Mohamed Bazoum, Junta

Große Sorgen um entmachteten PrĂ€sident Bazoum im Niger

11.08.2023 - 18:10:34

Gewalt ist laut Nigerias PrÀsident «das letzte Mittel» - doch die westafrikanischen Staaten aktivieren eine Eingreiftruppe. Die Junta hÀlt den abgesetzten PrÀsidenten und seine Familie derweil als Geiseln.

  • Demonstranten nehmen kurz nach dem Putsch Ende Juli in Nigers Hauptstadt Niamey an einem Marsch zur UnterstĂŒtzung der MilitĂ€rjunta teil. - Foto: Djibo Issifou/dpa

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  • Der 63-jĂ€hrige Mohamed Bazoum, seine Ehefrau und sein Sohn werden seit 16 Tagen in ihrer Residenz festgehalten. - Foto: Kay Nietfeld/dpa

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  • Der nigerianische PrĂ€sident Bola Tinubu nimmt an der Ecowas-Sitzung in Abuja teil. - Foto: Gbemiga Olamikan/AP/dpa

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Demonstranten nehmen kurz nach dem Putsch Ende Juli in Nigers Hauptstadt Niamey an einem Marsch zur UnterstĂŒtzung der MilitĂ€rjunta teil. - Foto: Djibo Issifou/dpaDer 63-jĂ€hrige Mohamed Bazoum, seine Ehefrau und sein Sohn werden seit 16 Tagen in ihrer Residenz festgehalten. - Foto: Kay Nietfeld/dpaDer nigerianische PrĂ€sident Bola Tinubu nimmt an der Ecowas-Sitzung in Abuja teil. - Foto: Gbemiga Olamikan/AP/dpa

Gut zwei Wochen nach dem MilitÀrputsch im Niger steigen die Spannungen zwischen der Junta und den westafrikanischen Nachbarstaaten weiter an. Offen ist, ob die Staatengemeinschaft Ecowas zu militÀrischen Mitteln greifen wird, um den festgehaltenen PrÀsidenten Mohamed Bazoum und seine Familie zu befreien.

Die Ecowas-Staatschefs hatten Donnerstagabend die «sofortige» Aufstellung einer Eingreiftruppe beschlossen, um die verfassungsmĂ€ĂŸige Ordnung im Niger wiederherzustellen, dabei aber betont, dass friedliche Mittel weiterhin Vorrang hĂ€tten. US-Berichten zufolge haben die Putschisten im Niger gedroht, Bazoum im Falle einer MilitĂ€rintervention zu töten.

Das MilitĂ€r hatte im Niger am 26. Juli die Macht ĂŒbernommen und die Verfassung ausgesetzt. Der demokratisch gewĂ€hlte PrĂ€sident Bazoum wird seitdem festgehalten. Unter Bazoum war der Niger einer der letzten strategischen Partner des Westens im Kampf gegen den Vormarsch islamistischer Terroristen in der Sahelzone. Das Land - dreieinhalb Mal so groß wie Deutschland - liegt außerdem an einer zentralen Migrationsroute durch die SaharawĂŒste nach Libyen. Die Bundeswehr unterhĂ€lt einen StĂŒtzpunkt in der Hauptstadt Niamey mit etwa 100 Soldaten. Auch die USA und Frankreich haben in dem Land wichtige MilitĂ€rstĂŒtzpunkte.

Viele Fragen ĂŒber einen möglichen MilitĂ€reinsatz

Die zwiespĂ€ltige AnkĂŒndigung der Ecowas warf zunĂ€chst viele Fragen auf. Ecowas sprach zwar von einem Einsatz der Eingreiftruppe, gab aber weder Details zur Zusammensetzung der Truppe noch einen möglichen Zeitplan fĂŒr einen Einsatz an. Die AnkĂŒndigung schien darauf ausgerichtet, den Druck auf die neuen MilitĂ€rmachthaber aufrechtzuerhalten - ohne sofort militĂ€rische Fakten zu schaffen.

«In der ErklĂ€rung wurde nicht angegeben, welche LĂ€nder Truppen entsenden und die Mission finanzieren wĂŒrden, was bedeutet, dass die Bildung einer solchen Truppe Zeit braucht und Raum fĂŒr eine friedliche Lösung bietet», sagte der Westafrika-Analyst Mucahid Durmaz von der Beratungsfirma Verisk Maplecroft.

