GesprÀchen, Ukraine

Vor GesprÀchen zerstört die Ukraine russische Flugzeuge

02.06.2025 - 06:07:42

Im Mai haben Moskau und Kiew erstmals seit 2022 direkte GesprĂ€che ĂŒber einen Ausweg aus dem Krieg gefĂŒhrt. Einziges Ergebnis war ein Gefangenenaustausch. Was bringt nun die zweite Runde?

  • Die Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine dĂŒrften schwierig werden. (Archivbild) - Foto: ---/ukrin/dpa

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  • Russland greift die Ukraine immer wieder mit Drohnen an. (Archivbild) - Foto: Uncredited/Ukrainian Emergency Service/AP/dpa

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  • Verteidigungsminister Rustem Umjerow steht erneut an der Spitze der ukrainischen Delegation. (Archivbild) - Foto: Evgeniy Maloletka/AP/dpa

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  • Russland und die Ukraine haben weitere Gefangene ausgetauscht. (Archivbild) - Foto: Uncredited/Russian Defense Ministry Press Service/AP/dpa

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  • Mehrere russische Langstreckenbomber Tu-95 sollen durch einen ukrainischen Drohnenangriff zerstört worden sein. (Archivbild) - Foto: Yuri Kochetkov/epa/dpa

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Die Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine dĂŒrften schwierig werden. (Archivbild) - Foto: ---/ukrin/dpaRussland greift die Ukraine immer wieder mit Drohnen an. (Archivbild) - Foto: Uncredited/Ukrainian Emergency Service/AP/dpaVerteidigungsminister Rustem Umjerow steht erneut an der Spitze der ukrainischen Delegation. (Archivbild) - Foto: Evgeniy Maloletka/AP/dpaRussland und die Ukraine haben weitere Gefangene ausgetauscht. (Archivbild) - Foto: Uncredited/Russian Defense Ministry Press Service/AP/dpaMehrere russische Langstreckenbomber Tu-95 sollen durch einen ukrainischen Drohnenangriff zerstört worden sein. (Archivbild) - Foto: Yuri Kochetkov/epa/dpa

Ein spektakulĂ€rer Schlag der Ukraine gegen Russlands strategische Bomberflotte hat die Karten fĂŒr eine Verhandlungsrunde der Kriegsparteien in Istanbul heute neu gemischt. Die Moskauer Reaktion auf den Verlust einer grĂ¶ĂŸeren Zahl an Flugzeugen steht noch aus. Der ukrainische Geheimdienst hatte nach eigenen Angaben viele kleine Drohnen nach Russland geschmuggelt und sie dort von Lastwagen aus in der NĂ€he russischer MilitĂ€rflugplĂ€tze angreifen lassen. 

Die GesprĂ€chsrunde in Istanbul ist die zweite seit Mitte Mai. Davor hatten die Kriegsparteien zuletzt 2022 direkt miteinander gesprochen. Russland fĂŒhrt seit mehr als drei Jahren einen Angriffskrieg gegen das Nachbarland. Fragen und Antworten zur Lage und zu dem, was von Verhandlungen zu erwarten ist:

Was ist auf den russischen LuftwaffenstĂŒtzpunkten passiert?

Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj feierte den ĂŒberraschenden Angriff seines Geheimdienstes SBU als «absolut brillanten Erfolg». Anderthalb Jahre Vorbereitung seien vorausgegangen. Attackiert wurden demnach StĂŒtzpunkte in den Regionen Iwanowo, Rjasan und Murmansk im europĂ€ischen Teil Russlands, Irkutsk in Sibirien und Amur im Fernen Osten. Das russische Verteidigungsministerium bestĂ€tigte, dass in den Regionen Murmansk und Irkutsk Flugzeuge durch Drohnenangriffe in Brand geraten seien.

Die kleinen ferngesteuerten FluggerÀte waren demnach in Holzkisten auf Lastwagen versteckt, deren Fahrer sie nichtsahnend an die MilitÀrgelÀnde heranfuhren. Dort öffneten sich die LKW-DÀcher automatisch, und die FPV-Drohnen begannen ihre Attacke. 

Nach SBU-Angaben wurden mehr als 40 Kampf- und AufklĂ€rungsflugzeuge zerstört - etwa 34 Prozent der russischen Bomber, die in der Lage sind, Marschflugkörper abzusetzen. Diese Zahlen waren bislang nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfbar. Doch Fotos und Videos zeigten beschĂ€digte und zerstörte Kampfflugzeuge der Typen Tupolew Tu-95 und Tu-22. Mit Raketen, die von solchen Flugzeugen starten, hat Russland immer die Ukraine beschossen.

Wo stehen Moskau und Kiew vor den Verhandlungen?

Beide Seiten haben Forderungen fĂŒr ein Ende der Kampfhandlungen formuliert, die bisher kaum zusammenpassen. Zudem weiteten die Kriegsparteien kurz vor dem Treffen in Istanbul ihre gegenseitigen Angriffe massiv aus - mit Opfern und SchĂ€den auf beiden Seiten. Laut Selenskyj hatte Russland die Ukraine in der Nacht zum Sonntag mit fast 500 Drohnen sowie mit Raketen angegriffen. Die Ukraine dĂŒrfte ihrerseits mit ihrem koordinierten Angriff auf mehrere russische MilitĂ€rflugplĂ€tze vor den Verhandlungen auch StĂ€rke demonstrieren wollen.

