GĂ€ste aus aller Welt bei Beisetzung von Franziskus
22.04.2025 - 17:09:45Die Beisetzung von Papst Franziskus wird zum groĂen Treffpunkt der Weltpolitik. Zu den Trauerfeierlichkeiten am kommenden Samstag werden Dutzende Staats- und Regierungschefs sowie Vertreter anderer Religionen erwartet. Erstmals seit der RĂŒckkehr ins WeiĂe Haus wird US-PrĂ€sident Donald Trump wieder in Europa sein. Am Rande der Beisetzung kommt es somit auch zu «Beerdigungsdiplomatie», wie Begegnungen bei solchen AnlĂ€ssen genannt werden. Russlands PrĂ€sident Wladimir Putin wird nicht dabei sein. Wegen des Angriffskriegs auf die Ukraine mĂŒsste er die Verhaftung fĂŒrchten.
Der Pontifex aus Argentinien, der die katholische Kirche mehr als zwölf Jahre gefĂŒhrt hatte, war am Ostermontag um 7.35 Uhr nach langer Krankheit an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben. Noch ist der Leichnam in der Kapelle seiner Residenz Santa Marta im Vatikan aufgebahrt. Von Mittwoch an können dann im Petersdom GlĂ€ubige aus aller Welt am offenen Sarg Abschied nehmen. Franziskus wurde 88 Jahre alt. Letztlich starb er an einem Hirnschlag.
Letzte Ruhe in MarienkircheÂ
Seine letzte Ruhe wird Franziskus am Samstag nicht im Petersdom finden - der wichtigsten Kirche der Christenheit -, sondern in der deutlich kleineren Marienkirche Santa Maria Maggiore in der NĂ€he des Hauptbahnhofs von Rom. Das war sein ausdrĂŒcklicher Wunsch. Im Testament legte er das auch noch einmal schriftlich fest. Santa Maria Maggiore ist ebenfalls eine Papstbasilika. Zuletzt wurde dort aber vor mehr als 350 Jahren ein Papst begraben.
Bislang konnten nur KardinĂ€le, Angehörige der Kurie und Angestellte des Vatikans von dem verstorbenen Pontifex Abschied nehmen. Der Leichnam ist seit Montagabend in der Casa Santa Marta aufgebahrt, dem GĂ€stehaus des Vatikans. Der Papst trĂ€gt ein rotes Gewand und eine weiĂe Bischofsmitra. Um die gefalteten HĂ€nde ist ein Rosenkranz geschlungen. Rechts und links wacht ein Schweizer Gardist. Der Vatikan veröffentlichte auch Fotos davon.
GlÀubige können bis Freitagabend Abschied nehmen
Am Mittwoch wird der Leichnam in einer feierlichen Prozession in den Petersdom ĂŒberfĂŒhrt. Dort können dann bis Freitagabend GlĂ€ubige aus aller Welt am offenen Sarg Abschied nehmen. Erwartet werden Zehntausende. Wegen des Heiligen Jahrs 2025 ist Rom in der Osterwoche noch voller als sonst. Nach SchĂ€tzungen halten sich etwa eine Million Touristen in der italienischen Hauptstadt auf. Weltweit bekennen sich mehr als 1,4 Milliarden Menschen zum katholischen Glauben.Â
Die Beisetzung ist dann am Samstag. Nach einer groĂen Trauermesse auf dem Petersplatz wird der Sarg noch einmal kurz zurĂŒck in den Petersdom und dann in die Santa Maria Maggiore gebracht. Bereits im Juni 2022 legte der Argentinier in seinem jetzt veröffentlichten Testament fest, dass er dort begraben wird. Weiter heiĂt es darin: «Die GrabstĂ€tte muss in der Erde sein, einfach, ohne besondere Dekoration und mit der einzigen Inschrift: Franciscus.»
