EU-Kommission sieht Montenegro 2028 als 28. Mitglied
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 15:44 Uhr | dpa, AD HOC NEWSMontenegros Weg zur EU-Mitgliedschaft
- Montenegro könnte Ende 2026 die Beitrittsverhandlungen abschließen.
- Die EU-Kommission nennt Juni 2027 als möglichen Termin für die Unterzeichnung des Beitrittsvertrags.
- Für die Aufnahme müssen alle 27 bisherigen EU-Mitgliedstaaten den Vertrag ratifizieren.
Montenegro rückt in den Mittelpunkt der EU-Erweiterung
Montenegro könnte nach Einschätzung der EU-Kommission das nächste Mitgliedsland der Europäischen Union werden. Nach einer neuen Analyse der Brüsseler Behörde könnte das Westbalkanland bereits Ende 2026 die Beitrittsverhandlungen abschließen und 2028 der EU beitreten.
Reformen entscheiden über den Zeitplan
In den kommenden Wochen müsse Montenegro den Fokus auf die Vorbereitung der EU-Mitgliedschaft beibehalten und beschlossene Reformen nachhaltig umsetzen. Die Kommission geht dann davon aus, dass der Beitrittsvertrag zunächst ausgehandelt und im Juni 2027 unterzeichnet werden kann.
Anschließend müssen alle 27 bisherigen EU-Mitgliedstaaten den Vertrag ratifizieren. Auch Montenegro selbst muss dem Beitritt zustimmen. Der mögliche Zeitplan steht damit unter dem Vorbehalt weiterer Reformfortschritte und der Zustimmung aller beteiligten Staaten.
Albanien und Moldau mit späteren Zielmarken
Auch Albanien und Moldau könnten der Kommission zufolge in den kommenden Jahren beitreten. Für Albanien wird ein Abschluss der Beitrittsverhandlungen Ende 2027, für Moldau Anfang 2028 für möglich gehalten.
Bis zu einer Aufnahme dürften danach jeweils mehr als 20 Monate vergehen. In dieser Zeit müssen die Beitrittsverträge fertig ausgehandelt, unterzeichnet und von den bisherigen Mitgliedstaaten sowie dem jeweiligen Kandidatenland ratifiziert werden.
Ukraine verfolgt ambitioniertes Ziel
Die Ukraine will Ende 2028 einen Abschluss der Beitrittsverhandlungen erreichen. Die Kommission unterstützt dieses Ziel, hält dafür aber ein höheres Reformtempo für nötig.
Als besonders schwierig gelten Reformen bei Rechtsstaatlichkeit und Korruptionsbekämpfung. Hinzu kommt, dass die Ukraine diese Veränderungen während des russischen Angriffskriegs umsetzen muss.
EU-Perspektive mit besonderer Bedeutung
Für die Ukraine ist die Aussicht auf eine EU-Mitgliedschaft politisch und wirtschaftlich besonders wichtig. Eine Aufnahme während des Krieges gilt wegen der damit verbundenen militärischen Beistandsverpflichtungen als kaum vorstellbar.
Die Ukraine hat rund 39 Millionen Einwohner und eine Fläche von etwa 604.000 Quadratkilometern. Montenegro zählt rund 620.000 Einwohner, Albanien und Moldau jeweils etwa 2,4 Millionen.
Erweiterung bringt Chancen und Risiken
Die EU verbindet die Erweiterung auch mit geopolitischen Zielen. Ein größerer Staatenverbund soll den Einfluss der Union stärken und verhindern, dass Länder aus Enttäuschung über fehlende Beitrittsperspektiven engere Beziehungen zu Russland oder China suchen.
Der Westbalkan ist für die europäische Sicherheit, Energieversorgung und Migrationspolitik von strategischer Bedeutung. Zugleich gibt es Bedenken wegen des Schutzes der künftigen Außengrenzen und der gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik.
Ukraine stellt die EU vor besondere Aufgaben
Bei einem EU-Beitritt der Ukraine müsste die Union zudem die große ukrainische Landwirtschaft integrieren. Uneingeschränkte Agrarsubventionen könnten den EU-Haushalt belasten; zusätzliche Produktion könnte Preise für Getreide, Zucker und Geflügel unter Druck setzen.
