Litauen: Russischer Geheimdienst hinter Brandanschlag
17.03.2025 - 15:22:11  Litauens Justizbehörden gehen davon aus, dass Russland hinter einem im vergangenen Jahr verĂŒbten Brandanschlag auf ein Ikea-Einrichtungshaus in Vilnius steckt. Die Ermittlungen hĂ€tten ergeben, dass zwei festgenommene TatverdĂ€chtige im Auftrag des russischen MilitĂ€rgeheimdiensts gehandelt haben, teilte die Generalstaatsanwaltschaft in Vilnius mit. Gegen einen sei nun Anklage in Litauen wegen eines Terroranschlags erhoben worden. Die VerdĂ€chtigen und ihre MittelsmĂ€nner sollen auch mit Ă€hnlichen Verbrechen in Polen in Verbindung stehen.Â
Litauen und Polen gehören der Nato an und sind enge Partner und UnterstĂŒtzer der Ukraine, die sich seit gut drei Jahren gegen eine russische Invasion wehrt.
Der Brand in dem Möbelhaus war in der Nacht zum 9. Mai 2024 ausgebrochen. Verletzt wurde dabei niemand.
Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft handelt es sich bei den beiden Festgenommenen um zwei junge ukrainische StaatsbĂŒrger, von denen einer noch minderjĂ€hrig ist. Demnach sollen die zwei VerdĂ€chtigen bei einem geheimen Treffen in Warschau zugestimmt haben, fĂŒr eine Belohnung von 10.000 Euro Einkaufszentren in Litauen und Lettland in Brand zu setzen. Als Belohnung sei ihnen ein Auto versprochen worden, dieses hĂ€tten sie spĂ€ter auch erhalten. Einer werde derzeit in Polen festgehalten, sagte Staatsanwalt Arturas Urbelis litauischen Medien zufolge.Â
«Der Organisator dieser Aktionen ist Russland»
Die Sicherheitsbehörden Ă€uĂerten im Laufe der Ermittlungen den Verdacht auf Brandstiftung, die nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft ĂŒber mehrere Monate geplant und mit einem Brandsatz mit ZeitzĂŒnder ausgefĂŒhrt worden sei. «Der Organisator dieser Aktionen ist Russland, sie sind mit dem militĂ€rischen Geheimdienst und den SicherheitskrĂ€ften verbunden», sagte jetzt Ermittler Urbelis.Â
Der Angeklagte soll vor der Tat systematisch Spezialkenntnisse erlangt und sich dafĂŒr notwendige FĂ€higkeiten angeeignet haben. Dazu solle er sich wiederholt in Polen und Litauen aufgehalten haben. Auch nach dem Brandschlag ist er nach Erkenntnissen der litauischen Ermittler mit einem Auto nach Warschau gefahren. Wenige Tage kehrte er nach Litauen zurĂŒck und wollte mit dem Bus nach Lettland weiterreisen. Auf den Weg dorthin sei er von Behörden gestoppt und festgenommen worden, teilte die Staatsanwaltschaft mit.Â
Auch fĂŒr Brandstiftungen in Polen verantwortlich?Â
Nach Abgaben der Staatsanwaltschaft gibt es weitere VerdĂ€chtige, die am Brandanschlag beteiligt gewesen sein könnten. Er sprach von einer «Terrorgruppe» und langen Kette von MittelsmĂ€nnern, die sich ĂŒber verschiedene soziale Netzwerke und verschlĂŒsselte Kommunikationswege koordiniert und Anweisungen an die TatverdĂ€chtigen weitergegeben habe. Sowohl die TatverdĂ€chtigen als auch ihre MittelmĂ€nner sollen demnach eine Verbindung zu in Polen begangenen Straftaten haben.Â
Die polnische Regierung hat den russischen Geheimdienst mehrfach beschuldigt, hinter Brandstiftungen und Sabotageakten in Polen zu stehen. So hatte im vergangenen Mai ein GroĂbrand in Warschau ein Einkaufszentrum mit rund 1400 GeschĂ€ften zerstört. Verletzt wurde dabei niemand, aber mehr als 700 Menschen verloren ihre Arbeit oder ihre Existenzgrundlage. Es laufen Ermittlungen wegen des Verdachts auf Brandstiftung.Â
Polens Regierungschef Donald Tusk schrieb auf X: «Liebe VerbĂŒndete, die litauischen Ermittler haben unseren Verdacht bestĂ€tigt, dass der russische Geheimdienst fĂŒr Brandstiftungen in Einkaufszentren in Vilnius und Warschau verantwortlich ist.» Es sei gut, dies vor den Verhandlungen mit Russland ĂŒber eine Waffenruhe in der Ukraine zu wissen. «Das ist der Charakter dieses Staates», sagte Tusk mit Blick auf Russland.Â
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Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in Warschau sagte am Nachmittag, im Zusammenhang mit dem Brandanschlag auf das Möbelhaus in Vilnius sei bereits im Mai in Polen ein TatverdĂ€chtiger festgenommen worden. Gegen ihn werde wegen Spionage fĂŒr den russischen Geheimdienst ermittelt. Weder dieser TatverdĂ€chtige noch der in Litauen Festgenommene stĂ€nden jedoch im Verdacht, fĂŒr den Brand des Einkaufszentrums in Warschau verantwortlich zu sein.





