UN-Bericht: Zivilisten in russischem Gewahrsam gefoltert
27.06.2023 - 13:13:13Russische Akteure haben seit dem Ăberfall auf die Ukraine nach einem Bericht des UN-MenschenrechtsbĂŒros Hunderte Zivilisten gefoltert. 77 seien summarisch getötet worden, sagte die Leiterin des UN-MenschenrechtsbĂŒros in der Ukraine, Matilda Bogner, am Dienstag. «Das ist ein Kriegsverbrechen.» Einige dieser Tötungen seien in einem Bericht im Dezember schon erwĂ€hnt worden.
Das BĂŒro hat in einem Bericht 864 FĂ€lle von Menschen dokumentiert, die seit Beginn des Krieges im Februar 2022 und bis Mai 2023 von russischer Seite meist in besetzten Gebieten festgenommen wurden. Darunter seien Personen des öffentlichen Lebens, humanitĂ€re Helferinnen und Helfer, Priester und Lehrerinnen und Lehrer gewesen. Fast alle hĂ€tten von Folter berichtet.
Auf ukrainischer Seite dokumentierte das BĂŒro 75 FĂ€lle festgenommener Zivilisten. Sie hĂ€tten auch mehrheitlich von Misshandlung und Folter berichtet. Russland und die Ukraine verstieĂen mit den Festnahmen beide gegen internationales Recht. Die Ukraine habe zwar Gesetze erlassen, um Festnahmen wegen Verdachts auf Hilfe fĂŒr den Feind zu ermöglichen. Die Befugnisse gingen aber zu weit.
«Die russischen StreitkrĂ€fte, Strafverfolgungs- und Strafvollzugsbehörden haben in groĂem Umfang zivile Gefangene gefoltert und misshandelt», sagte Bogner. Von KĂ€mpfern der Wagner-Gruppe, die am Wochenende mit einem spĂ€ter gestoppten bewaffneten Aufstand in Russland Schlagzeilen machten, seien keine Festnahmen von Zivilisten bekannt. Das BĂŒro hat frĂŒher aber ĂŒber FĂ€lle von Misshandlung und Folter von ukrainischen Kriegsgefangenen, also KĂ€mpfern, in Wagner-Gewahrsam berichtet.
Hohe Dunkelziffer
Das BĂŒro zĂ€hlt nur FĂ€lle, in denen es die UmstĂ€nde selbst klĂ€ren konnte. Die wahren Zahlen der festgehaltenen Zivilisten seien womöglich mehr als doppelt so hoch, sagte Bogner.
Ukrainische Behörden hĂ€tten mit einer Ausnahme Zugang zu allen Haftanstalten und Gefangenenlagern gewĂ€hrt und vertrauliche GesprĂ€che mit Gefangenen ermöglicht. Von russischer Seite habe es trotz zahlreicher Anfragen keinerlei Zugang zu gefangenen Zivilisten gegeben. Das BĂŒro hat mehr als 1100 Menschen teils nach ihrer Entlassung gesprochen und 70 Mal ukrainische Gefangenenlager besucht.