Die Kommission hat deshalb besondere Übergangsregelungen vorgeschlagen. Sie könnten die finanzielle Unterstützung und den Marktzugang für sensible Agrarprodukte begrenzen.
Für weitere Kandidaten fehlen Fahrpläne
Für Serbien, Bosnien-Herzegowina, Nordmazedonien und Kosovo gibt es vorerst keine vergleichbaren Beitrittsfahrpläne. Gleiches gilt für die Türkei und Georgien. Bei der Türkei und Georgien liegt der Beitrittsprozess wegen demokratischer und rechtsstaatlicher Defizite auf Eis.
Das jüngste EU-Mitglied Kroatien trat am 1. Juli 2013 bei. Seitdem hat es keinen weiteren EU-Beitritt gegeben; nach dem Austritt Großbritanniens im Jahr 2020 zählt die Union 27 Mitgliedstaaten.
Montenegro steht im EU-Erweiterungsprozess derzeit an vorderster Stelle. Die Kommission verbindet die Aussicht auf einen Abschluss der Verhandlungen Ende 2026 jedoch ausdrücklich mit weiteren Reformen und deren nachhaltiger Umsetzung. Damit bleibt der mögliche Beitritt an rechtsstaatliche und institutionelle Bedingungen geknüpft.
Zwischen dem Ende der Verhandlungen und der Aufnahme in die EU liegen mehrere rechtliche Schritte. Zunächst muss der Beitrittsvertrag ausgehandelt und unterzeichnet werden. Danach müssen alle 27 bisherigen Mitgliedstaaten sowie Montenegro selbst ratifizieren. Der von der Kommission genannte Zeitplan sieht die Unterzeichnung im Juni 2027 und den Beitritt im Jahr 2028 vor.
Erweiterung mit geopolitischem Gewicht
Die Perspektive für Montenegro steht in einem größeren Erweiterungsprozess. Auch Albanien und Moldau erhalten konkrete zeitliche Zielmarken, während die Ukraine trotz des Krieges an einem besonders ambitionierten Verhandlungsziel festhält. Für die EU geht es dabei nicht nur um institutionelles Wachstum, sondern auch um Stabilität und politischen Einfluss in einer strategisch wichtigen Nachbarschaft.
Ein Beitritt der Ukraine hätte wegen ihrer Größe und Landwirtschaft erhebliche Folgen für EU-Haushalt, Agrarmarkt und Entscheidungsstrukturen. Zugleich erschweren der Krieg, Reformen bei Rechtsstaatlichkeit und Korruptionsbekämpfung sowie die erforderliche Einstimmigkeit der Mitgliedstaaten eine schnelle Aufnahme. Montenegros kleineres Staatsgebiet und die weit fortgeschrittenen Verhandlungen machen den dortigen Zeitplan deshalb vergleichsweise greifbar, garantieren ihn aber nicht.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
BR24: „Brüssel sieht Montenegro als nächstes EU-Mitglied“ (04.11.2026)
Der Beitrag bestätigt die Einschätzung der EU-Kommission, wonach Montenegro die Verhandlungen bis Jahresende abschließen und 2028 Mitglied werden könnte. Er konzentriert sich auf den Zeitplan und ordnet weitere politische Fragen nicht näher ein.
Euronews: „Montenegro: Keine EU-Mitgliedschaft zweiter Klasse! Beitritt 2028“ (04.11.2026)
Der Artikel bestätigt das Ziel eines Beitritts 2028 und stellt die Position der montenegrinischen EU-Ministerin Maida Gor?evi? heraus. Einen anderen Schwerpunkt setzt er auf die Forderung nach einer vollwertigen Mitgliedschaft sowie auf offene Streitfragen mit Kroatien.
Beide Beiträge stimmen beim möglichen Zeitplan überein. Unterschiede gibt es vor allem beim Fokus: Während BR24 die Kommissionsanalyse knapp wiedergibt, beleuchtet Euronews die politische Position Montenegros und bilaterale Fragen.
