Antrag auf Ausschluss der AfD aus Fraktion im EU-Parlament
23.05.2024 - 13:16:07 | dpa.deDer Chef der rechten ID-Fraktion im EuropÀischen Parlament hat den Ausschluss aller Abgeordneten der AfD beantragt. Das geht aus einem der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Dokument hervor, das an Spitzenvertreter aller ID-Mitgliedsparteien versandt wurde.
In dem Antragstext heiĂt es, in Anbetracht «der Reihe von VorfĂ€llen, an denen Herr Maximilian Krah und damit auch die deutsche Delegation der Gruppe beteiligt waren und in Anbetracht der Tatsache, dass diese VorfĂ€lle dem Zusammenhalt und dem Ruf der Gruppe geschadet haben» solle entschieden werden, die Mitgliedschaft der Mitglieder der deutschen Delegation mit sofortiger Wirkung zu beenden. Dabei werden die Namen aller neun AfD-Europaabgeordneten aufgefĂŒhrt.
Ăber den Antrag wird nun in einem schriftlichen Verfahren abgestimmt, das noch bis 15 Uhr am Nachmittag laufen soll. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur hat unter anderem die italienische Lega bereits zugestimmt. Nach den ID-Regeln wird zudem auch ein Schweigen als Zustimmung gewertet.
AfD-Delegationsleiterin legt Einspruch ein und fordert Anhörung
Die deutsche AfD-Delegationsleiterin Christine Anderson hat nach dpa-Informationen Einspruch gegen das schriftliche Verfahren eingelegt und gefordert, angehört zu werden. Sie forderte unterstĂŒtzt von sechs anderen AfD-Abgeordneten in der ID-Fraktion, lediglich Maximilian Krah auszuschlieĂen und stellte gleichzeitig einen entsprechenden Antrag. Lediglich Joachim Kuhs unterstĂŒtzte den Antrag nicht.
Negativ-Schlagzeilen zur AfD in den vergangenen Wochen
Hintergrund des Antrags von ID-Fraktionschef Marco Zanni sind die zahlreichen Negativ-Schlagzeilen, die es in den vergangenen Wochen zur AfD gab. So erteilte die Parteispitze ihrem eigenen Spitzenkandidaten Krah am Mittwoch ein Auftrittsverbot. Konkreter Anlass waren umstrittene ĂuĂerungen Krahs zur SS. Zudem steht der 47-jĂ€hrige Sachse unter Druck wegen der SpionageaffĂ€re um einen Mitarbeiter und wegen seiner NĂ€he zu Russland und China. Auch die Nummer zwei der AfD-Europaliste, Petr Bystron, wird nach Korruptionsermittlungen vorerst keinen Wahlkampf mehr machen.
Zu der ID-Fraktion im EuropĂ€ischen Parlament gehören neben der italienischen Lega unter anderem auch die französische Partei RN von Marine Le Pen und die österreichische FPĂ. ID-Mitglied ist auch die niederlĂ€ndische Partei fĂŒr die Freiheit (PVV) von Geert Wilders. Sie hat allerdings keinen Abgeordneten im Parlament.
Ausschluss hÀtte vor allem symbolischen Charakter
Ein Ausschluss der AfD-Abgeordneten hÀtte vor allem symbolischen Charakter, da das Parlament erst nach der Europawahl in zwei Wochen wieder tagen wird. Dann werden sich auch die Fraktionen möglicherweise neu zusammensetzen.
Der französische Rassemblement National von Marine Le Pen hat der AfD bereits die Zusammenarbeit aufgekĂŒndigt. RN-Parteichef Jordan Bardella sagte im Sender TF1: «Ich denke, dass die AfD, mit der wir im EuropĂ€ischen Parlament seit fĂŒnf Jahren zusammengearbeitet haben, Linien ĂŒberschritten hat, die fĂŒr mich rote Linien sind.» Nach der Wahl werde man neue VerbĂŒndete haben und nicht mehr an der Seite der AfD sitzen.
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