Grönland, Finnland

Von Grönland bis Finnland: Merz beim nordischen Gipfel

26.05.2025 - 05:00:42

Finnland gehört normalerweise nicht zu den LĂ€ndern, die ganz oben auf der Reiseliste eines neuen Kanzlers stehen. FĂŒr den Ausflug nach Turku am Montag hat Merz aber einige gute GrĂŒnde.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) reist heute nach Finnland, um dort am Gipfeltreffen der nordischen Staaten teilzunehmen. Dabei soll es vor allem um die Verteidigung des Nato-BĂŒndnisgebiets angesichts der wachsenden Bedrohung aus Russland und die wirtschaftliche Zusammenarbeit gehen. Merz wird an einem Abendessen (18.00 Uhr) mit den Regierungschefs auf einer mittelalterlichen Burg in der KĂŒstenmetropole Turku im SĂŒdwesten Finnlands teilnehmen.

Normalerweise wĂŒrde Finnland nicht ganz oben auf der Reiseliste eines neuen Kanzlers stehen. Der nordische Gipfel bietet ihm aber die Möglichkeit, die Regierungschefs von gleich fĂŒnf Nato-Partnern gleichzeitig kennenzulernen: Norwegen, DĂ€nemark und Island gehören dem VerteidigungsbĂŒndnis schon lĂ€nger an. Finnland und Schweden traten nach der russischen Invasion in der Ukraine bei. 

1.340 Kilometer Grenze zu Russland 

Die wachsende Bedrohung aus Russland dĂŒrfte das Hauptthema der GesprĂ€che in Turku werden. Besonders fĂŒr Finnland ist sie sehr prĂ€sent. Das Land hat eine 1.340 Kilometer lange Grenze zu Russland. Vor wenigen Tagen hatte es Medienberichte ĂŒber eine AufrĂŒstung der russischen StreitkrĂ€fte in GrenznĂ€he gegeben. Der schwedische Rundfunksender SVT hatte Satellitenbilder ausgewertet, die neue Lagerhallen, ein großes Zeltlager auf einem MilitĂ€rstĂŒtzpunkt und die Reaktivierung einer Luftwaffenbasis zeigen sollen.

Treue UnterstĂŒtzer der Ukraine 

Auch die stockenden BemĂŒhungen um ein Ende des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine dĂŒrften Thema werden. Die NordlĂ€nder zĂ€hlen zu den treuesten UnterstĂŒtzern der Ukraine. Gerade mit DĂ€nemarks MinisterprĂ€sidentin Mette Frederiksen versteht sich der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj Ă€ußerst gut. DĂ€nemark war auch eines der ersten LĂ€nder, das der Ukraine F-16-Kampfjets zur VerfĂŒgung stellte. Die nordischen Staaten stimmen sich bei der Ukraine-UnterstĂŒtzung hĂ€ufig mit den baltischen LĂ€ndern Estland, Lettland und Litauen ab.

Trumps Grönland-AnsprĂŒche

An dem Gipfel nehmen auch die Regierungschefs der autonomen Regionen Grönland, FĂ€röer (beide DĂ€nemark) und Aland (Finnland) teil. Die Debatte ĂŒber die Grönland-AnsprĂŒche von US-PrĂ€sident Donald Trump hat sich zuletzt zwar etwas abgekĂŒhlt. An dessen Absicht, die grĂ¶ĂŸte Insel der Erde aus GrĂŒnden der nationalen oder internationalen Sicherheit unter Kontrolle der USA bringen zu wollen, hat sich aber nichts geĂ€ndert. Auch das könnte Thema bei dem Gipfel werden. 

Tipps von Stubb fĂŒr Treffen mit Trump

Merz bleibt ĂŒber Nacht in Finnland und wird dort am Dienstag noch bilaterale GesprĂ€che mit dem finnischen MinisterprĂ€sidenten Petteri Orpo und PrĂ€sident Alexander Stubb fĂŒhren. Das Treffen mit dem Staatsoberhaupt in dessen Sommerresidenz könnte besonders interessant fĂŒr den Kanzler werden. Stubb zĂ€hlt zu den wenigen europĂ€ischen Staats- und Regierungschefs, die sich richtig gut mit Trump verstehen. Er hat den US-PrĂ€sidenten sogar schon zu einer Runde Golf auf dessen Anwesen Mar-a-Lago in Florida besucht und könnte Merz Tipps fĂŒr seinen bevorstehenden Besuch bei Trump im Weißen Haus geben.

@ dpa.de