USA, 9/11

Fran Lebowitz kritisiert 25 Jahre nach 9/ 11 Überwachungsstaat USA

Veröffentlicht am: 05.09.2026 um 12:10 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Die New Yorker Publizistin Fran Lebowitz sieht die USA 25 Jahre nach den Anschlägen vom 11. September 2001 grundlegend verändert und kritisiert eine von Angst getriebene Sicherheits- und Überwachungspolitik. Besonders beunruhigt sie die aus ihrer Sicht einschüchternde Rolle der US-Regierung und ihrer Behörden im Inneren.

Fran Lebowitz: USA sind seit 9/11 ein anderes Land
US-Fahnen (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Die New Yorker Publizistin und Humoristin Fran Lebowitz sieht die USA 25 Jahre nach den Anschlägen vom 11. September 2001 als grundlegend verändertes Land. „Wir sind ein anderes Land“, sagte Lebowitz dem Redaktionsnetzwerk Deutschland und sprach von einer Gesellschaft, in der Angst zu einem bestimmenden Faktor geworden sei.

Angst als bleibende Folge von 9/11

Nach Einschätzung der Autorin haben die Terroranschläge eine Furcht ausgelöst, die bis heute anhalte. Es gebe inzwischen Menschen, die vor einem neuen 9/11 Angst hätten, obwohl sie zum Zeitpunkt der Anschläge noch gar nicht lebten. „Wir sind jetzt ein verängstigtes Volk“, sagte Lebowitz und machte deutlich, dass sie darin eine zentrale Verschiebung im Selbstverständnis der USA sieht.

Kritik an Überwachung und Sicherheitsmaßnahmen

Besonders kritisch bewertet Lebowitz die nach 9/11 ausgeweiteten Überwachungs- und Sicherheitsmaßnahmen in den Vereinigten Staaten. Die Menschen seien so verängstigt gewesen, dass sie kaum reagiert hätten, als die Regierung in ihr Leben eingedrungen sei wie nie zuvor. Buchläden seien ausspioniert und Telefonate abgehört worden, in der New Yorker U-Bahn habe die Polizei Taschen durchsucht.

Regierungsreaktion beunruhigt mehr als Terror

Lebowitz betonte, sie selbst habe nach dem 11. September keinen einzigen Tag Angst vor einem Terroranschlag gehabt. Viel stärker habe sie die Reaktion der US-Regierung verängstigt, etwa als sie US-Panzer auf den Straßen von New York sah. Diese Bilder hätten sie erschüttert, und sie erkennt Parallelen zu heutigen Einsätzen von Vollzugskräften der Einwanderungsbehörde ICE, die unter Donald Trump verstärkt wurden.

Verändertes Selbstbild der USA

Die 1950 geborene Autorin erinnert an eine Zeit, in der der Satz „Wir haben nichts zu fürchten als die Furcht an sich“ das Selbstbild der USA prägte und die Einschüchterung der eigenen Bevölkerung als Kennzeichen „böser Länder“ galt. Heute empfindet sie das Handeln der US-Regierung als verängstigender als mögliche Taten von Terroristen, auch wenn sie die Anschläge selbst als schrecklich bezeichnet. Angst vor Terroristen habe sie jedoch nicht.

Lebowitz als kritische Stimme aus New York

Fran Lebowitz lebt seit 55 Jahren in New York und tritt vor allem bei öffentlichen Talkveranstaltungen auf. Als Protagonistin von Martin Scorseses Dokumentarserie „Pretend it`s a City“ ist sie auch einem internationalen Publikum bekannt und gilt als scharfzüngige Beobachterin gesellschaftlicher Entwicklungen in den USA.

Die Aussagen von Fran Lebowitz fügen sich in eine seit Jahren geführte Debatte über die langfristigen Folgen der Anschläge vom 11. September 2001 für die US-Gesellschaft und den amerikanischen Rechtsstaat. Viele Beobachter sehen den „War on Terror“, die Verschärfung von Sicherheitsgesetzen und den Ausbau von Überwachungsbefugnissen als Zäsur, nach der sich das Verhältnis von Staat und Bürger grundlegend verschoben hat.

Überwachung, Sicherheitsstaat und politisches Klima

Lebowitz beschreibt eine Entwicklung, in der Angst zur politischen Ressource geworden ist: Sicherheitsbehörden erhielten weitreichende Möglichkeiten zur Überwachung, von der Kontrolle in öffentlichen Verkehrsmitteln bis zur Auswertung persönlicher Daten. Parallel dazu wuchs in weiten Teilen der Bevölkerung das Gefühl permanenter Bedrohung, das sich auch auf jüngere Generationen überträgt, die die Anschläge selbst nicht erlebt haben.

Ihre Kritik an den von Donald Trump gestärkten Vollzugskräften der Einwanderungsbehörde ICE knüpft an Diskussionen um harte Migrationspolitik und den Einsatz paramilitärisch auftretender Einheiten im Inneren an. Für viele Kulturschaffende und Intellektuelle steht ICE sinnbildlich für einen Staat, der gegenüber Migranten und Minderheiten deutlich konfrontativer agiert und dabei auch einschüchternde Präsenz im öffentlichen Raum zeigt.

Bedeutung für Leserinnen und Leser

Für ein deutsches Publikum ist die Einordnung vor allem deshalb relevant, weil sich ähnliche Debatten über Sicherheit, Freiheit und staatliche Eingriffe nach Terroranschlägen auch in Europa finden. Lebowitz’ Perspektive erinnert daran, dass die politische Antwort auf Gewaltakte langfristig die Gesellschaft prägen kann – und dass die Balance zwischen Sicherheit und Bürgerrechten immer wieder neu justiert werden muss.

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