HumanitÀre, Lage

HumanitÀre Lage in Gaza immer prekÀrer

08.12.2023 - 15:55:51

Hunderttausende PalĂ€stinenser sind im Gazastreifen auf der Flucht. Vor allem im SĂŒden des abgeriegelten Gebiets suchen sie nach Schutz vor der israelischen Offensive. Der Überblick.

Aufgrund der massiven Bodenoffensive der israelischen StreitkrĂ€fte im Gazastreifen wird die humanitĂ€re Lage der palĂ€stinensischen Zivilbevölkerung immer dramatischer. In Rafah an der Grenze zu Ägypten und Al-Mawasi an der MittelmeerkĂŒste gibt es Augenzeugenberichten zufolge kaum noch Lebensmittel, Trinkwasser und UnterkĂŒnfte fĂŒr die Schutzsuchenden. Angesichts des Leids und der Vertreibung von Zivilisten wĂ€chst international die Kritik am Vorgehen der israelischen Armee.

Die islamistische Hamas missbraucht nach Angaben des israelischen MilitĂ€rs immer wieder zivile Einrichtungen fĂŒr Angriffe. So entdeckten Soldaten auf dem GelĂ€nde der Al-Azhar-UniversitĂ€t im Gazastreifen Waffen und Tunnel, wie die StreitkrĂ€fte mitteilten. Auch aus der von MilitĂ€rangriffen ausgenommenen «humanitĂ€ren Zone» in Al-Mawasi feuere die Hamas Raketen Richtung Israel ab. Das israelische MilitĂ€r setzte seinen Einsatz in der Hamas-Hochburg Chan Junis fort und tötete Dutzende mutmaßliche KĂ€mpfer der islamistischen Organisation.

Bericht: 150 Zufluchtsorte im Gazastreifen von Angriffen ausgenommen

Im Gazastreifen gibt es einem israelischen Medienbericht zufolge rund 150 Zufluchtsorte fĂŒr schutzsuchende Zivilisten. Diese wĂŒrden nicht von der Armee angegriffen, meldete die «Times of Israel» unter Berufung auf die fĂŒr Kontakte mit den PalĂ€stinensern zustĂ€ndige israelische Cogat-Behörde. Dazu zĂ€hlten etwa Schulen und andere öffentliche Einrichtungen. Die Vereinten Nationen melden demnach die Koordinaten dieser GebĂ€ude an Israel. UN-Angaben zufolge gibt es mittlerweile fast 1,9 Millionen Binnenvertriebene in dem KĂŒstenstreifen - bei mehr als 2,2 Millionen Bewohnern insgesamt.

Israels Armee: Waffen und Tunnel auf Campus im Gazastreifen gefunden

Bei einem Einsatz auf dem GelĂ€nde der Al-Azhar-UniversitĂ€t im Gazastreifen stellten die israelischen StreitkrĂ€fte eigenen Angaben zufolge SprengsĂ€tze und Raketen sicher. Ein unterirdischer Tunnel fĂŒhre vom UniversitĂ€tsgelĂ€nde zu einer einen Kilometer entfernten Schule. Die Hamas missbraucht der Armee zufolge auch das UniversitĂ€tsgebĂ€ude fĂŒr Angriffe gegen israelische Soldaten. Die StreitkrĂ€fte werfen der Hamas immer wieder vor, aus Wohngebieten, KrankenhĂ€usern und anderen zivilen GebĂ€uden heraus anzugreifen sowie Zivilisten als Schutzschilde zu missbrauchen. Die Terrororganisation weist dies zurĂŒck.

