Flydubai-Flug nach Tel Aviv: Pilot soll Kollegen mit Messer angegriffen haben
Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 16:42 Uhr | dpa, AD HOC NEWSAuf einem Flydubai-Flug von Dubai nach Tel Aviv soll ein Pilot seinen Kollegen mit einem Messer angegriffen haben, woraufhin die Maschine in Saudi-Arabien notlandete.
Israel spricht von versuchtem Terroranschlag
Die israelische Regierung geht nach dem Vorfall im Cockpit von einem versuchten Terroranschlag aus. Verteidigungsminister Israel Katz sprach von einem âVersuch eines dschihadistischen Anschlagsâ, der durch den Mut israelischer Passagiere vereitelt worden sei.
Nach Angaben von MinisterprÀsident Benjamin Netanjahu stach einer der Piloten auf seinen Kollegen ein, als sich das Flugzeug Israel nÀherte. Der Angreifer habe offenbar versucht, das Flugzeug mit den Passagieren zum Absturz zu bringen. Auch Polizeiminister Itamar Ben-Gvir bezeichnete den Vorfall als versuchten Terroranschlag.
Notlandung in Tabuk
Die emiratische Fluggesellschaft Flydubai bestÀtigte eine Auseinandersetzung im Cockpit. Eine zweite Besatzung, die sich in der Kabine befand, habe die Maschine sicher am Flughafen Tabuk gelandet.
Der Flughafen teilte mit, dass der KapitÀn und der erste Offizier mit Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht worden seien. Weitere Verletzte wurden zunÀchst nicht gemeldet. Flydubai erklÀrte, alle Passagiere und Besatzungsmitglieder seien in Sicherheit.
Codes fĂŒr Notlage und EntfĂŒhrung
Die Maschine setzte zunĂ€chst den Code 7700 fĂŒr eine allgemeine Notlage und anschlieĂend den Code 7500 fĂŒr eine FlugzeugentfĂŒhrung ab. Netanjahu sagte, fast alle Passagiere seien Israelis. Der TatverdĂ€chtige sei festgenommen und werde von saudischen Sicherheitsbehörden befragt.
Die Airline erklĂ€rte, HintergrĂŒnde und Motive seien unklar, und rief wĂ€hrend der laufenden Ermittlungen zu ZurĂŒckhaltung bei Spekulationen auf.
Passagiere greifen offenbar ein
Nach Darstellung Netanjahus geriet das Flugzeug wĂ€hrend des Vorfalls in einen Sturzflug. Ein Passagier sei gemeinsam mit einem Besatzungsmitglied in das Cockpit vorgedrungen und habe den Angreifer ĂŒberwĂ€ltigt, wĂ€hrend dieser versucht habe, BordgerĂ€te zu beschĂ€digen.
Israelische Passagiere berichteten von Schreien, Panik und Blut im Cockpit. Berichten zufolge verlor die Maschine innerhalb kurzer Zeit rund 4000 Meter an Höhe. Zwei weitere Flydubai-Flugzeuge wurden nach Tabuk geschickt, um Passagiere und Besatzungsmitglieder auszufliegen.
Angaben zur Herkunft widersprechen sich
Zur Herkunft der Piloten gab es zunĂ€chst unterschiedliche Angaben. Das israelische Nachrichtenportal âynetâ berichtete, der TatverdĂ€chtige stamme aus dem Oman. Zuvor war von einem russischen Piloten und einem ukrainischen Copiloten die Rede gewesen.
Das russische Generalkonsulat in Dubai erklĂ€rte nach Angaben der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass, kein russischer StaatsbĂŒrger sei an Bord gewesen. Eine offizielle BestĂ€tigung der Herkunft des TatverdĂ€chtigen lag zunĂ€chst nicht vor.
Diplomatisch sensibles Umfeld
Die Vereinigten Arabischen Emirate erkannten Israel 2020 im Rahmen eines AnnÀherungsabkommens an. Seitdem wurden unter anderem wirtschaftliche und verteidigungspolitische Kontakte ausgebaut. Saudi-Arabien unterhÀlt dagegen weiterhin keine diplomatischen Beziehungen zu Israel.
