Mehr als 1,1 Millionen AsylantrÀge in Europa
28.02.2024 - 11:54:55Die Zahl der Asylbewerber in Europa hat die Marke von einer Million im vergangenen Jahr deutlich ĂŒberschritten. Die Asylagentur der EuropĂ€ischen Union mit Sitz auf der Mittelmeerinsel Malta registrierte in den 27 EU-Mitgliedsstaaten sowie in Norwegen und der Schweiz insgesamt 1,14 Millionen AntrĂ€ge, wie aus dem in Valletta veröffentlichten Jahresbericht hervorgeht. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies ein Plus von 18 Prozent.
Die meisten Antragssteller kamen nach Angaben der Asylagentur abermals aus dem BĂŒrgerkriegsland Syrien, gefolgt von Afghanistan. Gegen Ende des Jahres, nach Beginn des neuen Gaza-Kriegs im Oktober, wollten zunehmend auch PalĂ€stinenser nach Europa. Mit Abstand wichtigstes Zielland blieb Deutschland, wo zwischen Januar und Dezember 2023 nach diesen Angaben 334.000 neue AntrĂ€ge registriert wurden.
Rund ein Drittel aller AntrÀge entfÀllt auf Deutschland
Im Jahr zuvor war die Gesamtzahl der AntrÀge mit 996.000 noch knapp unter der Millionenmarke geblieben. Hingegen wurden in den Jahren 2015 (1,4 Millionen) und 2016 (1,3 Millionen) noch deutlich mehr registriert. Nicht eingerechnet sind mehr als 4,4 Millionen Menschen aus der Ukraine, die infolge des russischen Angriffskriegs Zuflucht in der EU gesucht haben und temporÀren Schutz bekamen.
Die Zahlen fĂŒr Deutschland unterscheiden sich geringfĂŒgig von Angaben des zustĂ€ndigen Bundesamts in NĂŒrnberg, das fĂŒrs Gesamtjahr etwa 329.000 AntrĂ€ge gemeldet hatte. So oder so entfiel auf Deutschland aber annĂ€hernd ein Drittel aller AntrĂ€ge - so viel wie in den beiden folgenden LĂ€ndern Frankreich (167.000) und Spanien (162.000) zusammen. GroĂbritannien, das nicht mehr zur EU gehört, will seine Zahlen erst Ende der Woche bekannt geben. Pro Kopf gerechnet gingen die meisten AntrĂ€ge in Zypern ein - ein Antrag auf 78 Einwohner. Zum Vergleich: In Deutschland war es einer auf 252.
Hohe Anerkennungsquote
Bei den HerkunftslĂ€ndern lag Syrien (181.000) vorn, wo seit mehr als zehn Jahren BĂŒrgerkrieg herrscht. Im Vergleich zum Vorjahr kamen 38 Prozent mehr. Die Zahl der AntrĂ€ge von Menschen aus Afghanistan (114.000), wo inzwischen wieder die radikal-islamistischen Taliban an der Macht sind, ging hingegen zurĂŒck. Knapp ĂŒber der Marke von 100.000 lag auch noch die TĂŒrkei (101.000). Ăbers Jahr hinweg wurden auch 11.600 AntrĂ€ge von PalĂ€stinensern registriert - zwei Drittel mehr als im Jahr zuvor.
Im Vergleich zu frĂŒheren Jahren wurden von den EU-Staaten deutlich mehr AntrĂ€ge bewilligt. Die sogenannte Anerkennungsquote lag demnach bei 43 Prozent, so hoch wie seit sieben Jahren nicht mehr. Der Umgang mit Migranten, die nach Europa kommen wollen, gehört seit Jahrzehnten zu den groĂen Streitthemen der europĂ€ischen Politik. Bei Versuchen, das Mittelmeer zu ĂŒberqueren, kommt es immer wieder zu tödlichen Katastrophen.
Im Dezember beschloss die EU eine weitreichende Reform ihres gemeinsamen Asylsystems mit erheblichen VerschĂ€rfungen fĂŒr illegale Einwanderer. KĂŒnftig sollen Menschen, die kaum Chancen auf Anerkennung haben, beschleunigte Verfahren an den EU-AuĂengrenzen durchlaufen.


