Die wichtigsten Punkte der G20-AbschlusserklÀrung von Rio
19.11.2024 - 15:29:09Beim G20-Gipfel in Rio de Janeiro haben sich die Vertreter der Staats- und Regierungschefs der fĂŒhrenden Industrie- und SchwellenlĂ€nder bereits am ersten Tag auf eine gemeinsame AbschlusserklĂ€rung geeinigt. Das Dokument enthĂ€lt einen Minimalkonsens zu den Kriegen in der Ukraine und Nahost, aber auch eine Reihe von Themen, die Gastgeber Brasilien besonders wichtig waren: der Kampf gegen Hunger und Armut, gemeinsame Anstrengungen zum Klimaschutz und einen Passus zu einer MilliardĂ€rssteuer. Die wichtigsten Punkte im Ăberblick:
MilliardÀrssteuer
Die G20-Staaten wollen sich fĂŒr eine wirksame Besteuerung der Superreichen einsetzen. Ohne in die Steuerhoheit der Staaten einzugreifen, werde man sich gemeinsam darum bemĂŒhen, sehr vermögende Personen effektiv zu besteuern, heiĂt es in der ErklĂ€rung. Damit wird eine Einigung der G20-Finanzminister aus dem Juli bekrĂ€ftigt. Die Idee geht auf den französischen Ăkonomen Gabriel Zucman zurĂŒck. Demnach sollen MilliardĂ€re jĂ€hrlich zwei Prozent ihres Vermögens an ihre HeimatlĂ€nder abfĂŒhren. Weltweit gibt es etwa 3.000 MilliardĂ€re. SchĂ€tzungen Zucmans zufolge könnte die Steuer bis zu 250 Milliarden US-Dollar pro Jahr einbringen, die dann beispielsweise in den Kampf gegen den Klimawandel investiert werden könnten.
Klimaschutz
Die Gruppe bekrĂ€ftigte das im Pariser Klimaschutzabkommen vereinbarte Ziel, die ErderwĂ€rmung auf 1,5 Grad gegenĂŒber dem vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen. Allerdings fehlt in dem Abschlussdokument der zentrale Beschluss der letzten UN-Klimakonferenz in Dubai zu einer Abkehr aller Staaten von Ăl, Kohle und Gas. Nur allgemein bekennen sich die G20 zu den Ergebnissen des Klimagipfels im vergangenen Jahr. Positiv bewerten Beobachter und Verhandler auf der laufenden Klimakonferenz in Baku, dass die G20 anerkennen, dass die Klimahilfen fĂŒr Entwicklungsstaaten rasch und stark hochgefahren werden mĂŒssen.
Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten
In Bezug auf die Kriege in der Ukraine sowie im Gazastreifen und im Libanon konnten sich die Vertreter der fĂŒhrenden Industrie- und SchwellenlĂ€nder lediglich zu einem Minimalkonsens durchringen. Der russische Angriff auf die Ukraine wird darin wie bereits beim Gipfel in Indien im Vorjahr nicht mehr explizit von einer Mehrheit der LĂ€nder verurteilt. Es wird nur allgemein «auf das menschliche Leid und die negativen zusĂ€tzlichen Auswirkungen des Krieges» verwiesen, beispielsweise auf die Nahrungsmittel- und Energiesicherheit.Â
Auch das Massaker der islamistischen Hamas, das den Gaza-Krieg ausgelöst hat, findet keine ErwĂ€hnung. Die G20 zeigt sich ĂŒber die humanitĂ€re Lage im Gazastreifen und die Eskalation im Libanon besorgt. Die humanitĂ€re Hilfe mĂŒsse dringend ausgeweitet und der Schutz der Zivilbevölkerung verstĂ€rkt werden. Die G20 bekrĂ€ftigen zudem das Recht der PalĂ€stinenser auf Selbstbestimmung und ein «unerschĂŒtterliches Engagement» fĂŒr eine Zweistaatenlösung.
Kampf gegen Hunger und Armut
In Rio wurde die Globale Allianz gegen Hunger und Armut ins Leben gerufen. Es fehle weder an Wissen noch an Ressourcen, sondern an politischem Willen, um den Menschen Zugang zu Lebensmitteln zu verschaffen, heiĂt es in der AbschlusserklĂ€rung. Die Gruppe setze auf bewĂ€hrte Strategien wie direkte finanzielle UnterstĂŒtzung, Schulspeisungsprogramme und einen verbesserten Zugang zu Mikrofinanzierungen, die in den einzelnen LĂ€ndern dann an die lokalen Begebenheiten angepasst werden könnten. Die Initiative ist eines der zentralen Themen der brasilianischen G20-PrĂ€sidentschaft.
Reform der internationalen Organisationen
Die G20-Staaten verstĂ€ndigten sich darauf, auf eine Reform des UN-Sicherheitsrates hinarbeiten zu wollen. Das wichtigste Organ der Vereinten Nationen solle reprĂ€sentativer, inklusiver, effektiver und demokratischer werden, heiĂt es in der AbschlusserklĂ€rung. Die wichtigsten Industrie- und SchwellenlĂ€nder fordern eine bessere Vertretung der bislang unterreprĂ€sentierten Regionen Afrika, Asien, Lateinamerika und Karibik. Gleichzeitig soll die Rolle der UN-Vollversammlung gestĂ€rkt werden. Auch in den internationalen Entwicklungsbanken gelte es, die Mitsprachemöglichkeiten der EntwicklungslĂ€nder zu verbessern, um diese Institutionen effektiver und glaubwĂŒrdiger zu machen.


