Charles Michel, Afrikanische Union

EU: Gipfel könnte ohne gemeinsame AbschlusserklÀrung enden

08.09.2023 - 10:15:15

Gleich mehrere Themen sorgen in der G20-Gruppe fĂŒr erhebliche Spannungen. Einigkeit dĂŒrfte aus Sicht von EU-RatsprĂ€sident Michel nur schwer herzustellen sein.

  • Charles Michel freut sich darauf, die AU als permanentes Mitglied der G20  willkommen zu heißen. - Foto: Altaf Qadri/AP/dpa

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  • Die Staats- und Regierungschefs der G20 kommen am Wochenende in der indischen Hauptstadt Neu Delhi zusammen. - Foto: Channi Anand/AP/dpa

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Charles Michel freut sich darauf, die AU als permanentes Mitglied der G20  willkommen zu heißen. - Foto: Altaf Qadri/AP/dpaDie Staats- und Regierungschefs der G20 kommen am Wochenende in der indischen Hauptstadt Neu Delhi zusammen. - Foto: Channi Anand/AP/dpa

Der diesjĂ€hrige G20-Gipfel der fĂŒhrenden Industrie- und SchwellenlĂ€nder könnte nach EinschĂ€tzung der EU ohne gemeinsame AbschlusserklĂ€rung enden. Es sei schwierig vorherzusagen, ob es möglich sein werde, sich zu verstĂ€ndigen, sagte EU-RatsprĂ€sident Charles Michel vor dem Beginn des Spitzentreffens in der indischen Hauptstadt Neu Delhi.

Ein Grund sei, dass es fĂŒr einige Staaten in diesem Jahr schwieriger zu sein scheine, einer klaren Verurteilung Russlands fĂŒr den Angriffskrieg gegen die Ukraine zuzustimmen, so Michel.

Als weitere Beispiele fĂŒr strittige Themen nannte Michel den Kampf gegen den Klimawandel, PlĂ€ne fĂŒr eine Reform der internationalen Finanzarchitektur sowie die UnterstĂŒtzung fĂŒr EntwicklungslĂ€nder. «All diese Themen sind schwierige Themen mit unterschiedlichen Blickwinkeln, unterschiedlichen SensibilitĂ€ten und unterschiedlichen Schwerpunkten», sagte er.

G20 - Wer gehört dazu?

Michel: Konsens fĂŒr Aufnahme der AU

Die Afrikanische Union steht nach Angaben von EU-RatsprĂ€sident Charles Michel vor einer Aufnahme in die G20-Gruppe der wichtigen Industrie- und SchwellenlĂ€nder. Es gebe Konsens darĂŒber, der Afrikanischen Union den Beitritt zur G20 zu ermöglichen, sagte der Belgier. Dies sei ein «gutes Signal». Er freue sich darauf, die AU als permanentes Mitglied willkommen zu heißen.

Bisher ist die EuropÀische Union mit ihren 27 Mitgliedstaaten die einzige Regionalorganisation, die Mitglied der G20 ist. Der AU gehören alle international allgemein anerkannten afrikanischen LÀnder sowie das völkerrechtlich umstrittene Land Westsahara an. Insgesamt sind es 55 Staaten.

Die AU vertritt die Interessen von rund 1,3 Milliarden Menschen und hat die jĂŒngste und am schnellsten wachsende Bevölkerung der Welt. SchĂ€tzungen zufolge könnte Afrika bis 2050 2,5 Milliarden Einwohner zĂ€hlen. In der EU leben im Vergleich lediglich rund 450 Millionen Menschen.

Erste regulÀre AU-Teilnahme 2025?

Offen war nach Angaben von Diplomaten bis zuletzt noch, wann die Afrikanische Union offiziell Mitglied werden soll. Mögliche wĂ€re eine erste regulĂ€re Gipfelteilnahme bereits beim nĂ€chsten Gipfel in Brasilien oder beim Gipfel 2025 in SĂŒdafrika.

Zur G20-Gruppe gehören neben der EU 19 der stĂ€rksten Volkswirtschaften der Welt an. Sie ist ein zentrales Forum fĂŒr die internationale wirtschaftliche Zusammenarbeit, beschĂ€ftigt sich inzwischen aber auch mit vielen anderen globalen Themen von der TerrorbekĂ€mpfung ĂŒber den Klimaschutz bis hin zu Kriegen. Vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs ist sie eins der wenigen verbliebenen Foren, wo der Westen und Russland direkt zusammentreffen.

Yellen hofft auf finanzielle UnterstĂŒtzung fĂŒr Weltbank

US-Finanzministerin Janet Yellen setzt beim G20-Gipfel auf Zusagen fĂŒr eine stĂ€rkere finanzielle UnterstĂŒtzung Ă€rmerer LĂ€nder. «Wir hoffen, dass andere LĂ€nder sich je nach ihren finanziellen Möglichkeiten uns anschließen werden», sagte Yellen am Freitag vor dem offiziellen Beginn des Treffens der Gruppe wichtiger Wirtschaftsnationen in Neu Delhi. Konkret soll es dabei unter anderem um finanzielle Zusicherungen fĂŒr die Weltbank gehen. Die Entwicklungsbank leiht armen LĂ€ndern Geld zu gĂŒnstigen Konditionen mit dem Ziel, deren Wirtschaft zu stĂ€rken und die Armut dort zu reduzieren.

US-PrĂ€sident Joe Biden hatte den US-Kongress zuletzt um die Bewilligung von gut zwei Milliarden US-Dollar fĂŒr die Weltbank gebeten. Die Genehmigung im Kongress steht noch aus. Die USA setzen aber auf die Signalwirkung der Initiative und hoffen, dass Partner in Neu Delhi neue Verpflichtungen zur UnterstĂŒtzung der Weltbank und des Internationalen WĂ€hrungsfonds IWF eingehen und so die Kreditkraft der Organisationen erhöhen.

@ dpa.de