Donald Trump, Anklage

Erneute Trump-Anklage: Was das heißt und wie es weitergeht

09.06.2023 - 06:27:08 | dpa.de

Ex-US-PrÀsident Donald Trump macht öffentlich, dass Anklage gegen ihn erhoben wurde - schon wieder. Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Verfahren.

Ex-US-PrÀsident Donald Trump auf dem GelÀnde des Trump National Golf Club in Virginia. - Foto: Alex Brandon/AP
Ex-US-PrÀsident Donald Trump auf dem GelÀnde des Trump National Golf Club in Virginia. - Foto: Alex Brandon/AP

Seit Monaten hat Sonderermittler Jack Smith einen der heikelsten Jobs in der Justizgeschichte der Vereinigten Staaten: Der Staatsanwalt fĂŒhrt Ermittlungen gegen den frĂŒheren PrĂ€sidenten Donald Trump - unter anderem in der AffĂ€re um Geheimdokumente der Regierung. Solche Unterlagen hat Trump nach seiner Zeit im Weißen Haus in seinem Anwesen in Florida aufbewahrt. Ein Geschworenengremium, eine sogenannte Grand Jury, ist nun zu dem Schluss gekommen, dass es ausreichende Hinweise fĂŒr eine Straftat gibt. Worum es genau geht - und was noch unbekannt ist:

Was wissen wir ĂŒber die Anklagepunkte?

Bisher ist die Anklageschrift noch versiegelt - also nicht öffentlich. Auch Trump selbst hat sie seinem Anwalt zufolge noch nicht bekommen. Stattdessen habe Trump eine Vorladung erhalten, die Formulierungen enthalte, die auf sieben Anklagepunkte hindeuteten, sagte Trumps Anwalt Jim Trusty. Er gehe davon aus, dass sein Mandant unter anderem wegen des Sammelns, Übermittelns oder Verlierens von Informationen zur Verteidigung der USA angeklagt werden dĂŒrfte. Dieser Punkt fĂ€llt unter das US-Spionagegesetz und kann mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft werden. Es ist möglich, dass dieser Straftatbestand auf jedes der betreffenden Dokumente einzeln angewendet wird.

Um eine Verurteilung bei diesem Anklagepunkt zu erwirken, mĂŒsste die Staatsanwaltschaft nachweisen, dass die Dokumente der Verteidigung der USA dienen und ihre Veröffentlichung zum Beispiel einem auslĂ€ndischen Gegner helfen könnte. Weitere Formulierungen in dem Schreiben an Trump deuten dem Anwalt zufolge auf Anklagepunkte im Zusammenhang mit Verschwörung zur Behinderung der Justiz und Falschaussage hin. Bei ersterem mĂŒsste die Staatsanwaltschaft etwa aufzeigen, dass Trump sich vorsĂ€tzlich der Aufforderung des Justizministeriums zur Herausgabe der Dokumente widersetzt hat.

Welche Konsequenzen muss Trump fĂŒrchten?

Letztlich kann sich ein solches Verfahren ĂŒber Jahre hinziehen. Sollte der Republikaner verurteilt werden, droht ihm eine mehrjĂ€hrige Haftstrafe. Trotz Anklage kann Trump bei der PrĂ€sidentenwahl 2024 fĂŒr seine Partei kandidieren. Auch eine Verurteilung hat juristisch gesehen nicht zwangslĂ€ufig zur Folge, dass Trump das Amt des US-PrĂ€sidenten nicht noch einmal ausĂŒben könnte. Einen PrĂ€sidenten, der hinter Gittern sitzt, hat es in der US-Geschichte allerdings noch nicht gegeben - hier dĂŒrfte es zumindest praktische HĂŒrden geben.

Es gibt außerdem ein Bundesgesetz, das jedem verbietet, der wegen der willentlichen Entfernung von Regierungsunterlagen verurteilt wurde, ein politisches Amt auszuĂŒben. Dabei kommt es aber nun wieder sehr genau auf die Anklagepunkte an, welche die Staatsanwaltschaft bisher noch nicht öffentlich gemacht hat. Selbst wenn Trump deswegen verurteilt wĂŒrde, muss das nichts heißen. Denn in der US-Verfassung steht nichts ĂŒber die Mitnahme von Regierungsdokumenten als Ausschlusskriterium fĂŒr ein politisches Amt. Einige Fachleute argumentieren, dass die Verfassung Bundesgesetze aussticht. Auch hier dĂŒrften am Ende Gerichte das letzte Worte haben.

