Ifo-PrÀsident Fuest sieht Verlangsamung der KI-Entwicklung als unrealistisch
Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 11:51 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDer PrĂ€sident des Ifo-Instituts, Clemens Fuest, sieht Forderungen nach einer Verlangsamung der Entwicklung KĂŒnstlicher Intelligenz zwar als nachvollziehbar an, hĂ€lt sie aber praktisch fĂŒr kaum umsetzbar. In einem Interview mit der "Rheinischen Post" verwies er auf erhebliche Schwierigkeiten, ForschungstĂ€tigkeiten weltweit zu ĂŒberwachen und zu begrenzen.
Fuest zweifelt an internationaler Vereinbarung
Fuest erklĂ€rte, dass insbesondere China sich kaum in eine internationale Vereinbarung einbinden lassen werde, die auf eine langsamere KI-Entwicklung abzielt. Vor diesem Hintergrund schĂ€tzt er die Erfolgsaussichten eines solchen Abkommens als gering ein. Der Ăkonom verweist damit auf bestehende geopolitische Spannungen, die gemeinsame Regeln erschweren.
Wettrennen um TechnologiefĂŒhrerschaft
Nach Worten des Ifo-PrĂ€sidenten gibt es derzeit ein Wettrennen um die technologische FĂŒhrungsrolle sowohl zwischen den fĂŒhrenden Unternehmen in den USA als auch zwischen den USA und China. Ăber die leistungsfĂ€higste KI zu verfĂŒgen, sei nicht nur von wirtschaftlicher Bedeutung, sondern auch ein Faktor fĂŒr die nationale Sicherheit. Staaten und Konzerne haben daher ein starkes Eigeninteresse, bei zentralen KI-Technologien an der Spitze zu stehen.
Fokus auf Sicherheit und Risikobegrenzung
Fuest betonte, dass es wenig helfe, allein ĂŒber Begrenzungen zu sprechen. Stattdessen mĂŒsse die Forschung auch in jene Richtung vorangetrieben werden, die darauf zielt, Sicherheitsrisiken zu verringern und potenziell schĂ€dliche Anwendungen von KI zu verhindern. Dazu gehören technische Schutzmechanismen ebenso wie Verfahren zur Kontrolle und Ăberwachung von KI-Systemen.
Hintergrund: Appelle aus der US-Techbranche
Am Wochenende hatten Aufrufe einiger KI-Techchefs in den USA, die Entwicklung von KĂŒnstlicher Intelligenz zu verlangsamen, fĂŒr Aufmerksamkeit gesorgt. Diese Stimmen aus der Branche warnen vor möglichen negativen Folgen einer zu schnellen, unregulierten Weiterentwicklung. Fuest nimmt diese Sorgen auf, stellt aber zugleich die Frage, wie solche Appelle in einem internationalen Umfeld mit unterschiedlichen Interessen und Machtkonstellationen praktisch durchgesetzt werden können.
Die ĂuĂerungen von Clemens Fuest fallen in eine Phase, in der Regierungen und Unternehmen weltweit versuchen, die Chancen der KĂŒnstlichen Intelligenz mit ihren Risiken in Einklang zu bringen. WĂ€hrend Politiker ĂŒber strengere Regeln diskutieren, wĂ€chst gleichzeitig der wirtschaftliche Druck, im globalen Wettbewerb um KI-Anwendungen nicht zurĂŒckzufallen.
Fuest verweist ausdrĂŒcklich auf das Wettrennen zwischen den USA und China. Damit rĂŒckt er einen zentralen Konflikt in den Fokus: Staaten wollen einerseits Missbrauch und Sicherheitsrisiken begrenzen, andererseits gilt technologische FĂŒhrerschaft als SchlĂŒssel fĂŒr wirtschaftliche StĂ€rke und militĂ€rische Sicherheit. Wenn groĂe Volkswirtschaften unterschiedliche Interessen verfolgen, werden internationale Abkommen ĂŒber Begrenzungen oder Verlangsamungen von Forschung besonders schwer.
Konflikt zwischen Regulierung und Wettbewerb
Die jĂŒngsten Appelle von US-Technologiechefs, die KI-Entwicklung zu verlangsamen, zeigen, dass selbst zentrale Treiber der Branche die möglichen Gefahren sehr ernst nehmen. Zugleich haben viele dieser Unternehmen hohe Investitionen getĂ€tigt und stehen unter dem Druck von AktionĂ€ren und Wettbewerbern. Eine koordinierte Verlangsamung wĂ€re nur dann wirksam, wenn sie ĂŒber einzelne Firmen hinausgeht und staatlich oder international politisch abgesichert wird â genau daran zweifelt Fuest angesichts der schwer kontrollierbaren Forschung und der geopolitischen RivalitĂ€t.
Folgen fĂŒr Deutschland und Europa
FĂŒr Deutschland und die EuropĂ€ische Union stellt sich die Frage, wie sich ein starker Fokus auf Sicherheitsstandards und Regulierung mit der Notwendigkeit verbinden lĂ€sst, eigene Kompetenzen bei KI auszubauen. Fuest deutet an, dass es nicht ausreiche, allein auf Begrenzung zu setzen. Forschung mĂŒsse gezielt darauf ausgerichtet werden, Schutzmechanismen, robuste Systeme und Verfahren zur EindĂ€mmung von Risiken zu entwickeln. Damit zeichnet sich eine Strategie ab, die auf verantwortungsvolle Weiterentwicklung statt auf generelle Verlangsamung setzt und die europĂ€ische Debatte ĂŒber KI-Regulierung und technologische SouverĂ€nitĂ€t weiter prĂ€gen dĂŒrfte.
