Merz, Macron

Merz mit Macron und Starmer auf dem Weg nach Kiew

09.05.2025 - 23:36:40

Friedrich Merz ist gerade mal drei Tage Kanzler und bricht schon zu einer denkwĂŒrdigen, vielleicht historischen Reise auf. Es geht Richtung Osten - und er ist nicht alleine unterwegs.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ist zusammen mit dem französischen PrĂ€sidenten Emmanuel Macron und dem britischen Premierminister Keir Starmer im Zug unterwegs nach Kiew. Dort wollen die drei zusammen mit dem polnischen Regierungschef Donald Tusk am Samstag den ukrainischen PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj treffen, um ein Zeichen der anhaltenden UnterstĂŒtzung fĂŒr das von Russland angegriffene Land zu setzen. 

In einer gemeinsamen ErklĂ€rung stellten sie sich schon wĂ€hrend ihrer Anreise hinter die Forderung von US-PrĂ€sident Donald Trump nach einer vollstĂ€ndigen und bedingungslosen 30-tĂ€gigen Waffenruhe. Sie solle «Raum schaffen fĂŒr GesprĂ€che ĂŒber einen gerechten und dauerhaften Frieden».

Europa und USA ziehen erstmals wieder an einem Strang

Damit scheinen die USA und Europa erstmals seit dem Amtsantritt Trumps bei den BemĂŒhungen um ein Ende des Krieges in der Ukraine wieder an einem Strang zu ziehen - zumindest in diesem einen Punkt. In den vergangenen Monaten hatte Trump im Alleingang versucht, den Krieg zu beenden. Bisher blieb er ohne Erfolg. Trump hatte Selenskyj massiv unter Druck gesetzt, ZugestĂ€ndnisse an Putin zu machen. Die EuropĂ€er warnten dagegen vor einem Diktatfrieden.

In der ErklĂ€rung machen die EuropĂ€er nun deutlich, dass eine Gebietsabtretung der Ukraine an Russland fĂŒr sie nicht infrage komme. «Russland muss seinen illegalen Angriffskrieg beenden und die Ukraine muss in die Lage versetzt werden, sich als souverĂ€ne Nation in ihren international anerkannten Grenzen zu entwickeln, auch fĂŒr kommende Generationen.»

Sie sichern der Ukraine auch weitere militĂ€rische Hilfe zu, um der «andauernden barbarischen und völkerrechtswidrigen Invasion» Russlands Stand zu halten. «Wir werden unsere UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ukraine weiter ausbauen. Solange Russland einem dauerhaften Waffenstillstand nicht zustimmt, werden wir den Druck auf Russlands Kriegsmaschine weiter erhöhen.»

Merz bereitete Besuch bei Telefonat mit Trump vor

Merz hatte den Besuch am Donnerstag bei seinem ersten Telefonat mit US-PrĂ€sident Donald Trump vorbereitet. Der Kanzler habe den amerikanischen PrĂ€sidenten ĂŒber die gemeinsame ErklĂ€rung informiert und der habe wohlwollend darauf reagiert, hieß es anschließend aus Merz' Umfeld. Trump verschĂ€rfte anschließend auf dem Portal Truth Social den Ton gegenĂŒber dem russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin und drohte mit Sanktionen, falls Russland sich einer Waffenruhe verweigere. 

Merz schloss sich wĂ€hrend seines BrĂŒssel-Besuchs am Freitag der Sanktionsdrohung an. «Der Ball liegt jetzt in Moskau, nirgendwo anders», sagte er. Zum Zeitplan fĂŒr eine Waffenruhe fĂŒgte er hinzu: «Ich habe die große Hoffnung, dass es ĂŒber dieses Wochenende eine Verabredung gibt fĂŒr einen Waffenstillstand in der Ukraine.»

Erinnerungen an Scholz-Reise werden wach

Der Ukraine-Besuch von Merz, Macron, Starmer und Tusk ist der erste in dieser Formation. Er erinnert an eine Ă€hnliche Reise von Merz' VorgĂ€nger Olaf Scholz (SPD) im Juni 2022. Scholz fuhr damals mit Macron und dem damaligen italienischen MinisterprĂ€sidenten Draghi nach Kiew. Die drei stellten sich dort erstmals gemeinsam hinter die EU-Beitrittskandidatur der Ukraine und machten damit den Weg dafĂŒr frei. Die Bilder der drei aus einem Besprechungsraum im Sonderzug haben ihren festen Platz in der Geschichte des Ukraine-Kriegs.

@ dpa.de