Wieder Raketenalarm in Tel Aviv und an Israels Grenze zu Gaza

In Israel gab es erneut Raketenalarm. Am Nachmittag heulten Armeeangaben zufolge in der KĂŒstenmetropole Tel Aviv wieder die Sirenen. Im Zentrum der Stadt waren laute Explosionen zu hören. Israelischen Medien zufolge waren dort bereits zuvor Explosionen zu hören gewesen. Grund war demnach, dass von der Hamas abgefeuerte Geschosse im Mittelmeer gelandet seien. Auch in Orten an der Grenze zum Gazastreifen gab es laut dem MilitĂ€r mehrfach Raketenalarm. Die Raketenangriffe aus dem Gazastreifen nehmen Medien zufolge aber inzwischen spĂŒrbar ab.

WHO-Sprecher kritisiert Israel: Mehr als Selbstverteidigung in Gaza

Ein Sprecher der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kritisierte die israelischen Angriffe im Gazastreifen scharf. Bei den seit zwei Monaten andauernden Angriffen gehe es nicht nur um Selbstverteidigung gegen extremistische PalĂ€stinensergruppen wie die Hamas, sondern dies betreffe die gesamte Bevölkerung, sagte Christian Lindmeier in Genf. Unschuldige Zivilisten wĂŒrden von den Angriffen getroffen, selbst enge VerbĂŒndete Israels hĂ€tten von «willkĂŒrlicher Bombardierung» gesprochen. Der Gesundheitssektor sei schwer beschĂ€digt, die Versorgung der Menschen praktisch unmöglich geworden, sagte Lindmeier.

Hamas-Behörde: Zahl der Toten in Gaza steigt weiter

Die Zahl der im Gazastreifen getöteten PalĂ€stinenser ist seit Kriegsbeginn nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums auf 17.487 gestiegen. Mehr als 46.000 Menschen seien verletzt worden, teilte ein Ministeriumssprecher mit. Zahlreiche Menschen wĂŒrden zudem weiter vermisst - viele werden unter TrĂŒmmern vermutet. Am Donnerstag hatte die Behörde noch von fast 17.200 Toten gesprochen.

Die Opferzahlen lassen sich gegenwĂ€rtig nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen, die Vereinten Nationen und andere Beobachter weisen aber darauf hin, dass sich die Zahlen der Behörde in der Vergangenheit als insgesamt glaubwĂŒrdig herausgestellt hĂ€tten.

Opfer-Angehörige des Hamas-Massakers protestieren gegen Netanjahu

Angehörige der beim Hamas-Massaker getöteten und entfĂŒhrten Israelis forderten in Jerusalem den RĂŒcktritt des israelischen MinisterprĂ€sidenten Benjamin Netanjahus. Medienberichten zufolge kamen 200 bis 300 Demonstranten zu der Kundgebung in der NĂ€he des Parlaments. Es gibt massive Kritik an dem Regierungschef, der bisher keine direkte Verantwortung fĂŒr das politische und militĂ€rische Versagen am 7. Oktober ĂŒbernommen hat. Schon vor dem brutalen Terrorangriff hatte es in Israel immer wieder Massenproteste gegen Netanjahu und seine Koalition gegeben. Es ist die am weitesten rechtsstehende Regierung in der Geschichte Israels.

Tote bei israelischem MilitÀreinsatz im Westjordanland

Bei ZusammenstĂ¶ĂŸen wĂ€hrend einer Razzia der israelischen Armee im besetzten Westjordanland wurden nach palĂ€stinensischen Angaben sechs Menschen getötet. Darunter sei auch ein 14 Jahre alter Junge, teilte das Gesundheitsministerium in Ramallah mit. Nach Angaben der israelischen StreitkrĂ€fte kam es bei dem Anti-Terror-Einsatz im FlĂŒchtlingslager Faraa zu Schusswechseln. Mehrere Terroristen seien dabei getötet worden. Bei ihnen seien auch Gewehre gefunden worden. Die israelischen EinsatzkrĂ€fte nahmen den Angaben nach zudem zwei gesuchte VerdĂ€chtige fest. Von palĂ€stinensischer Seite gab es zunĂ€chst keine Angaben dazu, ob die getöteten PalĂ€stinenser bewaffnet waren oder einer militanten Gruppierung angehörten.

@ dpa.de