Der ukrainische PrĂ€sident fordert auf der Grundlage eines US-Vorschlags eine international ĂŒberwachte bedingungslose 30-tĂ€gige Waffenruhe als Einstieg in Friedensverhandlungen. FĂŒr die Vereinbarung eines dauerhaften Friedens stellt er sich auch ein Treffen auf höchster Ebene vor. Nur so könnten die wichtigsten Fragen gelöst werden. 

Moskau lehnte eine bedingungslose Waffenruhe mit dem Argument ab, Kiew könnte eine Feuerpause zum KrĂ€ftesammeln im Krieg nutzen. Russland stellt zwei Bedingungen als Mindestvoraussetzung fĂŒr eine Waffenruhe.

«FĂŒr die Dauer der Waffenruhe ist es zumindest erforderlich, dass die westlichen LĂ€nder die Waffenlieferungen an das Kiewer Regime einstellen und die Ukraine ihre Mobilmachung beendet», sagte Russlands UN-Botschafter Wassili Nebensja im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen am Freitag. Sein Land sei bereit, bei den Verhandlungen in Istanbul ĂŒber die Bedingungen fĂŒr einen Frieden zu reden. 

Was ist von den Verhandlungen zu erwarten?

Vor allem wollen beide Seite ĂŒber ihre jeweiligen Memoranden fĂŒr eine Beendigung des Kriegs sprechen. Die Ukraine will Russlands Eingabe nun in Istanbul begutachten, nachdem sie ihr Dokument Russland bereits vorab ĂŒbergeben hatte. Laut Selenskyj hat die russische Seite noch kein Memorandum vorgelegt. «Wir haben es nicht, die tĂŒrkische Seite hat es nicht, und die amerikanische Seite hat das russische Dokument auch nicht», schrieb er am Vorabend der GesprĂ€che auf der Plattform X. 

WÀhrend Kiew kaum Erwartungen an eine Lösung hat und weiteren Sanktionsdruck auf Moskau fordert, ruft Russland dazu auf, die Verhandlungen fortzusetzen. Selenskyj sagte in seiner abendlichen Videoansprache am Sonntag, man werde versuchen, «zumindest einige Fortschritte in Richtung Frieden zu erzielen».

Einziges wichtiges Ergebnis der Verhandlungen im Mai war der bisher grĂ¶ĂŸte Gefangenenaustausch. Denkbar ist, dass die neue Runde eine Vereinbarung eines weiteren Austauschs von Gefangenen bringt. 

Möglich sind auch GesprĂ€che ĂŒber eine neue Feuerpause - wie zu Ostern. Zuletzt gab es auch Bereitschaft zu einem Verzicht auf Angriffe etwa auf Energieanlagen. Bei den Feuerpausen hatten sich die beiden Seiten gegenseitig viele VerstĂ¶ĂŸe vorgeworfen, aber auch eingerĂ€umt, dass die Zahl der Angriffe zurĂŒckgegangen sei. Die Ukraine hob das Ausbleiben von Luftalarm an einzelnen Tagen hervor.

Was fordert Moskau fĂŒr eine grundsĂ€tzliche Konfliktlösung?

Russland blieb bislang bei Maximalforderungen, um den Konflikt dauerhaft zu beenden. Dazu gehören neben einem ukrainischen Verzicht auf einen Nato-Beitritt und eine weitgehende AbrĂŒstung des Landes auch die Anerkennung der russischen Annexion ukrainischer Gebiete. Russland betrachtet neben der bereits 2014 annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim auch die ukrainischen Regionen Luhansk, Donezk, Saporischschja und Cherson als sein Staatsgebiet. Obwohl Russland diese vier Regionen bisher nicht vollstĂ€ndig kontrolliert, verlangt es einen Abzug ukrainischer Truppen.

Kremlchef Wladimir Putin kĂŒndigte Mitte Mai nach einem Besuch der monatelang teils von ukrainischen Truppen kontrollierten russischen Grenzregion Kursk an, eine Pufferzone «entlang der Grenze» schaffen zu wollen. Das Verteidigungsministerium in Moskau meldete dort und in anderen Regionen der Ukraine zuletzt GelĂ€ndegewinne. Die Ukraine wies die PlĂ€ne zurĂŒck. Sie sieht in den PlĂ€nen einen neuen Beweis dafĂŒr, dass Russland kein Interesse an Frieden habe.

Will Russland weitere Gebiete?

Russland betont immer wieder, es habe kein Interesse an Boden, weil es selbst groß genug sei. In dem Konflikt gehe es aber um einen Schutz der russischsprachigen Minderheit in der Ukraine. Damit droht eine Ausweitung der GebietsansprĂŒche. Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im russischen Parlament, Andrej Kartapolow, machte deutlich, dass die Ukraine auch ihre Gebiete Dnipropetrowsk, Sumy, Charkiw, Odessa und Mykolajiw verlieren könne, wenn sie jetzt das Moskauer Friedensangebot ausschlage. 

Selenskyj lehnt einen RĂŒckzug ukrainischer Truppen ab und hat Gebietsabtretungen an Russland mehrfach ausgeschlossen. Die Verfassung der Ukraine lasse dies nicht zu, sagte er.

@ dpa.de