspolitische Beziehungen zu Europa und eine gemeinsame Haltung zu mehreren internationalen Konflikten. Eine institutionalisierte Partnerschaft könnte deshalb über symbolische Diplomatie hinausgehen und bei Rohstoffen, Verteidigung, Technologie und Handel praktische Bedeutung gewinnen.

Streit über das europäische Vorgehen

Der EU-Kanada-Gipfel in Montréal brachte zugleich konkrete Vereinbarungen zu Rohstoffen, Rüstung und künstlicher Intelligenz. Der Umgang mit dem Vorschlag zur assoziierten Mitgliedschaft zeigt jedoch, dass innerhalb Europas unterschiedliche Vorstellungen über Tempo, Zuständigkeiten und den Umgang mit den USA bestehen.

Habecks Kritik zielt auf eine strategische Priorität: Europa solle seine Beziehungen zu Kanada nicht von kurzfristigen Verstimmungen oder möglichen Reaktionen Washingtons abhängig machen. Für Deutschland steht damit auch die Frage im Raum, ob die Bundesregierung europäische Initiativen aktiv vorantreibt oder bei außenpolitischen Vorhaben zunächst nationale und transatlantische Rücksichten in den Vordergrund stellt.

Kanada als strategischer Partner

Die weitere Entwicklung dürfte davon abhängen, ob die EU-Staaten einen gemeinsamen Rahmen für die Partnerschaft finden. Die Diskussion betrifft damit nicht nur das Verhältnis zu Kanada, sondern Europas Fähigkeit, gegenüber den USA, Russland und China geschlossen aufzutreten.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Tagesschau: „EU-Kanada-Gipfel: "Die neue Allianz ist keine Marketing ...“ (30.10.2026)

Der Beitrag ordnet die geplante engere Zusammenarbeit als neue Allianz ein und berichtet ebenfalls über den Vorschlag einer assoziierten Mitgliedschaft Kanadas. Im Mittelpunkt stehen dabei die politische Bedeutung des Gipfels und die praktische Zusammenarbeit.

Deutschlandfunk: „Gipfel in Montreal - EU und Kanada verabreden "Allianz für die Zukunft" - Von der Leyen spricht mit Carney auch über Mitgliedschaft“ (31.10.2026)

Der Bericht bestätigt, dass von der Leyen mit Premierminister Mark Carney über die Idee eines assoziierten EU-Status gesprochen hat. Anders als Habecks Kritik konzentriert er sich auf den Gipfelverlauf und die Gespräche zwischen den EU- und kanadischen Spitzenvertretern.

Übereinstimmung besteht beim Ziel einer engeren strategischen Zusammenarbeit. Offen bleibt, unter welchen politischen Bedingungen der Status weiterverfolgt wird und welche Rolle die Bundesregierung dabei einnimmt.

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