Faeser, Kurzbesuch

Faeser holt geplatzten Kurzbesuch in Syrien nach

27.04.2025 - 14:32:12 | dpa.de

Im zweiten Anlauf hat es jetzt geklappt. Bundesinnenministerin Faeser ist in den wohl letzten Tagen ihrer Amtszeit noch zu einem GesprÀch mit einem Regierungsvertreter nach Syrien geflogen.

  • Die geschĂ€ftsfĂŒhrende Außenministerin, Annalena Baerbock (GrĂŒne), traf am 20. MĂ€rz in Damaskus ihren syrischen Amtskollegen, Asaad al-Schaibani. Er gehört auch der neuen Übergangsregierung an. (Archivfoto) - Foto: Hannes P. Albert/dpa
    Die geschĂ€ftsfĂŒhrende Außenministerin, Annalena Baerbock (GrĂŒne), traf am 20. MĂ€rz in Damaskus ihren syrischen Amtskollegen, Asaad al-Schaibani. Er gehört auch der neuen Übergangsregierung an. (Archivfoto) - Foto: Hannes P. Albert/dpa
  • Ende MĂ€rz endete die geplante Reise nach Damaskus fĂŒr Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) und Österreichs Innenminister Gerhard Karner in Jordanien. (Archivfoto) - Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa
    Ende MĂ€rz endete die geplante Reise nach Damaskus fĂŒr Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) und Österreichs Innenminister Gerhard Karner in Jordanien. (Archivfoto) - Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa
  • Beim ersten Mal wurde die Reise im letzten Moment abgesagt. Diesmal klappt es mit dem Besuch von Faeser und Karner in Damaskus. In Syrien gab es in der Zwischenzeit einen Wechsel im Amt des Innenministers. - Foto: Sebastian Gollnow/dpa
    Beim ersten Mal wurde die Reise im letzten Moment abgesagt. Diesmal klappt es mit dem Besuch von Faeser und Karner in Damaskus. In Syrien gab es in der Zwischenzeit einen Wechsel im Amt des Innenministers. - Foto: Sebastian Gollnow/dpa
  • Anas Chattab ist erst seit Ende MĂ€rz Innenminister von Syrien. Hier steht er vor Fotos seiner VorgĂ€nger im Amt. Die Bilder einiger Ex-Minister haben die neuen Machthaber entfernt. - Foto: Sebastian Gollnow/dpa
    Anas Chattab ist erst seit Ende MÀrz Innenminister von Syrien. Hier steht er vor Fotos seiner VorgÀnger im Amt. Die Bilder einiger Ex-Minister haben die neuen Machthaber entfernt. - Foto: Sebastian Gollnow/dpa
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Einen Monat nach ihrem aus SicherheitsgrĂŒnden kurzfristig abgesagten Besuch in Damaskus ist die geschĂ€ftsfĂŒhrende Bundesinnenministerin Nancy Faeser in die syrische Hauptstadt geflogen. Begleitet wird die SPD-Politikerin, wie schon bei der ersten Reise, die Ende MĂ€rz abrupt in Jordanien endete, von ihrem österreichischen Amtskollegen Gerhard Karner. 

Ihnen geht es vor allem darum, auszuloten, wie die Aussichten fĂŒr eine freiwillige RĂŒckkehr syrischer FlĂŒchtlinge sind. Auch Abschiebungen nach Syrien sind ihnen ein wichtiges Anliegen. «Viele haben in Deutschland Arbeit gefunden, Deutsch gelernt und sich ein neues Leben aufgebaut - sie sollen natĂŒrlich bleiben können», sagt Faeser. Andere, vor allem StraftĂ€ter und Islamisten, sollten dagegen schnellstmöglich zurĂŒckkehren. 

Besuch nicht vorab angekĂŒndigt

Die deutsch-österreichische Delegation flog zu ihrem vorab nicht angekĂŒndigten Besuch unter strengen Sicherheitsvorkehrungen von Zypern in die syrische Hauptstadt. Bei ihrem ersten Versuch im MĂ€rz hatten konkrete Hinweise auf eine terroristische Bedrohung fĂŒr westliche Delegationen in Damaskus die Reisegruppe zur Umkehr bewogen.

Ein BĂŒndnis unter FĂŒhrung der Islamistengruppe Haiat Tahrir al-Scham (HTS) hatte Syriens Langzeitmachthaber, Baschar al-Assad, Anfang Dezember nach einer Blitzoffensive gestĂŒrzt. HTS-AnfĂŒhrer Ahmed al-Scharaa wurde zum ÜbergangsprĂ€sidenten ernannt, Assad floh nach Moskau.

