AfD, CDU

Chats mit Rechten: Union bemĂŒht sich um Schadensbegrenzung

16.03.2026 - 15:43:55 | dpa.de

Hat Manfred Weber die EVP-Fraktion beim Thema Brandmauer im Griff? Der Kanzler hĂ€lt sich mit persönlicher Kritik an ihm zurĂŒck - macht aber eine klare Ansage.

  • Die EVP ist im EuropĂ€ischen Parlament die mit Abstand grĂ¶ĂŸte Fraktion - bei Abstimmungen braucht sich aber dennoch Partner. (Archivbild)  - Foto: Pascal Bastien/AP/dpa
    Die EVP ist im EuropĂ€ischen Parlament die mit Abstand grĂ¶ĂŸte Fraktion - bei Abstimmungen braucht sich aber dennoch Partner. (Archivbild) - Foto: Pascal Bastien/AP/dpa
  • Erwartet GesprĂ€che in der EVP: Außenminister Johann Wadephul. - Foto: Virginia Mayo/AP/dpa
    Erwartet GesprĂ€che in der EVP: Außenminister Johann Wadephul. - Foto: Virginia Mayo/AP/dpa
  • «Ich erwarte eine ganz klare Positionierung von CDU und CSU», sagt SPD-MinisterprĂ€sident Alexander Schweitzer. (Archivbild) - Foto: Andreas Arnold/dpa
    «Ich erwarte eine ganz klare Positionierung von CDU und CSU», sagt SPD-MinisterprÀsident Alexander Schweitzer. (Archivbild) - Foto: Andreas Arnold/dpa
  • Merz: Gehe davon aus, «dass dies abgestellt wird und dass dies gegebenenfalls auch Konsequenzen hat». - Foto: Michael Kappeler/dpa
    Merz: Gehe davon aus, «dass dies abgestellt wird und dass dies gegebenenfalls auch Konsequenzen hat». - Foto: Michael Kappeler/dpa
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CDU und CSU bemĂŒhen sich nach dem Bekanntwerden der Zusammenarbeit ihrer europĂ€ischen Parteienfamilie EVP mit der AfD und anderen Rechtsaußen-Parteien um Schadensbegrenzung. Bundeskanzler Friedrich Merz sagte am Montag in Berlin, man missbillige, was da in der letzten Woche offensichtlich auf Ebene von Mitarbeitern stattgefunden habe. Er und CSU-Chef Markus Söder gingen davon aus, «dass dies abgestellt wird und dass dies gegebenenfalls auch Konsequenzen hat». Mit Blick auf den EVP-Fraktionschef und CSU-Vize Manfred Weber fĂŒgte der Kanzler hinzu: «DafĂŒr trĂ€gt Manfred Weber jetzt die Verantwortung.»

Weber hatte erklĂ€rt, er habe die umstrittene Chatgruppe nicht gekannt. Recherchen der Deutschen Presse-Agentur hatten belegt, dass die Fraktion von CDU und CSU im Europaparlament deutlich enger mit der AfD und anderen rechten Parteien kooperieren als bislang bekannt. Die EVP arbeitete demnach jĂŒngst gemeinsam mit dem rechten FlĂŒgel in einer Chatgruppe und bei einem persönlichen Treffen von Abgeordneten an einem Gesetzesvorschlag zur VerschĂ€rfung der Migrationspolitik. Das Vorhaben soll unter anderem die Abschiebung von Asylsuchenden in sogenannte «Return Hubs» in Staaten außerhalb der EU ermöglichen.

Söder von EnthĂŒllungen «irritiert und verstört»

Merz betonte: «Wir arbeiten nicht zusammen mit den Rechtsradikalen im EuropĂ€ischen Parlament.» Es gebe fĂŒr alle Entscheidungen, die dort getroffen werden mĂŒssten, eine Mehrheit auch ohne die deutschen AfD-Abgeordneten. Weber wisse, «dass wir diese Zusammenarbeit nicht wollen». 

Söder sagte in MĂŒnchen, die EnthĂŒllungen hĂ€tten seine Partei «sehr ĂŒberrascht und auch irritiert und verstört». Weber habe ihm aber gesagt, er werde dafĂŒr sorgen, dass so etwas nicht mehr stattfinde. «Damit ist die Sache auch zunĂ€chst mal aus unserer Sicht abgeschlossen und auch okay.»

