Historisches Urteil: FĂŒnf Jahre Haft fĂŒr Sarkozy
25.09.2025 - 15:45:22 | dpa.deEs ist ein beispielloses Urteil: In der AffĂ€re um mutmaĂliche Wahlkampfgelder aus Libyen verurteilte ein Pariser Strafgericht Frankreichs Ex-PrĂ€sidenten Nicolas Sarkozy zu fĂŒnf Jahren Haft. Noch nie erhielt ein frĂŒheres Staatsoberhaupt in der jĂŒngeren französischen Geschichte eine so harte Strafe. Es ist ein Schlag ins Gesicht des 70 Jahre alten Konservativen Sarkozy, der in dem Mammutverfahren stets seine Unschuld beteuert hatte. Er reagierte aufgebracht und kĂŒndigte Berufung an. Auch wenn der Schuldspruch noch nicht rechtskrĂ€ftig ist, dĂŒrfte Sarkozy die Haft schon bald antreten mĂŒssen.
Historisch ist das Urteil auch, weil die Justiz mit dem Prozess auch Machenschaften fĂŒr bewiesen hĂ€lt, die das Format einer StaatsaffĂ€re haben. Zwar sah das Pariser Strafgericht keine Belege dafĂŒr, dass es tatsĂ€chlich eine illegale Finanzhilfe fĂŒr Sarkozys PrĂ€sidentschaftswahlkampf 2007 aus Libyen gab. Es ging in seiner UrteilsbegrĂŒndung aber davon aus, dass der Konservative und enge Vertraute auf jeden Fall versucht haben, sich Gelder des libyschen Machthabers Muammar Gaddafis zu Wahlkampfzwecken zu verschaffen.
Richterin sieht «auĂerordentliche Schwere der Tat»
Die Vorsitzende Richterin Nathalie Gavarino sagte, dass Sarkozy als damaliger Innenminister sowie seine engen Mitarbeiter und politischen UnterstĂŒtzer, die ihm unterstanden und die in seinem Namen handelten, versucht hĂ€tten, in Libyen um eine Finanzierung des Wahlkampfs zu bitten.
Damit habe Sarkozy sich der Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung schuldig gemacht, «einem Vergehen gegen die Nation, den Staat und die öffentliche Ordnung». Gavarino sprach von einer «auĂerordentlichen Schwere» der Tat. Von den VorwĂŒrfen der Bestechlichkeit und der illegalen Wahlkampffinanzierung sprach das Gericht Sarkozy hingegen frei.
Sarkozy empört ĂŒber hartes Urteil
Entsprechend hart fiel das Urteil des Gerichts aus. Das Gericht erlieĂ gegen Sarkozy einen Haftbefehl. Das Datum des Haftantritts soll bei einer Vorladung festgesetzt werden. Zudem verordnete das Gericht eine vorlĂ€ufige Vollstreckung des Urteils. Dies bedeutet, dass Sarkozy die Haft auch dann antreten muss, wenn er in Berufung geht. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft konnte kurz nach dem Urteil nicht sagen, ob Sarkozy speziell gegen diese MaĂnahmen vorgehen kann. GrundsĂ€tzlich können Verurteilte, die 70 Jahre oder Ă€lter sind, Haftabwandlungen beantragen.
Sarkozy reagierte empört auf den Schuldspruch. Noch im GerichtsgebÀude sprach er von einer «unertrÀglichen Ungerechtigkeit» und einem Skandal. Der Hass gegen ihn kenne keine Grenzen. «Ich bin unschuldig und
natĂŒrlich werde ich Berufung einlegen.» Wenn er im GefĂ€ngnis schlafen mĂŒsse, dann «mit erhobenem Haupt», sagte er. «Ich werde bis zu meinem letzten Atemzug kĂ€mpfen, um meine vollstĂ€ndige Unschuld zu beweisen.»
Anklage warf Sarkozy Korruptionspakt mit Gaddafi vor
In der Libyen-AffĂ€re ging es um den Vorwurf, dass fĂŒr Sarkozys PrĂ€sidentschaftswahlkampf 2007 illegal Geld von der StaatsfĂŒhrung des damaligen libyschen Machthabers Gaddafi geflossen sein soll. Ein Zeuge hatte 2016 ausgesagt, er habe Ende 2006 oder Anfang 2007 mehrere in Libyen vorbereitete Koffer mit insgesamt fĂŒnf Millionen Euro ins Pariser Innenministerium gebracht, das damals von Sarkozy gefĂŒhrt wurde.
Laut Anklage schloss der spĂ€tere PrĂ€sident einen Korruptionspakt mit Gaddafi. Vertraute Sarkozys sollen die angeblichen GeldflĂŒsse ĂŒber MittelsmĂ€nner eingefĂ€delt haben. Viele Aussagen dazu hielt das Gericht aber fĂŒr widersprĂŒchlich und verwertete sie nicht. Auch die angebliche Abgabe von Millionensummen in Koffern sei nicht nachweisbar.
Weitere Haftstrafen verhÀngt
Neben dem einstigen Staatsoberhaupt waren zwölf weitere Menschen in dem politisch brisanten Verfahren angeklagt - unter ihnen auch drei frĂŒhere Minister. Gegen den mitangeklagten ehemaligen Innenminister Claude GuĂ©ant verhĂ€ngte das Gericht sechs Jahre Haft, gegen den ehemaligen Innenminister Brice Hortefeux zwei Jahre Haft. Der ebenfalls angeklagte ehemalige Arbeitsminister Ăric Woerth wurde freigesprochen.
Das dreimonatige Mammutverfahren folgte auf mehr als zehn Jahre dauernde Ermittlungen. Ins Rollen gekommen waren die Untersuchungen, nachdem die Familie Gaddafis selbst behauptet hatte, den Wahlkampf des Konservativen finanziert zu haben. In dem spektakulÀren Prozess ging es dann unter anderem um ominöse Geheimtreffen und TagebucheintrÀge eines Gaddafi-Vertrauten.
Seit Jahren kÀmpft Sarkozy mit der Justiz
FĂŒr Sarkozy ist das Urteil wohl die bisher gröĂte Niederlage in seinem seit Jahren andauernden Kampf mit der Justiz. Immerhin droht ihm tatsĂ€chlich GefĂ€ngnis, auch wenn er von zentralen Anklagepunkten freigesprochen wurde. Bereits in zwei anderen FĂ€llen war der einstige HoffnungstrĂ€ger von Frankreichs bĂŒrgerlicher Rechten verurteilt worden, einmal davon rechtskrĂ€ftig. Der bisherige Tiefpunkt war, dass Sarkozy gut drei Monate lang eine FuĂfessel tragen musste und sein Haus nur zu bestimmten Zeiten verlassen durfte. Nun wurde er wohl unterboten.
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