Israels Armee greift wieder im Gazastreifen an
Veröffentlicht am: 18.03.2025 um 01:53 Uhr | dpa.deIsraels MilitĂ€r hat rund zwei Monate nach Beginn der Waffenruhe im Gazastreifen wieder massive Angriffe auf die islamistische Hamas im gesamten KĂŒstenstreifen aufgenommen. Mindestens 326 Menschen seien ums Leben gekommen, teilte die von der Hamas kontrollierte Gesundheitsbehörde am Vormittag mit. Demnach gab es auch Hunderte Verletzte. Die Angaben lassen sich derzeit nicht unabhĂ€ngig prĂŒfen und unterscheiden nicht zwischen Zivilisten und Kombattanten.Â
In derselben Nacht setzten die mit Israel verbĂŒndeten USA ihre heftigen Luftangriffe auf die Huthi im Jemen fort, wie das US-Regionalkommando Centcom mitteilte. Die Miliz ist wie die Hamas in Gaza VerbĂŒndeter des Irans.Â
Der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates des WeiĂen Hauses, Brian Hughes, sagte der US-Nachrichtenseite «Axios»: «Die Hamas hĂ€tte Geiseln freilassen können, um die Waffenruhe zu verlĂ€ngern, hat sich aber stattdessen fĂŒr Verweigerung und Krieg entschieden.» US-PrĂ€sident Donald Trump habe Israel grĂŒnes Licht fĂŒr die Wiederaufnahme der Angriffe auf die Hamas gegeben, zitierte das «Wall Street Journal» einen israelischen Beamten. Israel habe danach die USA ĂŒber den Beginn der Angriffe vorab informiert.
«Die Hölle wird losbrechen, und alle Terroristen im Nahen Osten - die Huthi, die (libanesische) Hisbollah, die Hamas, vom Iran unterstĂŒtzte Terrorstellvertreter und der Iran selbst - sollten PrĂ€sident Trump sehr ernst nehmen», zitierten US-Medien die Sprecherin des WeiĂen Hauses, Karoline Leavitt. Wie der US-PrĂ€sident deutlich gemacht habe, wĂŒrden «alle jene, die nicht nur Israel, sondern auch die Vereinigten Staaten von Amerika terrorisieren wollen, einen Preis zu zahlen haben», sagte Leavitt demnach dem US-Sender Fox News.
Schwerste Luftangriffe seit Beginn der WaffenruheÂ
Israels schwerste Luftangriffe in Gaza seit dem Inkrafttreten der Waffenruhe erfolgten auf die «wiederholte Weigerung der Hamas, unsere Geiseln freizulassen, sowie auf ihre Ablehnung aller VorschlĂ€ge, die sie vom Gesandten des US-PrĂ€sidenten Steve Witkoff und von den Vermittlern erhalten hat», teilte das BĂŒro des israelischen MinisterprĂ€sidenten Benjamin Netanjahu mit. Netanjahu und dessen «extremistische Regierung» hĂ€tten beschlossen, das Waffenruhe-Abkommen «zu brechen», hieĂ es in einer ErklĂ€rung der Hamas.
Damit riskiere Israel das Leben der Geiseln, drohte die islamistische Terrororganisation. Sie forderte die Vermittler Ăgypten, Katar und USA auf, Israel «fĂŒr den Bruch» des Abkommens zur Verantwortung zu ziehen. Netanjahu hatte wiederholt erklĂ€rt, Israel werde alle seine Kriegsziele erreichen. Dazu gehört die Freilassung aller Geiseln und die komplette Zerschlagung der Hamas. «Israel wird von nun an mit zunehmender militĂ€rischer StĂ€rke gegen die Hamas vorgehen», hieĂ es in der Mitteilung von Netanjahus BĂŒro.Â
Trump erhöht Druck auf Iran
Auch die Trump-Regierung erhöht jetzt den Druck auf den Iran und die mit Teheran ebenfalls verbĂŒndete Huthi-Miliz im Jemen. Jeder Schuss, der von den Huthi abgefeuert werde, werde von nun an als ein Schuss angesehen, der von den Waffen und der FĂŒhrung des Iran abgefeuert worden sei, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social. «Der Iran wird dafĂŒr verantwortlich gemacht werden und die Konsequenzen tragen, und diese Konsequenzen werden schrecklich sein!» Zuvor hatte der Iran mit heftigen GegenmaĂnahmen gedroht.