Keine offenen Angriffe auf Weber

Außenminister Johann Wadephul (CDU) Ă€ußerte sich zurĂŒckhaltend. Er glaube, dass es inhaltlich in Ordnung sei, was im Anschluss an die Zusammenarbeit im zustĂ€ndigen Ausschuss des Parlaments beschlossen worden sei. Zuvor habe es eine mangelnde Mitwirkung der Sozialdemokraten im Europaparlament gegeben, was zumindest nicht mit in Berlin getroffenen Vereinbarungen im Einklang stehe. «Insofern ist das politische Ergebnis auf jeden Fall das richtige.»

Unionsfraktionschef Jens Spahn vertritt die Ansicht, dass eine Chatgruppe «keine Form der Zusammenarbeit» ist. «Der entscheidende Punkt ist: Was die AfD will, macht und tut im BrĂŒsseler Parlament, interessiert keinen Menschen. Es ist auch nicht von Relevanz», sagte der CDU-Politiker in der ntv-Sendung «Blome & Pfeffer».

SPD fordert klare Positionierung

Die SPD, Koalitionspartner der Union in der Bundesregierung, und andere Parteien kritisierten die Absprachen scharf. «Eine heimliche Zusammenarbeit mit rechtsradikalen Parteien im Europaparlament ist eine Gefahr fĂŒr Europa und TĂ€uschung gegenĂŒber den WĂ€hlerinnen und WĂ€hlern der Union», sagte der rheinland-pfĂ€lzische MinisterprĂ€sident Alexander Schweitzer (SPD) der dpa. Weber habe vor der Wahl beteuert, dass es eine strukturierte Zusammenarbeit mit rechtsradikalen Parteien nicht geben werde. «Dies scheint nicht mehr zu gelten. Ich erwarte eine ganz klare Positionierung von CDU und CSU. Auch mit Hinblick auf die deutsche Politik.»

Der Fraktionschef der Linken im Europaparlament, Martin Schirdewan, forderte den RĂŒcktritt Webers. Nach den EnthĂŒllungen sei nun klar: Der Abbau der Brandmauer sei kein Betriebsunfall, sondern werde systematisch und strukturell betrieben, sagte er. Die europĂ€ischen Konservativen brĂ€uchten jetzt einen Kurswechsel zurĂŒck zu demokratischer Vernunft. «Denn die Geschichte hat uns gelehrt, dass die Zusammenarbeit mit Rechtsextremen das Ende der Demokratie bedeutet», ergĂ€nzte er.

Weber ebnete Weg fĂŒr Zusammenarbeit mit Meloni

Weber ist wegen der Zusammenarbeit seiner EVP-Fraktion mit Rechtsparteien immer wieder mit Kritik konfrontiert. So sah er sich heftigem Gegenwind ausgesetzt, als er vor ein paar Jahren erstmals GesprĂ€che mit Italiens rechter MinisterprĂ€sidentin Giorgia Meloni und deren Partei Fratelli d'Italia (BrĂŒder Italiens) fĂŒhrte. Diese sind Mitglied der konservativ-rechtspopulistischen EKR-Fraktion.

Mittlerweile ist diese Kritik aber abgeebbt und selbst Bundeskanzler Merz arbeitet auf europĂ€ischer Ebene eng mit Meloni zusammen. Die sogenannte Brandmauer wird deswegen vor allem als Abgrenzung zu der Fraktion der Patrioten fĂŒr Europa (PfE) mit den Politikern der Partei Rassemblement National (RN) von Frankreichs Rechtspopulistin Marine Le Pen sowie der Fraktion der Parteienfamilie Europa der souverĂ€nen Nationen (ESN) mit den AfD-Europaabgeordneten gesehen.

Politisch steckt Weber vor allem deswegen in der ZwickmĂŒhle, weil etliche Mitgliedsparteien der EVP Erfolge im Kampf gegen die Migration sehen wollen und auch eine Abkehr von strengen Umwelt- und Klimaschutzauflagen fĂŒr die Wirtschaft fordern. Vergleichsweise einfach sind solche Projekte allerdings nur mit den Rechtsaußen-Fraktionen durchsetzbar und nicht mit den Sozialdemokraten und Liberalen. Diese drei Parteienfamilien haben eigentlich eine Art informelle Koalition, die eine Zusammenarbeit der EVP mit Rechtsaußenparteien ĂŒberflĂŒssig machen soll.

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