Netanjahu war am Sonntag auf Einladung von PrĂ€sident Mohammed bin Sajid in die Emirate gereist. Eine mögliche Normalisierung der Beziehungen zwischen Israel und Saudi-Arabien gilt seit dem Gaza-Krieg als schwieriger. Das letzte Passagierflugzeug auf dem Weg nach Israel war 1972 entfĂŒhrt worden.
Notfallcodes lösen sofortige Sicherheitsreaktionen aus
Die Codes 7700 und 7500 haben in der Luftfahrt eine klar definierte Bedeutung: 7700 steht fĂŒr eine allgemeine Notlage, 7500 fĂŒr eine vermutete EntfĂŒhrung oder einen unrechtmĂ€Ăigen Eingriff. Werden solche Signale empfangen, mĂŒssen Flugsicherung und betroffene Staaten unabhĂ€ngig von der spĂ€teren Ursache mit einer potenziell lebensbedrohlichen Lage rechnen.
Der Vorfall verbindet deshalb zwei Ebenen. FĂŒr die Flugsicherheit ist entscheidend, wie die Crew den Angriff beendet, die Kontrolle ĂŒber das Flugzeug zurĂŒckgewinnt und die Notlandung vorbereitet hat. FĂŒr die Ermittler stehen nun die AblĂ€ufe im Cockpit, die Verletzungen, die Herkunft und das Motiv des TatverdĂ€chtigen sowie die genaue Rolle der Passagiere im Mittelpunkt.
Politisch sensibler Flugkorridor
Die Route fĂŒhrt durch eine politisch besonders empfindliche Region. Israel und die Vereinigten Arabischen Emirate haben ihre Beziehungen seit dem AnnĂ€herungsabkommen von 2020 ausgebaut; Saudi-Arabien unterhĂ€lt dagegen weiterhin keine diplomatischen Beziehungen zu Israel. Eine Notlandung eines nahezu ausschlieĂlich mit Israelis besetzten Flugzeugs auf saudischem Boden besitzt daher auch eine auĂergewöhnliche diplomatische Dimension.
FĂŒr die Passagiere bedeutet die Landung zunĂ€chst Schutz, aber auch eine komplizierte Weiterreise. Flydubai kĂŒndigte an, Ersatzmaschinen nach Tabuk zu schicken. Die weitere Aufarbeitung dĂŒrfte neben strafrechtlichen Fragen auch die SicherheitsablĂ€ufe bei Cockpitbesetzung, Zugangskontrollen und der Zusammenarbeit zwischen Airline, Behörden und MilitĂ€r betreffen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Spiegel: âNotlandung in Saudi-Arabien: Piloten prĂŒgeln sich offenbar auf Linienflug von Dubai nach Tel Avivâ (30.09.2026)
Der Bericht bestÀtige den gewaltsamen Vorfall, den Höhenverlust und die Notlandung in Tabuk. Er setze einen Schwerpunkt auf Flugdaten, Zeugenaussagen und die offene Frage, ob einer der Piloten das Flugzeug zum Absturz habe bringen wollen.
FOCUS online: âBoeing sendet Notruf â Kampfjets aufgestiegenâ (30.09.2026)
Der Artikel bestĂ€tige die Notlandung, die Verletzungen der beiden Piloten und den Eingriff von Passagieren. Anders als die israelische Regierung stelle er die Terrorismusbewertung zunĂ€chst als PrĂŒfung beziehungsweise politische Einordnung dar und greife zudem die widersprĂŒchlichen Angaben zur Herkunft der Piloten auf.
Beide Berichte stimmten darin ĂŒberein, dass ein Flydubai-Flug nach einem Cockpit-Zwischenfall in Saudi-Arabien gelandet sei. Offen blieben vor allem das genaue Motiv, der Ablauf im Cockpit und die strafrechtliche Bewertung des Geschehens.
