Gaza-Krieg: Israel spricht von Angriffen mit 8000 Raketen
27.10.2023 - 07:50:43WÀhrend das israelische MilitÀr das massive Bombardement im Gazastreifen in Vorbereitung einer Bodenoffensive gegen die islamistischen Hamas-Angreifer fortsetzt, wird die Rolle der USA scheinbar immer bedeutender. Nicht nur verstÀrken die USA ihre MilitÀrprÀsenz im Nahen Osten, auch Warnungen werden direkt an Washington gesendet.
USA befĂŒrworten begrenzte Feuerpause
Die Staaten der EuropĂ€ischen Union (EU) fordern in einem Gipfelbeschluss Feuerpausen und geschĂŒtzte Korridore fĂŒr Hilfslieferungen an die notleidende Zivilbevölkerung in Gaza. Auch die US-Regierung hat sich dafĂŒr ausgesprochen, begrenzte humanitĂ€re Feuerpausen im Gaza-Krieg in Betracht zu ziehen.
«Dabei handelt es sich um örtlich begrenzte, zeitlich begrenzte, spezifische Pausen auf dem Schlachtfeld, damit humanitĂ€re Hilfe zu den BedĂŒrftigen gelangen kann oder die Menschen das Gebiet in relativer Sicherheit verlassen können», sagte der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrats, John Kirby.
Tausende Deutsche trotz Gaza-Krieg noch im Nahen Osten
In der Krisenregion im Nahen Osten befinden sich trotz des Gaza-Kriegs noch immer einige tausend deutsche StaatsbĂŒrger. Nach Angaben des AuswĂ€rtigen Amts vom Freitag sind derzeit etwa 2700 Deutsche in Israel. Im Nachbarland Libanon, wo die Bundesrepublik ihre StaatsbĂŒrger ausdrĂŒcklich zur Ausreise aufgerufen hat, sind es demnach knapp 1100.
Im Gazastreifen geht das Berliner Ministerium von einer «niedrigen dreistelligen» Personenzahl aus. Insgesamt sollen es in den PalĂ€stinensergebieten etwa 490 Menschen sein. GezĂ€hlt werden dabei aber ausschlieĂlich jene BundesbĂŒrger, die sich freiwillig auf einer Krisenvorsorgeliste des AuswĂ€rtigen Amts eingetragen haben.
Kampfhandlungen gehen auf beiden Seiten weiter
Das israelische MilitÀr setzt unterdessen den Kampf gegen die Hamas fort. Die Armee griff nach eigenen Angaben in den vergangenen 24 Stunden mehr als 250 Ziele im Gazastreifen an. Darunter seien Tunnel der islamistischen Hamas sowie operative Hauptquartiere und Raketenabschussrampen, teilte die Armee mit. «Dutzende» Hamas-Mitglieder seien getroffen worden.
Dabei soll den Angaben nach auch ein ranghoher Hamas-Befehlshaber getötet worden sein. Der Kommandeur Madhat Mubaschar sei an mehreren Sprengstoff- und ScharfschĂŒtzenangriffen auf israelische Zivilisten und Soldaten beteiligt gewesen, hieĂ es in der Mitteilung des MilitĂ€rs.
Zudem sei in der Nacht eine Drohne aufgrund eines «technischen Fehlers» im Gazastreifen abgestĂŒrzt. Es bestehe jedoch keine Gefahr, dass vertrauliche Informationen nach auĂen dringen. Der Vorfall werde untersucht.
In der vorherigen Nacht hatten israelische Kampfpanzer im Norden einen Vorstoà unternommen, wÀhrend die Luftwaffe weiter Stellungen der Hamas bombardierte. Eine Bodenoffensive Israels wird seit lÀngerem erwartet.
Beim Einschlag einer Rakete in der israelischen KĂŒstenmetropole Tel Aviv wurden Helfern zufolge drei Menschen verletzt. Ein etwa 20-jĂ€hriger Mann wurde in ein Krankenhaus gebracht, teilte der Rettungsdienst Magen David Adom mit. Zwei weitere Menschen seien leicht verletzt worden. Der militĂ€rische Arm der Hamas im Gazastreifen teilte mit, die Raketen auf Tel Aviv abgefeuert zu haben.
