Berlusconi, Italien

Staatstrauerakt fĂŒr Berlusconi in Mailand

14.06.2023 - 04:11:01

Im MailĂ€nder Dom steigt der Trauergottesdienst fĂŒr Ex-MinisterprĂ€sident Silvio Berlusconi. Italiens Polit-Prominenz wird ebenso erwartet wie GĂ€ste aus dem Ausland. Das Event stĂ¶ĂŸt auch auf Kritik.

Silvio Berlusconi wird heute mit einem StaatsbegrÀbnis und einem von der italienischen Regierung angeordneten Trauertag die letzte Ehre erwiesen.

Etwa 2000 GĂ€ste aus Politik, Wirtschaft, Sport und Gesellschaft werden im weltbekannten Dom von Mailand zum Gottesdienst fĂŒr den im Alter von 86 Jahren verstorbenen Politiker und frĂŒheren MinisterprĂ€sidenten erwartet. Darunter sind StaatsprĂ€sident Sergio Mattarella, Regierungschefin Giorgia Meloni und fast alle Mitglieder ihres Kabinetts.

Als weitere TrauergĂ€ste haben sich nach Medienberichten Ungarns MinisterprĂ€sident Viktor Orban, Emir Tamim bin Hamad Al Thani aus Katar und der irakische PrĂ€sident Abdul Latif Raschid angekĂŒndigt. Die EU-Kommission wird von Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni vertreten. CSU-Politiker Manfred Weber kommt als Chef der EuropĂ€ischen Volkspartei (EVP), zu der auch Berlusconis Forza Italia gehört. Die meisten EU-LĂ€nder lassen sich von ihren Botschaftern in Italien vertreten, fĂŒr Deutschland ist Viktor Elbling dabei.

Staatstrauer ungewöhnlich

Auf dem Domplatz vor der Kathedrale in Mailand werden etwa 20.000 Berlusconi-AnhĂ€nger und andere TrauergĂ€ste erwartet. FĂŒr sie wurden zwei GroßbildleinwĂ€nde aufgestellt.

Berlusconi war der einflussreichste und prÀgendste Politiker der vergangenen Jahrzehnte in Italien. Dass er als Ex-MinisterprÀsident ein - mit Steuergeld bezahltes - StaatsbegrÀbnis bekommt, ist vom Gesetz so vorgesehen.

Die Staatstrauer am Tag der Beerdigung ist aber ungewöhnlich. In den vergangenen drei Jahrzehnten wurde nur zwei MinisterprÀsidenten diese Ehre zuteil: Giovanni Leone und Carlo Azeglio Ciampi, die allerdings vor ihrem Tod auch noch StaatsprÀsidenten gewesen waren. Die beiden Parlamentskammern in Rom haben alle Abstimmungen in dieser Woche gestrichen. Berlusconi war bis zum Tod Mitglieds des Senats.

«Staatstrauer fĂŒr eine derart spaltende Person wie Silvio Berlusconi ist meiner Meinung nach unangemessen», kritisierte Rosy Bindi, langjĂ€hrige Parteichefin der Sozialdemokraten, in einem Fernseh-Interview. Berlusconi hatte bei seinem Polit-DebĂŒt 1994 die im Faschismus verwurzelte Alleanza Nazionale sowie die Separatisten der damaligen Lega Nord in die Regierung geholt und politisch salonfĂ€hig gemacht.

@ dpa.de