Franz von Assisi: Italien macht 4. Oktober zum Feiertag
Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 05:56 Uhr | dpa, AD HOC NEWSItalien begeht den 800. Todestag von Franz von Assisi in diesem Jahr mit einem landesweiten Feiertag am 4. Oktober, wÀhrend Assisi zum Zentrum kirchlicher und touristischer Feierlichkeiten wird.
Eine Stadt im Zeichen des Heiligen
Auf der Via San Francesco begegnen Besucher dem Heiligen in Form von Statuen, Bildern und StraĂenkunst. Die 27.500-Einwohner-Stadt in Umbrien zieht Pilger und Touristen aus aller Welt an. Im vergangenen Jahr wurden nach offiziellen Angaben 1,7 Millionen ĂbernachtungsgĂ€ste gezĂ€hlt; einschlieĂlich der Tagesbesucher kamen schĂ€tzungsweise fĂŒnf Millionen Menschen.
800 Jahre nach seinem Tod
Franz von Assisi, der GrĂŒnder des Franziskanerordens, starb den Ăberlieferungen zufolge am Abend des 3. Oktober 1226. Nach kirchlicher ZĂ€hlung gilt deshalb der 4. Oktober als sein Todestag. In der Basilika San Francesco liegen seine sterblichen Ăberreste.
Zum 800. Todestag hat Papst Leo XIV. ein Franziskus-Jahr ausgerufen. Im Februar und MĂ€rz kamen bereits rund 400.000 Menschen nach Assisi. Damals waren die sterblichen Ăberreste des Heiligen erstmals seit Jahrhunderten öffentlich zu sehen.
Feiertag kehrt zurĂŒck
Die Regierung von MinisterprĂ€sidentin Giorgia Meloni erklĂ€rte den 4. Oktober zum landesweiten Feiertag â auch fĂŒr die kommenden Jahre. In Italien war der Tag bereits von 1958 bis 1977 arbeitsfrei. Meloni begrĂŒndet die RĂŒckkehr damit, Franziskus sei ein von allen geliebter Heiliger, in dem sich das gesamte Volk wiedererkenne.
Zu den Feierlichkeiten am 4. Oktober wird StaatsprÀsident Sergio Mattarella erwartet. Papst Leo XIV. nimmt nicht teil; er war bereits im August in Assisi.
Vom Krieger zum Friedenssymbol
Franziskus stammte aus einer wohlhabenden TuchhĂ€ndlerfamilie und zog als junger Mann in den Krieg zwischen Assisi und Perugia. SpĂ€ter wandte er sich einem einfachen Leben und der Bettelpredigt zu. Der von ihm gegrĂŒndete Orden wurde 1209 von Papst Innozenz III. anerkannt und besteht bis heute.
FĂŒr die Stadt ist das JubilĂ€um zugleich Wirtschaftsfaktor und Belastung. HĂ€ndler, KĂŒnstler und Hoteliers profitieren vom Zustrom, wĂ€hrend BeschĂ€ftigte in der Gastronomie und im Einzelhandel von zusĂ€tzlichem Aufwand berichten.
Ein religiöses JubilÀum mit nationaler Reichweite
Der 800. Todestag macht Franz von Assisi 2026 zu einer prÀsenten Figur im kirchlichen Jahreskalender. Sein Orden, die Basilika San Francesco und die mit ihm verbundene SpiritualitÀt prÀgen Assisi seit Jahrhunderten. Das JubilÀumsjahr verbindet Wallfahrt, Liturgie und historische Erinnerung.
Die staatliche Aufwertung durch einen landesweiten Feiertag geht darĂŒber hinaus. Der 4. Oktober wird nicht nur als religiöser Gedenktag behandelt, sondern als dauerhaft wiederkehrender Termin im italienischen Kalender. Damit erhĂ€lt eine katholische Tradition zugleich eine öffentliche und arbeitsrechtliche Bedeutung. FĂŒr Schulen, Behörden, GeschĂ€fte und Unternehmen entstehen kĂŒnftig die ĂŒblichen Folgen eines nationalen Feiertags.
Tourismus zwischen Chance und Belastung
Assisi lebt in erheblichem MaĂ von seiner internationalen Bekanntheit. Die genannten Ăbernachtungs- und Besucherzahlen zeigen die GröĂenordnung des Pilger- und Kulturtourismus. ZusĂ€tzliche Veranstaltungen können Gastronomie, Handel und Hotellerie stĂ€rken, erhöhen aber auch den Druck auf Verkehr, Wohnraum und historische Bausubstanz.
Politisch passt der Feiertag in eine Debatte ĂŒber nationale IdentitĂ€t und religiöse Traditionen. Franz von Assisi steht dabei fĂŒr ein ambivalentes, aber breit anschlussfĂ€higes Symbol: fĂŒr katholische Verwurzelung, Armut, Frieden und den Dialog ĂŒber kulturelle Grenzen hinweg. Die erwartete Teilnahme des StaatsprĂ€sidenten unterstreicht die staatliche Bedeutung der Feierlichkeiten.
