Spannungen, Trump-Aussage Keine

Spannungen bei Trump-Aussage: «Keine politische Kundgebung»

06.11.2023 - 17:37:34

«Ich möchte nicht alles hören, was dieser Zeuge auch zu sagen hat»: Richter Arthur Engoron war sichtlich verÀrgert angesichts von lÀnglichen Antworten des Ex-US-PrÀsidenten. Und droht mit Konsequenzen.

  • «Das ist ein sehr unfairer Prozess. Ich hoffe, die Öffentlichkeit schaut zu»: Donald Trump. - Foto: Yuki Iwamura/AP/dpa

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  • «Das ist ein sehr unfairer Prozess. Ich hoffe, die Öffentlichkeit schaut zu»: Donald Trump. - Foto: Eduardo Munoz Alvarez/FR171643 AP/AP

    Eduardo Munoz Alvarez/FR171643 AP/AP

«Das ist ein sehr unfairer Prozess. Ich hoffe, die Öffentlichkeit schaut zu»: Donald Trump. - Foto: Yuki Iwamura/AP/dpa«Das ist ein sehr unfairer Prozess. Ich hoffe, die Öffentlichkeit schaut zu»: Donald Trump. - Foto: Eduardo Munoz Alvarez/FR171643 AP/AP

Aussagen Donald Trumps im Betrugsprozess gegen den ehemaligen US-PrĂ€sidenten haben zu Spannungen mit dem Gericht gefĂŒhrt. Richter Arthur Engoron wies Trump im Gerichtssaal mehrmals an, keine «Reden» zu halten: «Das ist keine politische Kundgebung, das ist ein Gerichtssaal». Trump sei lediglich da, um Fragen zu beantworten. «Ich möchte nicht alles hören, was dieser Zeuge auch zu sagen hat», so der Richter.

Engorons zunehmender Ärger entzĂŒndete sich an lĂ€nglichen Antworten Trumps. Der 77-JĂ€hrige nutzte diese unter Eid dafĂŒr, den Demokraten vorzuwerfen, die Justiz als Waffe gegen ihn zu benutzen. Die Gerichte und Staatsanwaltschaften seien ihm gegenĂŒber voreingenommen. Trump will kommendes Jahr erneut fĂŒr die Republikaner zum US-PrĂ€sidenten gewĂ€hlt werden. An einer Stelle sagte er: «Das ist ein sehr unfairer Prozess. Ich hoffe, die Öffentlichkeit schaut zu.»

Die Staatsanwaltschaft wirft Trump, seinen Söhnen und Mitarbeitern vor, den Wert der Trump Organization jahrelang manipuliert zu haben, um an gĂŒnstigere Kredite und VersicherungsvertrĂ€ge zu kommen. Richter Arthur Engoron hatte dies vor dem Prozess bereits bestĂ€tigt - in dem Verfahren geht es nun vor allem um die Festlegung möglicher Strafen sowie mehrere weitere Anklagepunkte.

Trump bestritt wie erwartet VorwĂŒrfe, er habe den Wert seiner GrundstĂŒcke und GeschĂ€fte manipuliert. Zudem gebe es keinen Schaden, die Banken hĂ€tten die gegebenen Kredite zurĂŒckerhalten: «Jeder bekam sein Geld vollstĂ€ndig zurĂŒck», sagte Trump. Der Ex-US-PrĂ€sident war kurz vor zehn Uhr OstkĂŒstenzeit mit dunklem Anzug, blauer Krawatte und ernster Miene im Gerichtssaal in Manhattan erschienen.

Engoron sagte mehrmals zu Trumps Verteidiger Christopher Kise, er solle seinen Mandaten «unter Kontrolle» bringen. Ansonsten wĂŒrde dies negative Auswirkungen auf seine Wertung der Aussage habe. Als Trumps Verteidiger GegenvorschlĂ€ge machten, herrschte Engoron diese an, sich hinzusetzen.

Muss Trump 250 Millionen US-Dollar zahlen?

Eine GefĂ€ngnisstrafe oder direkte Auswirkungen auf seine Bewerbung um das PrĂ€sidentenamt drohen Trump in der Verhandlung zwar nicht, doch geschĂ€ftlich könnte ihm eine Verurteilung großen Schaden zufĂŒgen. New Yorks GeneralstaatsanwĂ€ltin Letitia James will erreichen, dass Trump 250 Millionen US-Dollar (rund 239 Millionen Euro) zahlen muss und in New York keine GeschĂ€fte mehr machen darf. Unklar ist, ob er bei einer Verurteilung auch Immobilien wie seinen berĂŒhmten New Yorker Trump Tower abgeben mĂŒsste.

Zuletzt hatten bereits mehrere Kinder Trumps ausgesagt. Donald Jr. und Eric wiesen vor Gericht aber jegliche VorwĂŒrfe zurĂŒck und sagten aus, sie hĂ€tten mit der Buchhaltung und den Abrechnungen der Trump Organization nichts zu tun gehabt.

Wegen zahlreicher verbaler Entgleisungen Trumps, der bereits mehrfach persönlich in dem Prozess anwesend war, hatte Richter Engoron ihm bereits zuvor mit ernsthaften Konsequenzen gedroht, kleinere Geldstrafen und ein Verbot der Verunglimpfung von Gerichtsangestellten verhÀngt.

Umfrage sieht Trump in wichtigen US-Bundesstaaten vorn

Trump ist der aussichtsreichste Bewerber auf die PrĂ€sidentschaftskandidatur der Republikaner fĂŒr die Wahl in einem Jahr. Den Prozess nutzt er nach EinschĂ€tzung vieler Beobachter als Wahlwerbung und behauptet immer wieder, die Verhandlung sei Teil einer politischen Kampagne gegen ihn.

Ein Jahr vor der US-PrĂ€sidentschaftswahl sieht es fĂŒr Trump gut aus. Die «New York Times» berichtete ĂŒber eine Umfrage zusammen mit dem Siena College, wonach Joe Biden in fĂŒnf der sechs wichtigsten umkĂ€mpften Staaten hinter Trump liegt. Die Fehlertoleranzen liegen allerdings zwischen 1,8 und 4,8 Prozentpunkten.

FĂŒr die Umfrage wurden insgesamt 3662 WĂ€hler in den sechs Bundesstaaten Wisconsin, Arizona, Georgia, Nevada, Michigan und Pennsylvania im Zeitraum zwischen dem 22. Oktober und dem 3. November befragt. Die Umfrage habe ergeben, dass beide Kandidaten unbeliebt seien, WĂ€hler ihren Frust aber eher am PrĂ€sidenten ausließen, schreibt die «New York Times».

@ dpa.de