Journalisten, Toten

Klinik: FĂŒnf Journalisten unter 19 Toten bei Angriff Israels

25.08.2025 - 13:50:14

Im Gaza-Krieg sind binnen fast zwei Jahren bereits rund 200 Journalisten getötet worden. Nun kommt es zu einem besonders schwerwiegenden Vorfall in einem Krankenhaus.

  • Verletzte werden in Nasser-Krankenhaus eingeliefert. (Archivbild) - Foto: Abed Rahim Khatib/dpa

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  • Die freie Journalistin Mariam Dagga wurde im Gazastreifen bei einem israelischen Angriff getötet. - Foto: Jehad Alshrafi/AP/dpa

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Verletzte werden in Nasser-Krankenhaus eingeliefert. (Archivbild) - Foto: Abed Rahim Khatib/dpaDie freie Journalistin Mariam Dagga wurde im Gazastreifen bei einem israelischen Angriff getötet. - Foto: Jehad Alshrafi/AP/dpa

Bei einem israelischen Angriff im SĂŒden des Gazastreifens sind nach Krankenhausangaben 19 Menschen getötet worden, darunter fĂŒnf Journalisten. Nach Angaben des Nasser-Krankenhauses wurden sie bei einem Luftangriff tödlich getroffen, als sie sich im vierten Stock der Klinik in der sĂŒdlichen Stadt Chan Junis aufhielten. Das von der Hamas kontrollierte Gesundheitsministerium sprach von 20 Toten. 

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Associated Press war auch eine freie Mitarbeiterin von AP, Mariam Dagga (33), unter den Getöteten. Sie habe einen zwölfjĂ€hrigen Sohn, der zuvor wĂ€hrend des Kriegs aus dem Gazastreifen evakuiert worden sei, hieß es. «Wir tun alles, was in unserer Macht steht, um unsere Journalisten im Gazastreifen zu schĂŒtzen, wĂ€hrend sie unter schwierigen und gefĂ€hrlichen Bedingungen weiterhin entscheidende Augenzeugenberichte liefern», erklĂ€rte AP. 

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, ihr freier Mitarbeiter Hussam al-Masri sei bei dem Angriff getötet worden. Ein weiterer Fotograf der Agentur - ebenfalls ein freier Mitarbeiter - wurde demnach verletzt. 

Der arabische Fernsehsender Al-Dschasira berichtete, ein Kameramann des Senders sei tödlich getroffen worden. Der vierte getötete Journalist arbeitete als freier Mitarbeiter fĂŒr verschiedene Medien. Seine Arbeiten wurden nach Angaben von Reuters gelegentlich von der Nachrichtenagentur veröffentlicht. Auch fĂŒr die israelische Zeitung «Haaretz» habe er erst kĂŒrzlich fotografiert, teilte das Blatt bei X mit. Der FĂŒnfte war nach Angaben aus Gaza freier Mitarbeiter mehrerer arabischer Medien. 

Berichten der palÀstinensischen Nachrichtenagentur Wafa zufolge kamen bei dem Angriff auf die Klinik auch SanitÀter zu Tode. 

Israel leitet Untersuchung des Vorfalls ein 

Die israelische Armee teilte mit, es habe einen Angriff israelischer Truppen im Gebiet des Nasser-Krankenhauses gegeben. Generalstabschef Ejal Zamir habe eine rasche vorlĂ€ufige Untersuchung des Vorfalls angeordnet. Die Armee bedauere es, wenn unbeteiligte Personen zu Schaden kĂ€men. Die Truppen zielten nicht absichtlich auf Journalisten ab, hieß es. 

MilitĂ€rsprecher Effie Defrin versicherte Transparenz bei der AufklĂ€rung. Generalstabschef Zamir habe eine unverzĂŒgliche Untersuchung angeordnet, um die UmstĂ€nde zu klĂ€ren, sagte Defrin in einer PresseerklĂ€rung. «Wie immer werden wir unsere Ergebnisse so transparent wie möglich prĂ€sentieren.»

Defrin betonte, die Armee greife Zivilisten nicht absichtlich an. Die Truppen agierten jedoch in einer «Àußerst komplexen RealitĂ€t». Terroristen der islamistischen Hamas nutzen nach seinen Worten bewusst zivile Infrastruktur, darunter auch KrankenhĂ€user, als Schutzschilde. Sie hĂ€tten in der Vergangenheit sogar vom Nasser-Krankenhaus aus operiert. 

Netanjahu: Israel bedauert «tragisches UnglĂŒck» in Gaza

Israels MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu drĂŒckte unterdessen sein Bedauern ĂŒber den Vorfall aus. «Israel bedauert zutiefst das tragische UnglĂŒck, das sich heute im Nasser-Krankenhaus in Gaza ereignet hat», hieß es am Abend in einer vom BĂŒro von Regierungschef Netanjahu verbreiteten Mitteilung. 

Israel schĂ€tze die Arbeit von Journalisten, medizinischem Personal und allen Zivilisten, hieß es in der Mitteilung weiter. Das MilitĂ€r fĂŒhre nach dem Vorfall eine «grĂŒndliche Untersuchung» durch. Gleichzeitig betonte Netanjahu, dass sich der Krieg Israels gegen die Hamas richte. «Unsere gerechten Ziele sind die Bezwingung der Hamas und die RĂŒckkehr unserer Geiseln nach Hause.»

