Steinmeier in Israel - «Unsere SolidaritÀt gilt»
26.11.2023 - 19:32:29BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier hat dem von der Terrororganisation Hamas angegriffenen Israel die unverbrĂŒchliche UnterstĂŒtzung Deutschlands zugesagt. «Unsere SolidaritĂ€t mit Israel gilt», sagte er in Jerusalem bei einer Pressekonferenz mit Israels StaatsprĂ€sident Izchak Herzog. «Sie gilt nicht nur mit dem Israel als Opfer des Terrors. Unsere SolidaritĂ€t gilt auch mit dem Israel, das sich wehrt, das kĂ€mpft gegen eine existenzielle Bedrohung.»
Steinmeier sagte diesen Satz mit Blick auf die Kritik an Israels KriegsfĂŒhrung im Gazastreifen, die bereits Tausende zivile Opfer gekostet hat. Es sei notwendig, die Zivilisten im Gazastreifen zu schonen und sie mit dem Lebensnotwendigsten zu versorgen. «Das verlangt das humanitĂ€re Völkerrecht.» Deshalb sei es gut, dass die vereinbarten Feuerpausen jetzt hierfĂŒr genutzt wĂŒrden.
Steinmeier betont Selbstverteidigungsrecht
Der BundesprÀsident betonte jedoch das Selbstverteidigungsrecht Israels. Noch nie sei das Land so tief verwundet worden wie am 7. Oktober, es kÀmpfe um seine Existenz. «Israel hat jedes Recht, sich selbst zu verteidigen und seine Existenz zu sichern», sagte Steinmeier. «Die Terrororganisation Hamas darf ihr erklÀrtes Ziel, nÀmlich die Auslöschung Israels, dieses Ziel darf sie nie erreichen.»
Islamistische Terroristen aus dem Gazastreifen waren am 7. Oktober nach Israel eingedrungen und hatten dort mehr als 1200 Menschen getötet. Etwa 240 Geiseln wurden verschleppt, auch mehrere Deutsche. Israel reagierte mit massiven Luftangriffen, einer Blockade des Gazastreifens und begann Ende Oktober eine Bodenoffensive.
Steinmeier und Herzog kennen sich seit vielen Jahren
Herzog nannte Steinmeier einen «wahren Freund». Beide kennen sich seit vielen Jahren. «Ihr Besuch ist Ausdruck des festen BĂŒndnisses zwischen unseren LĂ€ndern», sagte Herzog, der die Hamas als «Bestie» und «Ungeheuer» bezeichnete. Er dankte Steinmeier und der Bundesregierung fĂŒr die «klare Haltung» zum Recht Israels sich zu verteidigen - im Gegensatz zu den AnfĂŒhrern anderer EU-LĂ€nder, die gegenĂŒber Israel eine «doppelte Moral» und «Heuchelei» zeigten.
Steinmeiers Besuch wirkt, als wolle er ein kleines Zeichen der NormalitĂ€t in diesen unnormalen Zeiten setzen. Er ist zwar nicht der erste hochrangige deutsche Politiker, der seit dem Ăberfall der Hamas am 7. Oktober nach Israel kam. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) war schon da, AuĂenministerin Annalena Baerbock (GrĂŒne) sogar bereits dreimal. Anders als diese betreibt Steinmeier jedoch keine Krisendiplomatie, kommt nicht morgens angerauscht und fliegt abends wieder weg, sondern bleibt ĂŒber Nacht und hĂ€ngt noch einen zweiten Tag dran. Es sieht fast aus wie ein ĂŒblicher offizieller Besuch, zumal ihn auch seine Frau Elke BĂŒdenbender begleitet.
Unnormale Zeiten
Doch schon der erste Programmpunkt am Nachmittag zeigte, dass die Zeiten alles andere als normal sind. Steinmeier traf sich in Jerusalem mit Angehörigen von Geiseln. Er kannte sie zum Teil schon von ihrem Besuch in Berlin. Zu den ungewöhnlichen UmstĂ€nden dieses Besuchs gehört auch, dass Steinmeier die BeweggrĂŒnde seiner Reise knapp 24 Stunden vor dem Abflug in einer Videobotschaft erlĂ€uterte. Und auch das ist auĂergewöhnlich: Die Nummer 1 im Staat kam mit der Nummer 2 - BundestagsprĂ€sidentin BĂ€rbel Bas (SPD) - nach Israel, was als besonderes Zeichen der SolidaritĂ€t gewertet werden kann.
Steinmeier ist sichtlich bemĂŒht, auch in seinem Programm zu zeigen, dass er das Leid der palĂ€stinensischen Bevölkerung sieht. So will er an diesem Montag nach einem Besuch in einem Kibbuz und einem GesprĂ€ch mit Premierminister Benjamin Netanjahu auch das Auguste-Viktoria-Krankenhaus in Ost-Jerusalem aufsuchen. In ihm werden fast 100 palĂ€stinensische Patienten behandelt, die jetzt nicht zu ihren Angehörigen zurĂŒck können.
Reise nach Oman und Katar
Die Reise wird den BundesprĂ€sidenten am Dienstag weiter nach Oman und am Mittwoch nach Katar fĂŒhren, wo er mit Emir Tamim bin Hamad Al Thani sprechen will. Katar hat enge Kontakte zur Hamas und nimmt eine wichtige Vermittlerrolle ein, etwa bei der Freilassung der nach Gaza verschleppten Geiseln.
Er wolle in Katar darĂŒber sprechen, wie der Verhandlungsweg jetzt weitergehen könne, sagte Steinmeier in seiner Videobotschaft. «Der Weg zur Beendigung des Kampfes wird und kann nur ĂŒber die Freilassung der Geiseln fĂŒhren. Aller Geiseln!» Ăhnlich Ă€uĂerte sich am Sonntag auch der israelische PrĂ€sident: «Wir wollen als Staat und als Volk dafĂŒr sorgen, dass alle EntfĂŒhrten, bis auf den letzten zu uns zurĂŒckkommen.»