Auch wÀhrend der heftigen Luftangriffe griffen militante PalÀstinenser im Gazastreifen erneut israelische Ortschaften mit Raketen an. Nach israelischen Angaben feuerten sie seit Kriegsbeginn rund 8000 Raketen auf Israel ab. Diese meisten davon werden von Israels Raketenabwehrsystem abgefangen.
Hamas-Behörden melden 481 Tote im Gazastreifen in 24 Stunden
Im Gazastreifen sollen nach Angaben der von der islamistischen Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde innerhalb von 24 Stunden 481 Menschen durch israelische Raketenangriffe ums Leben gekommen sein. In den Tagen davor sollen es manchmal deutlich mehr gewesen sein. Die Bilanz stammte von Donnerstag 18.00 Uhr, wie das UN-NothilfebĂŒro OCHA berichtete. UnabhĂ€ngig prĂŒfen lassen sich die Informationen nicht.
OCHA nannte auch eine Schadensbilanz der Hamas-Behörden: Demnach sollen 45 Prozent aller HÀuser im Gazastreifen durch die israelischen Angriffe zerstört (gut 16.000), unbewohnbar (gut 11.000) oder beschÀdigt (rund 150.000) worden sein. Das israelische MilitÀr sagt, Hamas verstecke legitime militÀrische Ziele zwischen den HÀusern.
Die Zahl der im Gazastreifen festgehaltenen Geiseln ist indes höher als bisher von Israel angenommen. Man habe die Familien von 229 Geiseln informiert, sagte der israelische Armeesprecher Daniel Hagari am Morgen. Das sind fĂŒnf mehr als noch am Vortag. Es werde erwartet, dass die Zahl noch steigen könnte.
PalÀstinenser: Vier Tote bei Konfrontationen im Westjordanland
Bei Konfrontationen mit dem israelischen MilitĂ€r im Westjordanland wurden nach palĂ€stinensischen Angaben auĂerdem vier Menschen getötet. In der Stadt Dschenin seien drei PalĂ€stinenser durch israelische SchĂŒsse ums Leben gekommen, teilte das Gesundheitsministerium in Ramallah mit.
Ein weiterer PalÀstinenser sei in der Stadt Kalkilija getötet worden. Dem israelischen MilitÀr zufolge soll es sich bei mindestens einem Toten in Dschenin um ein Mitglied einer militanten PalÀstinenserorganisation gehandelt haben.
Nach Angaben der Armee fanden in der Nacht in mehreren StĂ€dten Razzien im Westjordanland statt. 36 gesuchte Personen seien festgenommen worden. Sie stĂŒnden im Verdacht, «in terroristische AktivitĂ€ten verwickelt zu sein», teilte das MilitĂ€r auf Nachfrage mit. Unter den Festgenommenen sind demnach 17 Mitglieder der islamistischen Hamas.
Drohne geht in Ăgypten nahe israelischer Grenze nieder
Im Ă€gyptischen Ort Taba ging nahe der Grenze zu Israel eine Drohne nieder. Sechs Menschen seien verletzt worden, sagte ein Sprecher der Ă€gyptischen Armee. Eine «anonyme gelenkte Drohne» sei in NĂ€he des Krankenhauses von Taba niedergegangen. «Der Vorfall wird von einem Sonderausschuss der betroffenen Behörden untersucht», teilte der Sprecher mit.Â
Der staatsnahe Ă€gyptische Fernsehsender Al-Kahira News hatte vorher dagegen von einer Rakete berichtet und eine mögliche Reaktion nicht ausgeschlossen. «Sobald die Verantwortlichen hinter dem Raketenangriff feststehen, stehen alle Optionen zur VerfĂŒgung, um damit umzugehen», berichtete der Sender unter Berufung auf einen Regierungsverteter. Ăgypten behalte sich das Recht vor, zu reagieren.