Aus Deutschland Steinmeier und Scholz
Erwartet werden StaatsgĂ€ste aus aller Welt. Aus Deutschland kommen BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier und der geschĂ€ftsfĂŒhrende Kanzler Olaf Scholz, der designierte Kanzler Friedrich Merz ist nicht dabei.Â
Aus Argentinien, Franziskus' Heimat, reist PrĂ€sident Javier Milei an. Zu den weiteren GĂ€sten gehören die Staatschefs aus Frankreich und der Ukraine, Emmanuel Macron und Wolodymyr Selenskyj. FĂŒr die britische Königsfamilie reist Prinz William an. König Charles III. war der vorletzte Staatsgast, den Franziskus zu einer Audienz empfing. Nach ihm kam nur noch US-Vize JD Vance, keine 24 Stunden vor dem Tod des Papstes.Â
Der Kreml wies Spekulationen ĂŒber eine Teilnahme Putins zurĂŒck. «Solche PlĂ€ne hat der PrĂ€sident nicht», sagte ein Kremlsprecher. Gegen den russischen PrĂ€sidenten gibt es seit 2023 einen Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs. Bei der Landung in Italien mĂŒsste Putin also mit der Festnahme rechnen. Franziskus hatte versucht, in dem seit mehr als drei Jahren laufenden Krieg zwischen Russland und der Ukraine zu vermitteln - ohne Erfolg.
WohnrÀume und Arbeitszimmer nun versiegelt
Am Montagabend war im Vatikan im Rahmen eines einstĂŒndigen Ritus noch einmal offiziell der Tod des 88-JĂ€hrigen festgestellt worden. Dann wurde der Leichnam in den Sarg gelegt. Dazu wurde die Sterbeurkunde verlesen. KardinalkĂ€mmerer Kevin Farrell beglaubigte sie. Die WohnrĂ€ume des Papstes sowie seine Arbeitszimmer im Apostolischen Palast wurden versiegelt. Erst der neue Pontifex darf diese Siegel brechen.Â
Auf Franziskus' Festlegung werden die Trauerfeiern in kleinerem Stil stattfinden als bei seinen VorgĂ€ngern - auch wie zuletzt beim 2022 verstorbenen emeritierten deutschen Papst Benedikt XVI.. Im Petersdom wird er nicht auf einem Katafalk - einer hohen Bahre - zu sehen sein, sondern in einem einfachen Holzsarg. Eine weitere Neuerung ist es, dass der pĂ€pstliche Bischofsstab als Herrschaftssymbol nicht mehr neben dem Sarg liegt.Â
Konklave beginnt wohl Anfang Mai
Das Konklave zur Wahl des neuen Papstes beginnt vermutlich Anfang Mai - wieder in der Sixtinischen Kapelle. Wahlberechtigt sind 135 KardinĂ€le aus aller Welt unter 80 Jahren - allerdings sagten zwei bereits ihre Reisen nach Rom aus gesundheitlichen GrĂŒnden ab. Es blieben also 133 KardinĂ€le, darunter drei Deutsche: der Kardinal von MĂŒnchen und Freising, Reinhard Marx, der Kardinal von Köln, Rainer-Maria Woelki und der Kurienkardinal Gerhard Ludwig MĂŒller.Â
Die WahlgĂ€nge sind strikt geheim. Das Konklave kann nach wenigen Stunden vorbei sein, aber auch Tage dauern: Ein Zeitlimit gibt es nicht. Zur Wahl benötigt der neue Pontifex eine Zweidrittelmehrheit. Wenn er gewĂ€hlt ist, steigt aus einem Schornstein weiĂer Rauch auf. Bis dahin ist der Rauch schwarz.
Kurze Zeit spĂ€ter zeigt sich der neue Papst auf der Mittelloggia des Petersdoms erstmals der Ăffentlichkeit. AngekĂŒndigt wird er mit den Worten «Habemus Papam» (Wir haben einen Papst»). Die jetzige Zeitspanne bis zur Wahl wird als Sedisvakanz bezeichnet, die «Zeit des leeren Stuhls». In dieser Zeit dĂŒrfen im Vatikan keinerlei wichtige Entscheidungen getroffen werden.


