Israel, PalÀstinensische Gebiete

Waffenruhe in Kraft - so sieht der Fahrplan Nahost jetzt aus

Veröffentlicht am: 12.10.2025 um 14:59 Uhr | dpa.de

Im Gazastreifen schweigen die Waffen. In KĂŒrze sollen alle Geiseln freikommen und palĂ€stinensische Gefangene aus der Haft in Israel entlassen werden. Was passiert darĂŒber hinaus als NĂ€chstes?

Im Gazastreifen schweigen seit Freitagmittag die Waffen.  - Bild: Rizek Abdeljawad/XinHua/dpa
Im Gazastreifen schweigen seit Freitagmittag die Waffen. - Bild: Rizek Abdeljawad/XinHua/dpa

Tel Aviv (Gaza) - Im Gaza-Krieg ist eine Waffenruhe in Kraft getreten, und ein Besuch von US-PrĂ€sident Donald Trump in der Region steht am Montag bevor. Die israelischen Truppen haben sich Armeeangaben zufolge zu den vereinbarten Demarkationslinien zurĂŒckgezogen, kontrollieren aber weiterhin mehr als die HĂ€lfte des Gazastreifens. So geht es nun weiter:

  • Eine 72 Stunden lange Frist zur Freilassung der Geiseln lĂ€uft am Montagmittag ab. Aus Kreisen der Hamas hieß es, die Terrororganisation werde alle lebenden und möglichst auch die toten Geiseln bis spĂ€testens Montagmorgen 5.00 Uhr MESZ ĂŒbergeben. Nach israelischen Berichten könnte dies bereits vorher geschehen. Die RĂŒckkehr soll vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz ohne öffentliche Zeremonie und ohne Medienvertreter organisiert werden. Nach Treffen mit Angehörigen und einer ersten Ă€rztlichen Untersuchung im MilitĂ€rlager Reim am Rande des Gazastreifens werden die Freigelassenen dann voraussichtlich in KrankenhĂ€user geflogen. 
     
  • Israel soll im Gegenzug laut Trumps Friedensplan rund 250 wegen schwerer Straftaten zu lebenslanger Haft verurteilte palĂ€stinensische HĂ€ftlinge und etwa 1.700 weitere PalĂ€stinenser freilassen, die nach dem Massaker am 7. Oktober 2023 inhaftiert wurden. Nach israelischen Medienberichten veröffentlichte das Justizministerium eine Namensliste der 250 PalĂ€stinenser, von denen viele an tödlichen AnschlĂ€gen auf Israelis beteiligt waren. Bis zuletzt herrschte den Berichten zufolge aber Uneinigkeit zwischen Israel und der Hamas ĂŒber Namen auf der Liste. 
     
  • Im Rahmen der Vereinbarung werden die Hilfslieferungen in den Gazastreifen ausgeweitet - nach Angaben beider Seiten fahren in der ersten Phase rund 600 Lkw mit humanitĂ€rer Hilfe pro Tag ein. Zuletzt kamen nach Angaben der fĂŒr PalĂ€stinenserangelegenheiten zustĂ€ndigen israelischen Behörde Cogat tĂ€glich im Schnitt rund 300 Lastwagen mit Hilfslieferungen, in den Wochen zuvor waren es rund 200.
     
  • Voraussichtlich bis Dienstag soll der GrenzĂŒbergang Rafah nach Ägypten wieder fĂŒr den zivilen Personenverkehr oder fĂŒr den Transport von Verwundeten geöffnet werden. Auch die RĂŒckkehr von vertriebenen PalĂ€stinensern sollte dann wieder möglich sein.
     
  • In einer zweiten Verhandlungsphase sollen dann weitere Streitpunkte geklĂ€rt werden, mit dem Ziel, den Krieg vollstĂ€ndig zu beenden. So sollen sich die israelischen Soldaten weiter aus dem Gazastreifen zurĂŒckziehen und von ihnen gehaltene Gebiete an eine internationale Stabilisierungstruppe, die fĂŒr Sicherheit sorgen soll, ĂŒbergeben werden. Der Plan sieht auch eine Entwaffnung der Hamas vor. Das lehnt die Terrororganisation bislang ab. Sollte es in der Frage keine Einigung geben, könnte der Krieg wieder ausbrechen. 
     
  • Die USA planen, ein Kontrollzentrum zur Überwachung des Abkommens einzurichten. Sie haben dafĂŒr einem Bericht zufolge bereits Soldaten nach Israel geschickt. Der Sender ABC meldete unter Berufung auf zwei US-Regierungsvertreter, US-Soldaten seien bereits in Israel eingetroffen. Zuvor hatte das Weiße Haus mitgeteilt, dafĂŒr 200 Soldaten entsenden zu wollen. Sie werden demnach nicht im Gazastreifen selbst eingesetzt. Auch andere Staaten, darunter Ägypten, Katar und die TĂŒrkei, sollen bei dem Kontrollzentrum mitwirken.
     
  • US-PrĂ€sident Trump wird am Montagmorgen in Israel erwartet. Er ist eingeladen worden, vor dem israelischen Parlament, der Knesset, eine Rede zu halten. Trump könnte auch bei der Freilassung der Geiseln vor Ort sein. Er will anschließend nach Ägypten reisen, um dort am Nachmittag an einer offiziellen Zeremonie anlĂ€sslich der mĂŒhsam errungenen Einigung teilzunehmen. An dem Spitzentreffen von gut 20 Staats- und Regierungschefs nimmt auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) teil. 
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