IS, Al-Kaida

Mali: Islamisten töten bei AnschlÀgen mehr als 60 Menschen

08.09.2023 - 04:24:40

Im von Islamisten belagerten Norden Malis droht mit dem Abzug der UN-Blauhelmtruppen eine Verschlimmerung der Gewalt. Drei Angriffe binnen 24 Stunden mit Dutzenden Toten nĂ€hren die BefĂŒrchtungen.

Bei Angriffen islamistischer KÀmpfer im Norden Malis sind binnen 24 Stunden Dutzende Menschen getötet worden. Mindestens 49 Zivilisten und 15 Soldaten kamen bei AnschlÀgen auf ein Passagierschiff auf dem Fluss Niger sowie auf ein Armeelager in Bamba in der Region Gao am Donnerstag ums Leben, wie die MilitÀrregierung des westafrikanischen Staats mitteilte.

Am Freitagmorgen verĂŒbten Terroristen einen Selbstmordanschlag auf einen StĂŒtzpunkt der malischen Armee nahe der Stadt Gao in der NĂ€he des Feldlagers der Bundeswehr. FĂŒr alle drei AnschlĂ€ge erklĂ€rte sich der regionale Ableger der Terrorgruppe Al-Kaida, JNIM, verantwortlich.

Todeszahl steht noch nicht sicher fest

Das Passagierschiff «Tombouctou» war von der Stadt Gao nach Mopti im Zentrum des Landes unterwegs. Beide Regionen werden seit Jahren von islamistischen Terrorgruppen belagert, die Al-Kaida und dessen verfeindeter Terrormiliz IS nahestehen.

Medienberichten zufolge wurde das Schiff am Donnerstagmorgen vom Ufer aus unter schweren Beschuss genommen und geriet in Brand. Wie viele Passagiere an Bord waren, war zunÀchst nicht klar. Auch eine höhere Todeszahl ist möglich. Malis Regierung rief eine dreitÀgige Staatstrauer aus.

Zum Anschlag auf das Armeelager bei Gao am Freitagmorgen teilte Malis Armee zunĂ€chst nur mit, dass es sich um einen komplexen Selbstmordanschlag gehandelt habe. Details sollten spĂ€ter bekannt gegeben werden. Der Angriff erfolgte 1,5 Kilometer von dem Feldlager der Bundeswehr fĂŒr den Einsatz bei der UN-Friedensmission entfernt. Dort halten sich noch rund 850 deutsche Soldatinnen und Soldaten auf, die bis Jahresende mit dem Abschluss der Mission abziehen sollen.

Deutsche Soldaten wohl nicht betroffen

Ein Sprecher des EinsatzfĂŒhrungskommandos der Bundeswehr sagte auf Anfrage, dass die deutschen Soldaten nach drei Explosionen in der NĂ€he am Freitagmorgen die Schutzeinrichtungen des Lagers bezogen hĂ€tten. «Nach derzeitigem Kenntnisstand sind wir nicht betroffen.»

Die UN-Mission zur Stabilisierung Malis (Minusma), die seit 2013 im Land ist, zieht planmĂ€ĂŸig bis Jahresende auf Aufforderung der MilitĂ€rregierung ab und ĂŒbergibt ihre Basen an die malischen SicherheitskrĂ€fte. Die sich Russland immer stĂ€rker zuwendende MilitĂ€rregierung, die mit Söldnern der russischen Wagner-Gruppe gegen die Terroristen kĂ€mpft, hatte Mitte Juni vehement den Abzug aller rund 12.000 UN-Blauhelme bis Ende des Jahres gefordert. Deutschland hatte ein Ende seiner Beteiligung bereits vorher beschlossen.

Die UN-Mission wurde ins Leben gerufen, nachdem islamistische Terroristen in Folge des Zusammenbruchs Libyens und einer Rebellion der nomadischen Tuareg 2012 den Norden des Landes ĂŒberrannt hatten. Eine MilitĂ€rintervention der frĂŒheren Kolonialmacht Frankreich drĂ€ngte die Islamisten nur vorĂŒbergehend zurĂŒck.

Die Terrorgruppen breiten sich seitdem in Mali und seinen Nachbarstaaten Niger und Burkina Faso aus. Alle drei Staaten werden nach Putschen in den letzten zwei Jahren vom MilitÀr regiert und wenden sich von europÀischen Partnern ab, insbesondere von Frankreich.

Verschlimmerung der Lage wurde befĂŒrchtet

Experten hatten bereits vorher vor einer deutlichen Verschlimmerung der Lage im Norden Malis im Zuge Abzugs der UN-Blauhelme gewarnt. Nach Erhebungen der Konfliktdatenorganisation ACLED kamen in den ersten acht Monaten dieses Jahres etwa 2400 Menschen in Mali durch Gewalt ums Leben. Die genaue Zahl der getöteten Zivilisten geht aus den Daten nicht hervor, sie sind aber immer wieder Ziel von Angriffen. Auch ein Konflikt zwischen dem malischen Staat und den nomadischen Tuareg droht nach dem Abzug der UN erneut auszubrechen.

@ dpa.de