Zuvor hatten sich von den 15 Ecowas-Mitgliedstaaten neben Nigeria einzig der Senegal, die ElfenbeinkĂŒste und Benin dazu bereiterklĂ€rt, Truppen fĂŒr eine mögliche MilitĂ€rintervention bereitzustellen. Nigeria, mit 220 Millionen Einwohnern Afrikas bevölkerungsreichstes Land, wĂŒrde Experten zufolge wohl den grĂ¶ĂŸten Teil einer solchen Truppe stellen. Das Land hat zwar eine der grĂ¶ĂŸten Armeen Afrikas, kĂ€mpft aber selbst gegen enorme Sicherheitsprobleme, vor allem in der Region entlang der 1600 Kilometer langen Grenze zum Niger. Die MilitĂ€rregierungen in Mali und Burkina Faso hatten der Junta im Niger bei einem Angriff der Ecowas UnterstĂŒtzung signalisiert.

Die Ecowas hat in der Vergangenheit Interventionen durchgefĂŒhrt, handelte dabei aber immer auf Einladung des jeweiligen Staats, wie zuletzt 2017 in Gambia. Das Werkzeug solcher Eingreiftruppen ist zwischen der Afrikanischen Union und den jeweiligen Regionalblöcken geregelt, aber mit Szenarien wie der Verhinderung schwerer Menschenrechtsverletzungen verbunden.

«Wir befinden uns hier auf wirklich unbekanntem Terrain. Es gibt keinen PrĂ€zedenzfall fĂŒr das, was Ecowas zu tun versucht und es ist sicherlich nichts, wofĂŒr diese Bereitschaftstruppe jemals ausgebildet wurde», sagte Cameron Hudson, Afrika-Analyst am Center for Strategic and International Studies, dem US-Sender CNN. «Wir sprechen von einer Geiselnahme, bei der der PrĂ€sident des Landes im Wesentlichen als menschlicher Schutzschild gegen diese militĂ€rische Intervention festgehalten wird. Wir sprechen also davon, dass man reingeht, ihn irgendwie befreit und ihn dann gegen den Willen der gesamten nationalen Armee wieder einsetzt.» Die Putschisten hĂ€tten dabei durchaus gewissen RĂŒckhalt in der Bevölkerung.

Sorgen um entmachteten PrÀsidenten Bazoum

Derweil wÀchst die Sorge um den entmachteten PrÀsidenten Bazoum. Der 63-JÀhrige wird seit 16 Tagen in seiner Residenz festgehalten. Einer US-Diplomatin soll die Junta gedroht haben, Bazoum im Falle einer MilitÀrintervention umzubringen, wie die «New York Times» am Freitag auf Grundlage eines Berichts der US-Nachrichtenagentur Associated Press berichtete. Die Drohung rief weltweit Empörung sowie weitere Aufrufe zu Bazoums Freilassung hervor.

«Nachdem ihm mehrere Tage lang Strom und Telefon vorenthalten wurden, entziehen ihm die Putschisten nun unter anderem seinen Hausarzt. Selbst der Zugang zu Lebensmitteln wird ihm verwehrt», sagte Bazoums stellvertretender Kabinettschef Moussa Oumarou am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Auch seine Ehefrau und sein Sohn werden weiter festgehalten. Oumarous Angaben zufolge sollen die Putschisten rund 100 Angehörige der gestĂŒrzten Regierung festgenommen haben, darunter den Sohn des ehemaligen PrĂ€sidenten Mahamadou Issoufou. Laut UN-Menschenrechtskommissar Volker TĂŒrk könnten die Bedingungen unter denen Bazoum festgehalten wird, einen Verstoß gegen internationale Menschenrechtsnormen darstellen.

Die Afrikanische Union teilte mit, man unterstĂŒtze die von der westafrikanischen Staatengruppe Ecowas gefassten Maßnahmen zur Wiederherstellung der verfassungsmĂ€ĂŸigen Ordnung und forderte zudem erneut die sofortige Freilassung von Bazoum und aller Mitglieder seiner Familie sowie seiner Regierung.

Schulze hofft weiter auf friedliche Lösung

Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze hĂ€lt eine friedliche Lösung nach dem Umsturz im Niger weiterhin fĂŒr möglich. «Bei diesem Putsch ist bisher noch niemand ums Leben gekommen», sagte die SPD-Politikerin am Freitag im Deutschlandfunk.

«Das kennen wir von anderen Putschen auch anders. Und deswegen sehe ich immer noch eine Möglichkeit, dass es friedliche Lösungen gibt, wenn der Druck wirklich groß genug ist.» Auch Außenministerin Annalena Baerbock begrĂŒĂŸte am Freitag die diplomatischen BemĂŒhungen der Ecowas, ohne auf die sofortige Aufstellung einer multinationalen Eingreiftruppe einzugehen. Es sei im Interesse der gesamten Region, dass sich die Putschisten auf VermittlungsbemĂŒhungen einließen.

@ dpa.de