G20-Treffen in Atlanta: Kein Familienfoto mit Lawrow
Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 17:38 Uhr | dpa, AD HOC NEWSFolgen für Gipfel und Diplomatie
- Die G20-Außenminister beraten in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia.
- Sergej Lawrow sitzt zwischen den Vertretern Saudi-Arabiens und Mexikos.
- Der G20-Gipfel der Staats- und Regierungschefs ist für den 14. und 15. Dezember in Miami geplant.
G20-Außenminister setzen in Atlanta Signal an Moskau
Die Außenminister der G20-Staaten haben bei ihrem Treffen in Atlanta auf das sonst übliche gemeinsame Familienfoto verzichtet. Damit senden die Teilnehmer angesichts der Anwesenheit des russischen Außenministers Sergej Lawrow ein sichtbares Signal gegen politische Normalität mit Moskau.
Lawrow nimmt an Beratungen teil
Lawrow saß bei den Gesprächen im US-Bundesstaat Georgia zwischen den Vertretern Saudi-Arabiens und Mexikos. Der Umgang mit Russland und der seit mehr als viereinhalb Jahren andauernde Angriffskrieg gegen die Ukraine gehören zu den zentralen Themen des Treffens.
Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) hatte vor Beginn erklärt, es werde kein Familienfoto geben, auf dem europäische Partner gemeinsam mit Lawrow zu sehen seien. Zugleich betonte er, die Kontroversen müssten am G20-Tisch diskutiert werden.
Rubio warnt vor Folgen für den Welthandel
US-Außenminister Marco Rubio warb für eine engere Zusammenarbeit der G20. Wirtschaftliche und geopolitische Krisen bedrohten den globalen Handel, die Energie- und Lebensmittelversorgung sowie die freie Schifffahrt.
Der eingeschränkte Schiffsverkehr in der Straße von Hormus lässt die Preise für Öl und Gas steigen. Der Ukraine-Krieg beeinträchtigt zudem den Handel mit Dünger und Getreide über das Schwarze Meer.
Wadephul fordert Verhandlungen mit Iran
Wadephul sprach sich erneut gegen eine militärische Lösung des Konflikts mit dem Iran aus. Ein neuer Waffengang werde das Problem nicht lösen, sagte der Minister.
Er forderte den Iran auf, an den Verhandlungstisch zu kommen, und verwies auf mögliche Gespräche nach den US-Zwischenwahlen. Zugleich verlangte er ein Ende der Blockade der Straße von Hormus und warnte vor einer weiteren Eskalation.
G20-Gipfel in Miami im Dezember
Das Außenministertreffen gilt als Vorbereitung auf den G20-Gipfel der Staats- und Regierungschefs am 14. und 15. Dezember in Miami. Erwartet werden unter anderem US-Präsident Donald Trump, Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Chinas Staatschef Xi Jinping.
Trump hat auch den russischen Präsidenten Wladimir Putin eingeladen. Ob Putin an dem Gipfel teilnehmen wird, ist bislang offen. Für zusätzliche Spannungen sorgt die Ausladung Südafrikas durch Trump, obwohl das Land reguläres G20-Mitglied ist.
Das G20-Treffen in Atlanta zeigt, wie stark die Gruppe durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und den Konflikt mit dem Iran belastet ist. Russland bleibt Mitglied der G20, obwohl die politischen Beziehungen zu den westlichen Staaten seit Beginn des Krieges weitgehend konfrontativ sind. Der Verzicht auf das gemeinsame Foto schafft deshalb ein sichtbares Signal, ohne die Gesprächsebene mit Moskau vollständig aufzugeben.
Für die G20 geht es zugleich um konkrete wirtschaftliche Folgen. Einschränkungen der Schifffahrt durch die Straße von Hormus treffen Energie- und Transportmärkte, während der Krieg gegen die Ukraine den Handel mit Getreide und Dünger beeinträchtigt. Damit verbinden sich Sicherheitsfragen unmittelbar mit Preisen, Versorgung und globalen Lieferketten.
Vorbereitung auf den Gipfel in Miami
Atlanta dient außerdem der Vorbereitung des G20-Gipfels der Staats- und Regierungschefs im Dezember. Die Zusammensetzung der Runde macht gemeinsame Beschlüsse schwierig: Neben westlichen Staaten sitzen auch Russland und China am Tisch, während die USA unter Präsident Donald Trump eigene außenpolitische Prioritäten setzen. Der Umgang mit Moskau, die Zukunft der Gespräche über den Iran und die Teilnahme Südafrikas dürften deshalb auch den Gipfel in Miami prägen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
ZDFheute: „G20-Treffen: Eine schreckliche Familie“ (30.10.2026)
Der Beitrag bestätigt das ausgefallene Familienfoto und stellt den symbolischen Konflikt um Lawrows Teilnahme in den Mittelpunkt. Anders als die dpa-Meldung konzentriert er sich stärker auf die politische Wirkung des gemeinsamen Auftritts und die widersprüchliche Rolle des Programmpunkts.
tagesschau: „G20-Außenministertreffen mit Lawrow und Wadephul in Atlanta“ (30.10.2026)
Der Bericht bestätigt das Treffen und Wadephuls Haltung zum Umgang mit Lawrow. Er setze einen anderen Akzent, indem er hervorhebe, dass die Inhalte der Gespräche wichtiger seien als das Foto; offen bleibe, wie weit die Teilnehmer bei den Sachthemen zusammenfinden.
Beide Beiträge stellen die politische Symbolik der russischen Teilnahme heraus, gewichten sie aber unterschiedlich: Während ZDFheute den demonstrativen Charakter betone, rücke die tagesschau die Arbeitsfähigkeit des Formats in den Vordergrund.
