Innenministerium: Russische Fake-News-Kampagne lÀuft weiter
22.05.2024 - 07:20:44Das Bundesinnenministerium rechnet eine Desinformationskampagne mit gefĂ€lschten Zitaten deutscher Prominenter dem 2022 aufgedeckten russischen «DoppelgĂ€nger»-Netzwerk zu. Zur neuen Taktik der Kampagne gehörten auch die gefĂ€lschten Zitate, die «prominenten Persönlichkeiten aus der Unterhaltungsbranche in den Mund gelegt» wĂŒrden, teilte ein Sprecher des Innenministeriums der Deutschen Presse-Agentur mit.
Zuletzt verbreiteten sich in sozialen Medien vereinzelt gefÀlschte Zitate, bei denen etwa dem Schauspieler Til Schweiger oder «Rammstein»-SÀnger Till Lindemann erfundene Aussagen zur Ukraine in den Mund gelegt wurden. Diese sogenannten Sharepics wurden auch als Facebook-Werbeanzeigen ausgespielt.
Dem Ministerium sei bekannt, dass die «DoppelgĂ€nger»-Kampagne «weiterhin aktiv ist und bereits seit lĂ€ngerem nicht mehr nur die ursprĂŒnglich namensgebende Taktik verwendet, Webseiten existierender QualitĂ€tsmedien und öffentlicher Institutionen zu imitieren», teilte der Sprecher weiter mit. Das Innenministerium beobachte die Entwicklungen und stehe dazu im Austausch mit Plattformen und internationalen Partnern.
Die «DoppelgĂ€nger»-Kampagne wurde 2022 aufgedeckt. In mehreren EU-LĂ€ndern verbreitete sie gefĂ€lschte Webseiten, die Medien oder Institutionen nachahmten. Die EU setzte Ende Juli 2023 fĂŒnf mit dem russischen Staat verbundene Organisationen und sieben Menschen als Verantwortliche auf die Sanktionsliste.
EU kÀmpft gegen Desinformation im Wahlkampf
Im Kampf gegen Wahlbeeinflussung in der EU wollen Deutschland und etliche andere Mitgliedstaaten verstĂ€rkt auf Sanktionen setzen. Restriktive MaĂnahmen seien ein wichtiges Instrument gegen Einzelpersonen und Organisationen, die sich in EU-Demokratien einzumischen versuchten, heiĂt es in einem Vorschlagspapier, das am Rande eines Ministerrats in BrĂŒssel veröffentlicht wurde.
Zudem sollte der Verhaltenskodex zur BekÀmpfung von Desinformation zu einem verbindlichen Regelwerk gemacht werden. Bislang handelt es sich um eine unverbindliche Selbstverpflichtung von Online-Plattformen wie Facebook oder Tiktok.
Bei weiteren VorschlÀgen geht es etwa um die Verbesserung der FÀhigkeiten zur Erkennung von Fake News und Propaganda sowie um einen intensiveren Informationsaustausch der Mitgliedstaaten.
Beeinflussungsversuche auch aus China?
Hintergrund des VorstoĂes sind Erkenntnisse, nach denen staatliche Akteure aus LĂ€ndern wie Russland versuchen, mit Desinformation und Propaganda die öffentliche Meinung in der EU zu beeinflussen. Sie nutzen dabei insbesondere die Möglichkeiten zur digitalen Verbreitung von Inhalten ĂŒber Online-Plattformen. Neben Russland werden vor allem auch China professionelle Beeinflussungsversuche vorgeworfen.
Die VorschlĂ€ge wurden von Deutschland, Polen und Frankreich erarbeitet, mit UnterstĂŒtzung rund eines Dutzends weiterer EU-Staaten. Sie sollen als Arbeitsgrundlage fĂŒr die nĂ€chste EU-Kommission dienen, die nach der Europawahl im Juni gebildet werden wird.
Die deutsche Europastaatsministerin Anna LĂŒhrmann bezeichnete die Initiative auch als Antwort an Russlands PrĂ€sidenten Wladimir Putin. «Russische Destabilisierungsversuche muss die EU konsequent sanktionieren», sagte die GrĂŒnen-Politikerin. Daneben gelte es aber auch, groĂe Online-Plattformen stĂ€rker in die Pflicht zu nehmen und den unabhĂ€ngigen Journalismus in Europa zu stĂ€rken.


