Indien, Flugabwehrsysteme

Indien greift Flugabwehrsysteme in Pakistan an

08.05.2025 - 12:28:53

Im Konflikt zwischen Indien und Pakistan ist keine Entspannung in Sicht. International wÀchst die Sorge vor einer weiteren Eskalation der Spannungen zwischen beiden AtommÀchten.

Im verschÀrften Konflikt mit Pakistan hat Indien nach eigenen Angaben Flugabwehrsysteme an mehreren Orten des Nachbarlandes attackiert. International wÀchst die Sorge vor einer weiteren Eskalation der Spannungen zwischen beiden rivalisierenden AtommÀchten. Deutschland und die anderen 26 EU-Staaten riefen beide Seiten zu einer sofortigen Deeskalation auf.

Die indische Regierung teilte mit, eines der pakistanischen Flugabwehrsysteme in der grenznahen Millionenstadt Lahore sei zerstört worden. Mit dem Beschuss in der Nacht zum Donnerstag (Ortszeit) habe das MilitĂ€r auf den Versuch Pakistans reagiert, militĂ€rische Ziele im Norden und Westen Indiens, darunter in 15 StĂ€dten, mit Drohnen und Raketen zu treffen. Dies habe aber vereitelt werden können. Eine BestĂ€tigung dafĂŒr aus Islamabad gab es zunĂ€chst nicht. 

Terroranschlag mit 26 Toten

Als Auslöser der aktuellen Spannungen gilt ein Terroranschlag vom 22. April im indischen Unionsterritorium Jammu und Kaschmir, bei dem 26 Menschen – ĂŒberwiegend indische Touristen – getötet wurden. Neu-Delhi wirft Pakistan eine Beteiligung vor. Islamabad weist das zurĂŒck und forderte eine unabhĂ€ngige Untersuchung. Die Grenzregion Kaschmir ist zwischen Pakistan und Indien geteilt, beide LĂ€nder beanspruchen aber das ganze Gebiet fĂŒr sich. 

Als Reaktion auf den Anschlag hatte das indische MilitĂ€r in der Nacht auf Mittwoch Angriffe auf mehrere pakistanische Ziele geflogen. Nach Angaben Indiens wurden dabei mehrere «Terroristencamps» zerstört. Indien beschuldigte die Gegenseite, Granaten in der Kaschmir-Region ĂŒber die Grenze hinweg abgefeuert zu haben. Pakistan selbst meldete den Abschuss von fĂŒnf indischen Kampfjets.

Pakistan meldet Drohnenabschuss

Am Donnerstag erklĂ€rte das pakistanische MilitĂ€r, 25 indische Drohnen im eigenen Luftraum abgeschossen zu haben. Mindestens drei Drohnen wurden den Angaben nach ĂŒber der Millionenstadt Rawalpindi abgefangen, die nur wenige Kilometer von der Hauptstadt Islamabad entfernt ist. In Rawalpindi befindet sich das Hauptquartier der pakistanischen Armee. «Die von den StreitkrĂ€ften abgeschossenen indischen Drohnen sind Pakistans KriegstrophĂ€en», sagte Informationsminister Attaullah Tarar. 

Beide Seite melden Tote

Durch indische Angriffe kamen auf pakistanischer Seite nach Angaben des MilitĂ€rs mehr als 30 Menschen ums Leben, 57 wurden demnach verletzt. Zudem seien durch den Abschuss der indischen Drohnen in der vergangenen Nacht durch die herabstĂŒrzenden TrĂŒmmerteile eine Person getötet und fĂŒnf verletzt worden, darunter vier Soldaten. 

Die indische Regierung erklĂ€rte, dass 16 Zivilisten durch pakistanischen Artilleriebeschuss an der Grenze ums Leben gekommen seien, darunter fĂŒnf Kinder. Nach Angaben der Armee wurde zudem ein Soldat getötet. 

Nach Angaben der zivilen Luftfahrtbehörde in Pakistan wurden am Donnerstag zudem mehrere FlughĂ€fen vorĂŒbergehend geschlossen. Demnach sei der Betrieb an den FlughĂ€fen in den MillionenstĂ€dten Islamabad, Karachi, Lahore sowie in der nordöstlichen Stadt Sialkot nahe der indischen Grenze bis zum Abend oder teils lĂ€nger eingestellt. 

Mehrere Fluglinien strichen ihre FlĂŒge Richtung Pakistan. Auch in Indien sind mehrere FlughĂ€fen aufgrund der Spannungen mit dem Nachbarland geschlossen. Insgesamt seien 27 FlughĂ€fen in den Grenzregionen betroffen, berichteten indische Medien. Die Schließung solle bis zum Samstag dauern. 

Iran will vermitteln

Irans Außenminister Abbas Araghtschi setzte nach einem Besuch in Pakistan VermittlungsgesprĂ€che in Neu-Delhi fort: Er traf seinen indischen Kollegen Subrahmanyam Jaishankar, wie iranische Staatsmedien berichteten. Der Besuch sei lĂ€nger geplant gewesen, sagte Araghtschi bei seiner Ankunft. Daher stĂŒnden auch wirtschaftliche Themen auf der Agenda. Beide LĂ€nder unterzeichneten laut der staatlichen Nachrichtenagentur Irna drei AbsichtserklĂ€rungen. «Unsere Region braucht Ruhe», fĂŒgte er hinzu. Deshalb wolle der Iran auch vermitteln.

Die UrsprĂŒnge des nun wieder aufflammenden Konflikts reichen bis in die Kolonialzeit zurĂŒck. 1947 entließen die Briten den indischen Subkontinent in die UnabhĂ€ngigkeit und teilten diesen auf. Aus der Teilung entstand neben dem ĂŒberwiegend hinduistischen Indien der neue Staat Pakistan fĂŒr Muslime. Die gewaltvoll verlaufene Teilung nĂ€hrt bis heute eine erbitterte RivalitĂ€t. Seit ihrer UnabhĂ€ngigkeit fĂŒhrten beide LĂ€nder drei Kriege gegeneinander, zwei davon um Kaschmir.

@ dpa.de