Augenzeugen berichteten, es habe einen Angriff auf den vierten Stock im EmpfangsgebÀude des Nasser-Krankenhauses gegeben, in dem sich die Journalisten aufhielten. Als SanitÀter und Mitarbeiter des Zivilschutzes zur Rettung eilten, habe es einen weiteren Angriff gegeben. In sozialen Medien kursierten Videoaufnahmen von dem blutigen Vorfall. Der arabische Sender Al-Ghad zeigte ein Video, in dem zu sehen war, wie eine Gruppe von Menschen bei einem Angriff getroffen wurde. Dabei handelte es sich offenbar um die zweite Attacke. 

Schon fast 200 getötete Journalisten im Gaza-Krieg

Damit wurden laut Informationen des Komitees zum Schutz von Journalisten (CPJ) seit Beginn des Gaza-Kriegs vor knapp zwei Jahren fast 200 Journalisten getötet, die meisten davon PalÀstinenser. 

Der Auslandspresseverband in Israel (FPA) verurteilte die Tötung der Journalisten. Der Verband sei «empört und schockiert» ĂŒber den tödlichen Vorfall, hieß es in einem Post auf X. Es handele sich um einen der VorfĂ€lle mit den meisten getöteten Journalisten, die fĂŒr internationale Medien arbeiteten, seit Beginn des Kriegs vor fast zwei Jahren, schrieb der Verband weiter. 

Zu viele Journalisten seien bereits grundlos getötet worden. Israel blockiere zudem weiterhin den Zugang auslĂ€ndischer Journalisten nach Gaza. «Dies muss ein Wendepunkt sein», forderte der Verband. «Wir appellieren an internationale FĂŒhrungspersönlichkeiten: Tut alles, was ihr könnt, um unsere Kollegen zu schĂŒtzen. Wir schaffen das nicht allein.»

Erst am Samstag war nach Angaben von Wafa ein palÀstinensischer Kameramann im nördlichen Gazastreifen von israelischen Soldaten getötet worden. Der palÀstinensische Journalistenverband sprach von einer «fortwÀhrenden israelischen Kampagne gegen Journalisten, deren Ziel es ist, die palÀstinensischen Schilderungen zum Schweigen zu bringen». 

Mitte des Monats waren vier Mitarbeiter des arabischen TV-Senders Al-Dschasira in der Stadt Gaza getötet worden. Israels MilitĂ€r hatte die Tötung des Korrespondenten Anas al-Scharif bestĂ€tigt. Der 28-JĂ€hrige habe sich zwar als Al-Dschasira-Journalist ausgegeben, er habe aber eine Terrorzelle der islamistischen Hamas angefĂŒhrt, erklĂ€rte die Armee damals - ohne dafĂŒr eindeutige Beweise vorzulegen. 

AuswĂ€rtiges Amt «schockiert» ĂŒber Vorfall

Das AuswĂ€rtige Amt verurteilte den israelischen Angriff auf ein Krankenhaus im Gazastreifen. «Wir sind schockiert ĂŒber die Tötung mehrerer Journalisten, RettungskrĂ€fte und weiterer Zivilisten bei einem israelischen Luftangriff auf das Nasser-Krankenhaus in Gaza», schrieb das Ministerium auf X. Der Angriff mĂŒsse untersucht werden.

Die Arbeit von Journalisten sei unverzichtbar, um die verheerende RealitĂ€t des Kriegs in Gaza abzubilden, hieß es weiter. «Wir haben die israelische Regierung immer wieder aufgefordert, Medienschaffenden Zugang zu gewĂ€hren und Journalisten, die in Gaza tĂ€tig sind, Schutz zu bieten.»

Der französische PrĂ€sident Emmanuel Macron kritisierte Israels Vorgehen scharf. «Das ist untragbar», schrieb er in einem Post auf X. Zivilisten und Journalisten mĂŒssten unter allen UmstĂ€nden geschĂŒtzt werden. «Wir fordern Israel auf, das internationale Recht zu achten», so Macron.

Bericht: Israels MilitÀrchef verschÀrft Warnung vor Gaza-Einnahme

Unterdessen warnte Generalstabschef Zamir laut einem Medienbericht eindringlich vor Gefahren der geplanten Einnahme der Stadt Gaza. Der israelische TV-Sender Channel 13 berichtet, Zamir habe dazu gedrĂ€ngt, einen Vermittlungsvorschlag ĂŒber eine Gaza-Waffenruhe und die Freilassung von Geiseln im Gegenzug fĂŒr palĂ€stinensische HĂ€ftlinge anzunehmen. Die Armee habe die Bedingungen fĂŒr einen Geisel-Deal geschaffen, jetzt liege es in den HĂ€nden von MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu. Eine Einnahme der Stadt Gaza wĂŒrde das Leben der Geiseln gefĂ€hrden.

Wadephul kritisiert Israels Regierung wegen Gaza-PlÀnen

Außenminister Johann Wadephul kritisierte die israelische Regierung wegen ihrer PlĂ€ne zum VorrĂŒcken in die Stadt Gaza. Die deutsche GlaubwĂŒrdigkeit als globaler europĂ€ischer Akteur hĂ€nge von der Konsistenz der deutschen Politik ab - bei der Verteidigung des Völkerrechts, der Ablehnung des Terrors und beim Schutz des zivilen Lebens, sagte er bei einem Besuch in der kroatischen Hauptstadt Zagreb. «Unserer Ansicht nach fördert die Entscheidung des israelischen Kabinetts, Gaza-Stadt zu ĂŒbernehmen und die Bodenoperationen zu intensivieren, keines dieser Ziele», kritisierte er.

Nach SchĂ€tzungen drĂ€ngen sich etwa eine Million Menschen in der KĂŒstenstadt Gaza. Israel plant eine RĂ€umung der Stadt vor der neuen Offensive. Auch Geiseln der Hamas werden in der Stadt vermutet.

@ dpa.de