«Der Iran wird jegliche Aggression der USA konsequent erwidern», sagte Hussein Salami, Kommandeur der Revolutionsgarden (IRGC), die Elitestreitmacht des Irans. In Ă€hnlicher Weise Ă€uĂerte sich auch der Sprecher des iranischen AuĂenministeriums, Ismail Baghai. Nach Darstellung beider hat die islamische Republik keinen Einfluss auf die Huthi-Miliz im Jemen. Diese handelt demnach unabhĂ€ngig. Salami und Baghai wiesen jegliche Einmischung der Vereinigten Staaten in die iranische Nahostpolitik entschieden zurĂŒck.Â
Angriffe im Jemen gehen weiterÂ
Der Iran spiele «das unschuldige Opfer» auĂer Kontrolle geratener Terroristen, schrieb Trump. Stattdessen diktiere Teheran aber jeden Schritt der Huthi. Auf Trumps Befehl hin greift das US-MilitĂ€r die Miliz seit Samstag massiv aus der Luft an. Arabische Medien berichteten in der Nacht von erneuten Luftangriffen im Raum der Hafenstadt Hudaida sowie der Hauptstadt Sanaa. Nach frĂŒheren Huthi-Angaben wurden mindestens 53 Menschen getötet. Ăhnlich wie Israel im Gazastreifen gegen die Hamas vorgeht, so geht auch das US-MilitĂ€r im Kampf gegen die Huthi dabei jetzt ganz gezielt auch gegen die AnfĂŒhrer der Miliz vor.
FĂŒhrende Mitglieder der Huthi flohen Berichten zufolge nach den ersten nĂ€chtlichen US-Luftangriffen aus der Hauptstadt Sanaa in lĂ€ndliche Gegenden. Sie seien zudem angewiesen worden, öffentliche PlĂ€tze zu meiden. Die USA wollen die Angriffe nach Worten von Verteidigungsminister Pete Hegseth erst einstellen, wenn die Miliz ihrerseits die Attacken auf die Schifffahrt beendet.Â
Die Huthi hatten vor wenigen Tagen angekĂŒndigt, diese Angriffe auf Schiffe im Roten Meer wieder aufzunehmen. Sie wollen damit nach eigenen Angaben ein Ende der Blockade des Gazastreifens durch Israel erreichen. Die Vereinten Nationen riefen zu Ă€uĂerster ZurĂŒckhaltung und zur Einstellung aller militĂ€rischen AktivitĂ€ten auf. Jede weitere Eskalation könne VergeltungsmaĂnahmen auslösen und die Region weiter destabilisieren.
Angriffe auch im gesamten Gazastreifen
Derweil fĂŒhrt Israels MilitĂ€r nach eigenen Angaben umfangreiche Angriffe in ganz Gaza durch. UnbestĂ€tigten arabischen Berichten zufolge wurden dabei FĂŒhrungsleute der Hamas getötet. Die Hamas mĂŒsse sofort alle israelischen Geiseln und Leichen ĂŒbergeben, «oder es ist vorbei fĂŒr Euch», hatte Trump vor knapp zwei Wochen gewarnt. KĂŒrzlich war eine von ihm freigegebene Lieferung schwerer Bomben in Israel eingetroffen.Â
Im Januar war zwischen Israel und der Hamas eine zunĂ€chst sechswöchige Waffenruhe vereinbart worden. Bisher konnten sich beide Seiten nicht auf die Bedingungen fĂŒr eine VerlĂ€ngerung einigen. Israel hatte mit Wiederaufnahme des Krieges gedroht, sollte die Hamas keine weiteren Geiseln freilassen. Auch wĂ€hrend der Waffenruhe war es immer wieder zu tödlichen Angriffen gekommen. Die Hamas und andere Islamistengruppen halten nach israelischen Informationen noch 24 Geiseln und die Leichen von 35 EntfĂŒhrten fest.Â
Auslöser des Gaza-Krieges war der Ăberfall der Hamas und anderer extremistischer Gruppierungen auf Israel am 7. Oktober 2023, bei dem rund 1.200 Menschen getötet und mehr als 250 Israelis als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt wurden. Seitdem wurden laut der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde im Gazastreifen mehr als 48.500 Menschen getötet, darunter auch viele Frauen und MinderjĂ€hrige. Die Angaben, die nicht zwischen KĂ€mpfern und Zivilisten unterscheiden, lassen sich nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen. Israel spricht von rund 20.000 getöteten Terroristen.
