Barnier vor dem Aus?Misstrauensvotum in Paris
04.12.2024 - 04:27:36 | dpa.deNicht einmal drei Monate nach dem Antritt der neuen französischen Regierung steht das Kabinett von Premier Michel Barnier vor dem Aus. Der Streit um dessen geplanten Sparhaushalt ist eskaliert, nun stimmen die Abgeordneten der Nationalversammlung am Nachmittag ĂŒber zwei MisstrauensantrĂ€ge gegen die Regierung ab. Was dazu wichtig ist:
Ist schon klar, wie das Votum ausgeht?
Nicht ganz, aber es wird erwartet, dass eine Mehrheit der Abgeordneten der Regierung das Vertrauen entzieht und sie somit stĂŒrzt. Sowohl das linke Lager aus Kommunisten, GrĂŒnen, Sozialisten und Linken, als auch die Rechtsnationalen von Marine Le Pen, die die Minderheitsregierung zunĂ€chst geduldet hatten, haben einen Misstrauensantrag eingereicht. Zusammen erreichen die Oppositionsparteien die nötige absolute Mehrheit von 289 Stimmen.
Wird damit auch PrÀsident Macron abgewÀhlt?
Nein. Das Misstrauensvotum gilt nur fĂŒr die Regierung. PrĂ€sident Emmanuel Macron ist nicht Teil des Kabinetts. Gleichzeitig wĂŒrde ein Regierungssturz auch ihn unter Druck setzen. Denn er hatte Barnier ernannt und sein Mitte-Lager regiert mit. Le Pen und die Linke hoffen möglicherweise darauf, Macron mit dem Regierungssturz zu einer vorgezogenen PrĂ€sidentschaftswahl zu bewegen. Eigentlich steht das Votum erst 2027 an. Macron kann nach zwei Amtszeiten nicht erneut antreten.
Kommen in Frankreich jetzt also wieder Wahlen?
Eine neue Parlamentswahl wird es auch mit einem Regierungssturz nicht geben. Zur Erinnerung: Macron hatte die Nationalversammlung im FrĂŒhjahr aufgelöst und eine Neuwahl einberufen. Abermalige Wahlen sind erst ein Jahr nach der zweiten Wahlrunde wieder möglich, also im Juli. Auch ein Sturz der Regierung wĂŒrde also nichts an den komplizierten KrĂ€fteverhĂ€ltnissen Ă€ndern. Derzeit haben weder die Mitte-KrĂ€fte noch das linke Lager noch die Rechtsnationalen und ihre VerbĂŒndeten eine eigene Mehrheit in der Parlamentskammer.
Zwar dĂŒrften Teile der Opposition auf eine vorgezogene PrĂ€sidentschaftswahl hoffen. Macron hatte jedoch immer wieder betont, bis zum Ende seiner Amtszeit Staatschef bleiben zu wollen - also bis zur regulĂ€r anstehenden Wahl 2027.
Steht Frankreich dann bald ohne Regierung da? Was heiĂt das fĂŒr das Land?
Ist das Misstrauensvotum wie erwartet erfolgreich, muss Barnier bei Macron seinen RĂŒcktritt und den seiner Regierung einreichen. Die Ministerinnen und Minister dĂŒrfte Macron aber geschĂ€ftsfĂŒhrend im Amt lassen, bis es eine neue Regierung gibt. Sie könnten sich dann um wichtige laufende Angelegenheiten kĂŒmmern, nicht aber neue Initiativen anstoĂen.
Doch auch mit einem geschĂ€ftsfĂŒhrenden Kabinett wĂŒrde ein Sturz der Regierung in Frankreich erneut eine politische Krise verursachen. Schon im Sommer war die Regierungsbildung Ă€uĂert kompliziert und langwierig. Letztlich konnte mit der Barnier-Regierung nur ein geduldetes Kabinett ohne eigene Mehrheit gefunden werden. Die Situation dĂŒrfte bei gleichbleibenden KrĂ€fteverhĂ€ltnissen nun nicht leichter werden. Hinzu kommt, dass der Haushalt fĂŒr das kommende Jahr noch nicht verabschiedet ist. Zwar droht in Frankreich kein Shutdown wie in den USA. Mit den notwendigen anvisierten SparplĂ€nen wird es ohne Regierung jedoch schwierig.
Sind RegierungsstĂŒrze in Frankreich nicht recht ĂŒblich?
Nein. Die französischen Regierungen haben in den letzten Jahren meist kĂŒrzer gehalten als in Deutschland und auch wĂ€hrend einer parlamentarischen Legislaturperiode gewechselt. Unter Macron, der seit 2017 PrĂ€sident ist, gab es je nach ZĂ€hlweise bereits mindestens sechs Regierungen mit fĂŒnf verschiedenen Premierministern.
Druck aus dem Parlament hat bei diesen Regierungswechseln mitunter zwar eine Rolle gespielt, aber die Abgeordneten haben das Kabinett nicht abgewĂ€hlt. In der jĂŒngeren französischen Geschichte waren Abgeordnete erst einmal mit einem Misstrauensvotum erfolgreich: 1962 entzogen sie Premier Georges Pompidou und seiner Regierung unter Staatschef Charles de Gaulle das Vertrauen. Es kam zur Neuwahl.
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