Zweite Ministerin geht: Warum Trump sein Kabinett umbaut
03.04.2026 - 04:45:05 | dpa.deSie waren lautstarke und prominente Persönlichkeiten in Donald Trumps zweiter Amtszeit: Innerhalb weniger Wochen und mitten im Krieg gegen den Iran hat der US-PrĂ€sident mit Ex-Heimatschutzministerin Kristi Noem und nun Justizministerin Pam Bondi gleich zwei treue Gefolgsleute in SchlĂŒsselressorts entlassen. Kritiker sehen ein mögliches Ablenkungsmanöver.Â
In seiner ersten Amtszeit (2017 bis 2021) ging Trump beim Kabinettsumbau noch rigoroser vor. Es gab auĂergewöhnlich viel Personalwechsel, was seine gesamte Agenda ĂŒberschattete. Die zweite Amtszeit begann unter anderen Vorzeichen, da Trump sich von vornherein getreue Gefolgsleute ausgesucht hatte. Umso erstaunlicher ist, dass er sich nun gleich von zwei Ministerinnen trennt.
Warum baut Trump sein Kabinett um?
Schlechte Umfragewerte und Wahlkampf
Es lĂ€uft bereits lĂ€nger nicht rund fĂŒr den 79-JĂ€hrigen: Schon vor Beginn des Kriegs, der mit massiv gestiegenen Ălpreisen einhergeht, stand Trump innenpolitisch unter Druck. Gleichzeitig rĂŒcken die Zwischenwahlen im US-Parlament im November nĂ€her - bei denen die knappe Mehrheit der Republikaner im ReprĂ€sentantenhaus und im Senat auf dem Spiel steht. Der Wahlkampf hat de facto schon begonnen.
Eine neue Umfrage des Marktforschungsunternehmens SSRS Opinion Panel im Auftrag des TV-Senders CNN legt nahe, dass die Unzufriedenheit der Amerikanerinnen und Amerikaner damit, wie Trump sein Amt ausĂŒbt, innerhalb seiner zwei Amtszeiten mit 64 Prozent noch nie so hoch war wie jetzt.
Trump wohl gröĂtes Problem: der Epstein-SkandalÂ
Der PrĂ€sident hatte regelmĂ€Ăig in Bondis Ressort hineinregiert. Er wies die 60-JĂ€hrige öffentlich an, gegen seine politischen Gegner juristisch vorzugehen. Bondi setzte dazu mehrmals an â doch Trump ging es offensichtlich nicht schnell und nicht rigoros genug.
Zum VerhĂ€ngnis wurde Bondi aber wohl vor allem der mit Veröffentlichung der Ermittlungsakten wieder hochgekochte Skandal um den 2019 gestorbenen steinreichen SexualstraftĂ€ter Jeffrey Epstein. Dieser hatte vor Jahrzehnten einen Missbrauchsring betrieben, dem junge Frauen und MinderjĂ€hrige zum Opfer fielen. Epstein hatte beste Kontakte etwa in die High Society der USA. Auch Trump, der einst mit Epstein befreundet war, kommt in den Akten vor. Das allein ist aber kein Beleg fĂŒr strafbares Verhalten.
Bondi, deren Ressort fĂŒr den Fall zustĂ€ndig war, bekam das Thema nicht vom Tisch: Es gab Kritik an geschwĂ€rzten Akten, unzureichendem Schutz von Opfern und Bondi verstrickte sich in WidersprĂŒche um eine angebliche Epstein-Kundenliste. Der Fall wurde fĂŒr Trump zur Belastung.Â
Epstein-Befragung Bondis jetzt ĂŒberflĂŒssig?
In Washington rĂŒckt bei der Aufarbeitung des Epstein-Skandals nun ein weiterer Aspekt in den Fokus: Im MĂ€rz lud der Kontrollausschuss des US-ReprĂ€sentantenhauses Bondi vor, um sie zu ihrer Rolle bei der Veröffentlichung der Epstein-Akten zu befragen. Sie soll eigentlich in knapp zwei Wochen vor dem Ausschuss aussagen â gilt das noch?
Der ranghöchste Demokrat in dem Ausschuss, Robert Garcia, schrieb auf der Plattform X, Bondi und Trump wĂŒrden vielleicht glauben, dass ihre Entlassung sie von der Aussage befreie. «Sie liegen falsch â und wir freuen uns darauf, ihre Aussage unter Eid zu hören.» Auch die republikanische Abgeordnete Nancy Mace, die die Vorladung Bondis unterstĂŒtzt hatte, betonte auf der Plattform, dass sie daran festhalte.Â
Das Portal «The Hill» zitiert allerdings einen Sprecher des republikanischen Ausschussvorsitzenden James Comer damit, dass der Ausschuss seine Entscheidung noch Ă€ndern könnte: «Da Pam Bondi nicht mehr Justizministerin ist, wird der Vorsitzende Comer mit den republikanischen Mitgliedern und dem Justizministerium ĂŒber den Stand der Vorladung zur Aussage unter Eid sprechen und die nĂ€chsten Schritte besprechen.»
Brutale Razzien gegen Migranten schadeten TrumpÂ
Anfang MĂ€rz trennte Trump sich bereits von der damaligen Heimatschutzministerin Kristi Noem. In den Wochen und Monaten zuvor waren ihr verschiedene Dinge zum VerhĂ€ngnis geworden â aufgrund ihres Amtes stand sie aber vor allem prominent fĂŒr Trumps zunehmend unbeliebte aggressive Abschiebepolitik.Â
Nachdem Bundesbeamte Anfang des Jahres zwei US-BĂŒrger bei ihren EinsĂ€tzen gegen Migranten erschossen hatten, formierte sich in den USA landesweiter Protest gegen Trumps teils martialisch anmutende Migrationspolitik. Der US-PrĂ€sident sah sich daraufhin gezwungen zurĂŒckzurudern. Und im US-Bundesstaat Minnesota â dem jĂŒngsten prominenten Schauplatz der Razzien â wurde ein Ende der groĂangelegten EinsĂ€tze verkĂŒndet.Â
Die Konflikte ĂŒber Trumps Migrationspolitik sind nach Noems Abgang aber nicht beigelegt: Seit rund 50 Tagen hat das Heimatschutzministerium nun schon ein Finanzierungsloch. Demokraten und Republikaner konnten sich wegen eines Streits um die umstrittenen Abschiebe-Razzien noch immer nicht auf einen Haushalt fĂŒr das Ministerium einigen.
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