Gentechnik, Genmanipuliert

Gentechnik in Lebensmitteln: Deutliche Lockerung geplant

16.06.2023 - 10:26:56 | dpa.de

Im Juli wird die EU-Kommission voraussichtlich ihre PlĂ€ne fĂŒr eine Überarbeitung der Gentechnikregeln vorstellen. Nun ist ein Entwurf bekanntgeworden, von dem auch Verbraucher direkt betroffen wĂ€ren.

  • «Genfood»: Hinweis vor einem gentechnisch verĂ€nderten Maiskolben auf einem Feld. - Foto: Patrick Pleul/dpa
  • Werden die Regeln fĂŒr Gentechnik in der EU bald gelockert? - Foto: Bernd WĂŒstneck/dpa-Zentralbild/dpa
«Genfood»: Hinweis vor einem gentechnisch verĂ€nderten Maiskolben auf einem Feld. - Foto: Patrick Pleul/dpa Werden die Regeln fĂŒr Gentechnik in der EU bald gelockert? - Foto: Bernd WĂŒstneck/dpa-Zentralbild/dpa

Manche gentechnisch verĂ€nderten Lebensmittel könnten einem Gesetzesvorschlag der EU-Kommission zufolge kĂŒnftig ohne Kennzeichnung auf den Markt kommen. Das geht aus einem bislang unveröffentlichten Verordnungsentwurf der Kommission hervor, der der Deutschen Presse-Agentur in BrĂŒssel vorliegt. Demnach will die Behörde vorschlagen, bestimmte gentechnisch verĂ€nderte Pflanzen von den strengen EU-Gentechnikregeln auszunehmen. BefĂŒrworter hoffen, dass die Technik dann mehr Verbreitung findet und Nutzpflanzen dadurch beispielsweise besser gegen SchĂ€dlinge geschĂŒtzt oder an die zunehmende KlimaerwĂ€rmung angepasst werden können.

Offiziell vorgestellt werden soll das Vorhaben voraussichtlich im Juli. In Berlin treffen die PlÀne eher auf Kritik, es gibt aber auch positive Stimmen.

Konkret bedeuten die geplanten Regeln, dass etwa Verfahren wie die Crispr/Cas-Genschere keinen EU-Gentechnikregeln unterliegen, wenn die dadurch entstandene Sorten auch durch Verfahren wie Kreuzung oder Auslese hĂ€tten entstehen können. Solche ZĂŒchtungen wĂŒrden den PlĂ€nen zufolge unter die sogenannte Kategorie 1 der durch neue Techniken (NGT) gezĂŒchteten Pflanzen fallen. FĂŒr die Bio-Landwirtschaft gelten die strengen Gentechnikregeln dem Vorhaben zufolge weiterhin. Beschlossen ist das Vorhaben noch nicht, es muss noch offiziell vorgestellt werden und dann von den EU-Staaten und dem Europaparlament verhandelt werden.

Wie verhÀlt sich die Bundesregierung?

Ob sich die Bundesregierung gegen das Vorhaben stark macht, ist jedoch unklar. Das von den GrĂŒnen gefĂŒhrte Bundesumweltministerium hatte sich in der Vergangenheit zwar skeptisch zu Lockerungen der Gentechnikregeln geĂ€ußert, dagegen signalisiert das von der FDP gefĂŒhrte Bundesforschungsministerium grundsĂ€tzliche UnterstĂŒtzung. «Wir sollten die enormen Chancen nutzen, die in neuen ZĂŒchtungstechnologien stecken», sagte Ministerin Bettina Stark-Watzinger am Freitag.

Aus dem vom GrĂŒnen Cem Özdemir gefĂŒhrten Agrarministerium hieß es, gentechnisch verĂ€nderte Pflanzen sollten eine RisikoprĂŒfung durchlaufen, gekennzeichnet werden und rĂŒckverfolgbar sein. Der Vizechef der SPD-Fraktion im Bundestag, Matthias Miersch, spricht sich klar gegen die PlĂ€ne der EU-Kommission zur Lockerung der Gentechnikregeln aus. Sollte der bekannt gewordene Vorschlag RealitĂ€t werden, wĂ€re dies das Ende der Wahlfreiheit fĂŒr Verbraucherinnen und Verbraucher und fĂŒr die gentechnikfreie Lebensmittelwirtschaft, sagte er am Freitag.

In Artikel 8 des Entwurfs heißt es: Die Mitgliedstaaten dĂŒrfen die absichtliche Freisetzung oder das Inverkehrbringen von NGT-Pflanzen des Typs 1 nicht durch Anforderungen verbieten oder einschrĂ€nken. Der GrĂŒnen-Bundestagsabgeordnete Karl BĂ€r sieht darin einen «Frontalangriff» auf das Modell der europĂ€ischen Landwirtschaft.

«Pflanzen mit bis zu 20 gentechnischen VerĂ€nderungen sollen als gleichwertig mit konventionell gezĂŒchteten Pflanzen gelten», sagte der gelernte Agrarökonom zu den bekanntgewordenen EntwĂŒrfen. Darunter seien auch VerĂ€nderungen, die weit ĂŒber das Potenzial der klassischen ZĂŒchtungen hinaus gingen. «Der Vorschlag wĂ€re das Ende der ökologischen Landwirtschaft», befĂŒrchtete er. Diese mĂŒsste sich mit immer mehr Aufwand vor Kontamination etwa durch von Wind verwehte Samen schĂŒtzen.

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