Sonderermittler Smith untersucht auch Trumps Rolle beim Sturm auf das US-Kapitol - hier gibt es bisher keine Anklage. Mit Blick auf die Frage nach dem Ausschluss von politischen Ämtern ist dies aber der spannendere Fall, denn Trump könnte wegen des seltenen Straftatbestands der Aufruhr angeklagt und verurteilt werden. Laut Verfassung sind all jene von öffentlichen Ämtern ausgeschlossen, die sich an einem Aufstand gegen die Regierung beteiligt haben.

Was macht die Anklage in der AffÀre so besonders?

Trump ist bereits vor einigen Wochen im US-Bundesstaat New York im Zusammenhang mit Schweigegeldzahlungen an einen Pornostar angeklagt worden. Dieser Fall markierte das erste Mal in der US-Geschichte, dass ein PrÀsident sich wegen einer Straftat vor Gericht verantworten muss. Dennoch ist die Anklage in der GeheimdienstaffÀre wieder historisch. Denn noch nie wurde ein Ex-PrÀsident auf Bundesebene angeklagt. Anklagen auf Bundesebene werden hÀufig mit hÀrteren Strafen geahndet, da es hier um nationale Interessen geht.

Wie genau geht es fĂŒr Trump nun weiter?

Trump soll am Dienstag um 15.00 Uhr (Ortszeit) einem Richter an einem Bundesgericht in Miami im US-Bundesstaat Florida vorgefĂŒhrt werden. Er hat eine Vorladung erhalten - keinen Haftbefehl. Bei dem Termin wird die Anklage verlesen. Dabei wird der Angeklagte formell ĂŒber die gegen ihn erhobenen VorwĂŒrfe informiert und hat dann in der Regel die Möglichkeit, zum Beispiel auf «nicht schuldig» oder «schuldig» zu plĂ€dieren. Es ist davon auszugehen, dass Trump sich fĂŒr «nicht schuldig» aussprechen wird, denn er bestreitet die VorwĂŒrfe.

Der Richter entscheidet bei diesem Termin auch darĂŒber, ob der Angeklagte bis zum Prozessbeginn festgehalten wird - etwa wenn Fluchtgefahr oder eine Gefahr fĂŒr die Allgemeinheit besteht. Davon ist Fachleuten zufolge im vorliegenden Fall nicht auszugehen. Der Richter setzt dann auch die weiteren Gerichtstermine fest.

Warum passiert das in Miami?

Die Staatsanwaltschaft hĂ€tte Trump wohl auch in der US-Hauptstadt Washington anklagen können. Die geheimen Dokumente wurden aber in Trumps Anwesen Mar-a-Lago in Florida gelagert - daher war auch Florida eine Option. Im liberalen Washington besteht eine grĂ¶ĂŸere Chance auf eine den Demokraten nĂ€her stehende Geschworenenjury als im konservativeren Florida. Trumps AnwĂ€lte hĂ€tten Washington als Ort fĂŒr den Prozess mit ziemlicher Sicherheit direkt angefochten. Die Staatsanwaltschaft wollte dies wohl vermeiden. US-Medien berichteten, eine von Trump nominierte Richterin könnte nun fĂŒr den Fall zustĂ€ndig sein. Aileen Cannon hatte zu Beginn der Ermittlungen in der Geheimunterlagen-AffĂ€re bereits zu Trumps Gunsten entschieden.

Was fĂŒr juristische Probleme könnten auf Trump zukommen?

Der Prozess im Zusammenhang mit Schweigegeldzahlungen an einen Pornostar soll im MĂ€rz 2024 in New York beginnen. Ermittlungen des Sonderermittlers Smith gegen Trump laufen neben denen zum Sturm auf das Kapitol auch zu Trumps Rolle bei den BemĂŒhungen, den Ausgang der PrĂ€sidentenwahl 2020 zu beeinflussen. Auch hier könnte es zu einer Anklage kommen. Im Bundesstaat Georgia ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Trump zudem wegen möglicher Wahlmanipulation.

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