Israels Armee erklĂ€rte, die Drohne sei aus «NĂ€he des Roten Meers» gekommen. Israelische Kampfjets seien schnell in die Gegend beordert worden, sagte Armeesprecher Daniel Hagari laut israelischen Medien. Israel werde mit Ăgypten und den USA an einer «verstĂ€rkte Verteidigung gegen Bedrohungen aus NĂ€he des Roten Meers» arbeiten.Â
Der Verdacht richtete sich gegen die schiitischen Huthi-Rebellen im Jemen, die vom SĂŒden der Arabischen Halbinsel mutmaĂlich Ziele in Israel angriffen. Die Rebellen werden vom Iran unterstĂŒtzt.
USA verstÀrken MilitÀrprÀsenz im Nahen Osten
Das US-MilitĂ€r hat derweil angesichts des Gaza-Kriegs rund 900 Soldaten in den Nahen Osten verlegt. Sie wĂŒrden nicht nach Israel geschickt, sondern sollten Einheiten unterstĂŒtzen, die sich bereits in der Region befĂ€nden, sagte Pentagon-Sprecher Pat Ryder am Donnerstag. Zur Abschreckung regionaler Akteure haben die USA bereits mehrere Kriegsschiffe und Kampfflugzeuge ins östliche Mittelmeer verlegt, US-Truppen wurden in erhöhte Einsatzbereitschaft versetzt.
Iran warnt Washington
Irans AuĂenminister warnte die USA vor einer direkten Verwicklung in den Konflikt. Sollte der «Völkermord in Gaza weitergehen, werden sie von diesem Feuer nicht verschont bleiben», sagte Hussein Amirabdollahian laut einem Transkript seiner Rede bei einer Sondersitzung der UN-Vollversammlung in New York.
«Ich sage den amerikanischen StaatsmĂ€nnern und StreitkrĂ€ften, die jetzt den Völkermord in PalĂ€stina handhaben, ganz offen, dass wir die Ausweitung und das AusmaĂ des Krieges in der Region nicht begrĂŒĂen.»
Israel verurteilte seinerseits ein Treffen russischer Diplomaten mit Vertretern der Hamas in Moskau. «Wir fordern die russische Regierung auf, die Hamas-Terroristen unverzĂŒglich auszuweisen», teilte der Sprecher des israelischen AuĂenministeriums, Lior Haiat, mit.
Die hohen Hamas-FunktionĂ€re hĂ€tten an ihren HĂ€nden das Blut von 1400 getöteten Israelis, «die abgeschlachtet, ermordet, hingerichtet und verbrannt wurden». Russlands AuĂenministerium hatte zuvor mitgeteilt, dass Diplomaten in Moskau mit Hamas-Vertretern unter anderem ĂŒber die Freilassung auslĂ€ndischer Geiseln sprachen.
USA fliegen Luftangriffe auf Iran-gestĂŒtzte Milizen in Syrien
Die USA fliegen derweil im Osten Syriens als Reaktion auf Angriffe proiranischer Milizen Luftangriffe. Ziele seien zwei Einrichtungen gewesen, die von Irans Revolutionsgarden sowie deren VerbĂŒndeten genutzt wĂŒrden, teilte das US-Verteidigungsministerium in Washington mit. Die US-Angriffe lassen Sorgen einer möglichen Eskalation auch in Syrien wachsen vor dem Hintergrund des Gaza-Kriegs zwischen Israel und der islamistischen Hamas.
Die Angriffe seien ein Akt der Selbstverteidigung zum Schutz von US-Personal und hĂ€tten nichts mit dem derzeitigen Konflikt zwischen Israel und der islamistischen PalĂ€stinenserorganisation Hamas im Gazastreifen zu tun, betonte das Pentagon. «Die USA suchen keinen Konflikt (...), aber diese vom Iran unterstĂŒtzen Angriffe auf US-MilitĂ€r sind inakzeptabel und mĂŒssen aufhören», hieĂ es in der Mitteilung weiter.







