Furcht vor Eskalation: USA verlegen MilitÀr nach Nahost
Veröffentlicht am: 02.11.2024 um 05:13 Uhr | dpa, AD HOC NEWSAngesichts der zunehmenden Spannungen im Nahen Osten verlegen die USA weitere Soldaten und militĂ€risches GerĂ€t in die Region. Verteidigungsminister Lloyd Austin habe die Entsendung zusĂ€tzlicher Kriegsschiffe zur Raketenabwehr sowie eines Jagdgeschwaders genehmigt, teilte das US-Ministerium mit. Hinzu kĂ€men noch Tankflugzeuge und mehrere Langstreckenbomber des Typs B-52.Â
Neben der jĂŒngsten Stationierung einer zusĂ€tzlichen Batterie des Raketenabwehrsystems THAAD in Israel und der VerstĂ€rkung der US-StreitkrĂ€fte im östlichen Mittelmeer sollen die MaĂnahmen demnach die Sicherheit in der Region stĂ€rken und Abschreckung signalisieren.
Zuvor hatte der Iran angekĂŒndigt, auf den jĂŒngsten Vergeltungsschlag Israels reagieren zu wollen. «Die israelischen Angriffe werden nicht unbeantwortet bleiben», sagte der auĂenpolitische Berater des obersten FĂŒhrers Ajatollah Ali Chamenei im Fernsehen. Israel hatte in der vergangenen Woche mehrere MilitĂ€ranlagen und das Flugabwehrsystem im Iran angegriffen. Damit reagierte es auf eine Attacke des Irans mit rund 200 Raketen Anfang Oktober.
Iran: Könnten auch Atom-Doktrin revidieren
Sollte sich der Iran durch Israel in seiner Existenz bedroht sehen, könnte die Regierung in Teheran auch von ihrer bisherigen Atom-Doktrin abrĂŒcken. Technisch sei das Land in der Lage, Atomwaffen herzustellen, sagte Chamenei-Berater Kamal Charrasi dem arabischen Nachrichtensender Al-Majadin wie die staatliche iranische Nachrichtenagentur Irna berichtete. «Das einzige Hindernis ist das religiöse Verbot.»Â
Die iranische Regierung behauptete bislang stets, dass Atomwaffen keinen Platz in ihrer Verteidigungsstrategie haben und das Atomprogramm friedlich und im Einklang mit internationalen Vorschriften sei. AuĂerdem gebe es ein religiöses Rechtsgutachten, das sowohl den Bau als auch die Verwendung von Massenvernichtungswaffen verbietet.
Verletzte nach Raketenangriff auf Zentral-Israel
Aus dem Libanon sind indes in der Nacht nach israelischen MilitĂ€rangaben drei Raketen auf das Zentrum von Israel abgefeuert worden. Einige wurden abgefangen, ein abgestĂŒrztes Geschoss wurde in dem betroffenen Gebiet ersten Erkenntnissen zufolge identifiziert, wie die StreitkrĂ€fte mitteilten. Zuvor war in der Region Luftalarm ausgelöst worden.Â
In den sozialen Medien wurden Videos geteilt, die den Einschlag einer Rakete in der Ortschaft Tira nordöstlich von Tel Aviv zeigen sollten. Bei dem Angriff seien sieben Menschen verletzt worden, teilte der Rettungsdienst mit.Â
Erst am Donnerstag waren bei Raketenangriffen aus dem Libanon im Norden von Israel sieben Menschen getötet worden. Die mit dem Iran verbĂŒndete Schiiten-Miliz Hisbollah beschieĂt Israel seit Beginn des Gaza-Krieges vor mehr als einem Jahr immer wieder mit Raketen.
Libanon: Dutzende Tote nach israelischen AngriffenÂ
Bei israelischen Angriffen im Osten des Libanons sind nach offiziellen Angaben mindestens 52 Menschen getötet worden. Mindestens 72 weitere Personen seien verletzt worden, teilte das Gesundheitsministerium mit. Aus libanesischen Sicherheitskreisen hieà es, das israelische MilitÀr sei 16 Luftangriffe auf mehrere Orte im Gouvernement Baalbek-Hermel im Nordosten des Landes geflogen. Die Hisbollah-Miliz ist in der verarmten Region im Osten besonders stark vertreten. Die israelischen StreitkrÀfte hatte dort in den vergangenen Tagen bereits massiv angegriffen.
UN-Organisationen: Bevölkerung Nord-Gazas vom Tode bedroht
Unterdessen verschĂ€rft sich die humanitĂ€re Lage ĂŒber ein Jahr nach Kriegsbeginn im Gazastreifen immer mehr. Besonders dramatisch sei die Lage im Norden des KĂŒstenstreifens, wo israelischen StreitkrĂ€fte Anfang Oktober eine neue Bodenoffensive gegen die islamistische Hamas gestartet hatte, teilten die Leiter von 15 UN-Hilfsorganisationen und privaten Gruppen mit. «Die gesamte palĂ€stinensische Bevölkerung in Nord-Gaza ist akut vom Tod durch Krankheit, Hunger und Gewalt bedroht», heiĂt es in einer gemeinsamen ErklĂ€rung. «Die gesamte Region steht am Rande des Abgrunds», warnen die Unterzeichner. Ein dauerhafter Waffenstillstand sei lĂ€ngst ĂŒberfĂ€llig.
WelternÀhrungsprogramm: Können UNRWA nicht ersetzen
Nach dem Arbeitsverbot fĂŒr das UN-PalĂ€stinenserhilfswerk in Israel hat das WelternĂ€hrungsprogramm (WFP) gewarnt, dass es nicht als Ersatz fĂŒr UNRWA im Gazastreifen dienen kann. «Wir können die wichtigen Funktionen von UNRWA in Gaza, wie die Verwaltung von NotunterkĂŒnften, Schulen und Gesundheitszentren, nicht ersetzen», sagte der Direktor des WFP-BĂŒros fĂŒr Deutschland, Martin Frick, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) mit Blick auf das UNRWA-Verbot durch Israel.Â
Das UNRWA sei das RĂŒckgrat der humanitĂ€ren Hilfe im Gazastreifen und sichere «ErnĂ€hrung, Schutz und medizinische Versorgung fĂŒr eine Bevölkerung, die Unmenschliches durchlebt». Israel wirft dem UN-PalĂ€stinenserhilfswerk vor, dass einige der Mitarbeiter an TerroraktivitĂ€ten vom 7. Oktober 2023 beteiligt gewesen seien.Â
Das Massaker, das Terroristen der Hamas sowie anderer extremistischer PalĂ€stinenserorganisationen am 7. Oktober in Israel nahe der Grenze zum Gazastreifen verĂŒbt hatten, war der Auslöser fĂŒr den Gaza-Krieg.
Polio-Impfung im Gazastreifen soll weitergehen
Nach einer Unterbrechung wegen heftiger KĂ€mpfe soll heute die zweite Polio-Impfrunde im Norden des Gazastreifens wieder anlaufen. «Uns ist die notwendige humanitĂ€re Pause in der Stadt Gaza zur DurchfĂŒhrung der Kampagne zugesichert worden», schrieb der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, auf X.Â
Er forderte die Kriegsparteien dazu auf, die Kampfpausen zu respektieren. Israels Armee Ă€uĂerte sich auf Anfrage zunĂ€chst nicht, ob und in welchem Umfang sie Unterbrechungen der Feindseligkeiten in der Gegend zugesagt hat.
