Frankreich beendet Parcoursup 2028 und schafft Lehrstellen
Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 19:44 Uhr | dpa, AD HOC NEWSBildungsinvestitionen und Zulassungsreform
- Frankreich will Parcoursup im Herbst 2028 durch ein neues Hochschulzulassungssystem ersetzen.
- Für Gymnasien sollen bis 2030 vier Milliarden Euro an vergünstigten Krediten bereitstehen.
- Für Universitäten ist bis 2029 eine zusätzliche Renovierungssumme von einer Milliarde Euro vorgesehen.
Frankreich verspricht Milliarden und neue Lehrkräfte
Frankreichs Regierung will nach wochenlangen Schulprotesten mehr Geld in Bildungsgebäude investieren, zusätzliche Lehrkräfte schaffen und das Hochschulzulassungssystem Parcoursup ersetzen. Hochschulminister Philippe Baptiste kündigte an, dass Parcoursup im Herbst 2028 beendet werden solle und Absagen bis dahin begründet werden müssten.
Für die Instandsetzung von Gymnasien sollen die Kommunen bis 2030 vier Milliarden Euro an Krediten zu vergünstigten Zinsen erhalten. Für die Renovierung von Universitäten ist bis 2029 eine weitere Milliarde Euro vorgesehen.
Stellenstreichungen sollen zurückgenommen werden
Bildungsminister Édouard Geffray kündigte zudem Hunderte zusätzliche Lehrkräfte an. Geplante Streichungen sollen zurückgenommen werden. Vertreter der Protestierenden begrüßten die Ankündigungen, riefen aber dazu auf, die Demonstrationen fortzusetzen.
Proteste eskalierten Mitte Oktober
Gymnasiastinnen und Gymnasiasten demonstrieren seit Wochen gegen marode Schulen und Lehrkräftemangel. Studierende schlossen sich an; am Rand friedlicher Kundgebungen kam es wiederholt zu Ausschreitungen und zahlreichen Festnahmen.
Mitte Oktober eskalierten die Proteste in mehreren französischen Städten. Neben Brandstiftungen und Gewalt kam es zu Plünderungen. Präsident Emmanuel Macron warnte in Marseille vor weiteren Gefahren am folgenden Samstag und forderte, Demonstrationszüge fernab der Stadtzentren zu führen.
Die Zusagen der französischen Regierung zielen auf zwei Ebenen des Bildungsprotests: auf die sichtbaren Mängel in den Gebäuden und auf den Zugang zu Hochschulen. Mit den angekündigten Krediten für Kommunen und zusätzlichen Mitteln für Universitäten soll die Sanierung über mehrere Jahre finanziert werden. Die Wirkung hängt davon ab, wie schnell Projekte geplant, vergeben und umgesetzt werden.
Politisch besonders sensibel ist Parcoursup. Das Verfahren bündelt die Bewerbungen für Studienplätze und beeinflusst damit unmittelbar die Zukunftsplanung von Schülerinnen, Schülern und Studierenden. Die angekündigte Abschaffung im Herbst 2028 schafft zwar ein Ziel, lässt aber offen, welches System an seine Stelle treten und wie der Übergang gestaltet werden soll. Kurzfristig sollen mehr Transparenz und begründete Absagen den Druck mindern.
Proteste bleiben trotz Zusagen bestehen
Die angekündigten zusätzlichen Lehrkräfte und die Rücknahme geplanter Stellenstreichungen betreffen einen zentralen Vorwurf der Protestierenden: den Personalmangel. Zugleich geht es bei den Demonstrationen auch um hohe Lebenshaltungskosten. Die Proteste haben sich damit über reine Schulfragen hinaus zu einem breiteren sozialen Konflikt entwickelt.
Für die Regierung besteht deshalb ein Umsetzungsproblem: Finanzielle Zusagen können den Protest kurzfristig beruhigen, müssen aber im Schulalltag sichtbar werden. Die weitere Entwicklung wird vor allem daran gemessen werden, ob Stellen tatsächlich besetzt, Sanierungen begonnen und Zulassungsentscheidungen nachvollziehbarer werden.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
ZDF: „Proteste in Frankreich: Neue Ausschreitungen und 1.300 Festnahmen“ (24.10.2026)
Der Beitrag habe über erneut große Proteste für ein besseres Bildungssystem und über Festnahmen berichtet. Im Mittelpunkt stehe dort stärker die Sicherheitslage als die angekündigten Reformen.
taz: „Protesttag in Frankreich: Anspannung vor landesweiten Demonstrationen“ (24.10.2026)
Die taz habe die angekündigte Überarbeitung von Parcoursup und Reformen der Schuldemokratie hervorgehoben. Damit liege der Schwerpunkt stärker auf den politischen Zugeständnissen, während die aktuellen Regierungspläne über eine vollständige Ersetzung der Plattform hinausgingen.
Die Berichte stimmten in der Bedeutung der Bildungsproteste und der angespannten Lage überein. Unterschiede ergäben sich vor allem beim Schwerpunkt zwischen Sicherheitsfolgen und Reformversprechen; offen bleibe, wie die angekündigten Maßnahmen praktisch umgesetzt würden.