Neuer Innenminister ist KampfgefÀhrte von al-Scharaa

Innenminister Anas Chattab, der die deutsch-österreichische Delegation empfing, ist erst seit dem 29. MĂ€rz im Amt. Faeser sagte zu Beginn des Treffens mit ihm, der Sturz Assads biete eine Chance zur Demokratisierung in Syrien. InterimsprĂ€sident Ahmed al-Scharaa hatte Ende MĂ€rz die Mitglieder der zweiten Übergangsregierung nach dem Sturz von Assad ernannt. Chattab und al-Scharaa kennen sich schon aus der Zeit, als sie im Irak gemeinsam lokale Gruppen des Terrornetzwerks Al-Kaida im Kampf gegen die US-Truppen unterstĂŒtzten.

Nach dem GesprĂ€ch mit Faeser, das mehr als eine Stunde dauerte, sagte Chattab: «Wir haben ĂŒber Energie gesprochen und wie man Investitionen ermöglichen und ArbeitsplĂ€tze schaffen kann. Denn das wird Syrer, die das Land im Krieg verlassen haben, ermutigen, in grĂ¶ĂŸerem Umfang zurĂŒckzukehren.»

Es ist ein schmaler Grat, auf dem die Bundesregierung in Syrien unterwegs ist. Einerseits will sie den Neuanfang in dem arabischen Land unterstĂŒtzen, das nach mehr als 13 Jahren Krieg auf auslĂ€ndische Hilfe und eine Aufhebung westlicher Sanktionen angewiesen ist. Andererseits bleiben trotz des pragmatischen Kurses von al-Scharaa Zweifel, ob die Rechte von Christen, Alawiten und anderen religiösen Minderheiten kĂŒnftig gewahrt bleiben. Die Mehrheit der Syrer sind wie al-Scharaa und seine KampfgefĂ€hrten sunnitische Muslime. 

Am Flughafen wird Faeser in Damaskus von einem hochrangigen Beamten des Außenministeriums empfangen - freundlich, aber ohne Handschlag. Sie fragt ihn nach der aktuellen Situation. Er beschreibt sie als «vorsichtig optimistisch». Mit Blick auf die Sicherheitslage spricht er beschwichtigend von «einigen ZwischenfĂ€llen».

Schwieriger Partner

Faeser zeigte sich nach dem GesprĂ€ch hochzufrieden. Man habe ĂŒber die Sicherheitslage in Syrien gesprochen, «insbesondere was die BekĂ€mpfung des IS betrifft», sagte die SPD-Politikerin. Der syrische Minister habe zudem gezeigt, «dass er bereit ist, PĂ€sse und Dokumente auszustellen». Das sei mit Blick auf Abschiebungen nach Syrien ein «Schritt nach vorne». Mit Blick auf die Vergangenheit des Innenministers und anderer Kabinettsmitglieder rĂ€umte Faeser ein, Syrien sei aktuell ein schwieriger Partner. Dennoch sei es wichtig, «dass wir Kontakte auf Arbeitsebene und technischer Ebene herstellen». Sonst werde man mit den eigenen Anliegen nicht durchdringen: Wege zu finden fĂŒr eine verstĂ€rkte freiwillige RĂŒckkehr von Syrern und RĂŒckfĂŒhrungen von StraftĂ€tern.

Vorerst keine Asylentscheidungen zu Syrien

Syrien ist weiterhin Hauptherkunftsland von Asylbewerbern in Deutschland. Im ersten Quartal dieses Jahres stellten 9.861 Menschen aus Syrien erstmals in Deutschland einen Antrag auf Schutz.

Zum Stichtag 31. MĂ€rz standen beim Bamf noch 52.344 syrische Asylverfahren zur Entscheidung an. Nach dem Umsturz im Dezember hatte das Bundesamt fĂŒr Migration und FlĂŒchtlinge (Bamf) wegen der noch unĂŒberschaubaren Lage Entscheidungen ĂŒber AsylantrĂ€ge von Menschen aus Syrien vorerst ausgesetzt.

FĂŒr Faeser, die am Montag im österreichischen Krems an einem Treffen der Innenminister deutschsprachiger LĂ€nder teilnehmen wird, ist es eine der letzten Reisen in diesem Amt. Bei den Verhandlungen fĂŒr eine schwarz-rote Koalition hatten sich CDU, CSU und SPD darauf verstĂ€ndigt, dass die CSU den nĂ€chsten Innenminister benennen darf. Ihre Reise nach Damaskus sei dennoch sinnvoll gewesen, resĂŒmiert Faeser vor dem RĂŒckflug. Schließlich sei ihre Partei, die SPD, ja auch an der kĂŒnftigen Regierung beteiligt.

Regelung zu Sondierungsreisen lÀsst auf sich warten

Im Bundesinnenministerium arbeitet wird bereits seit Januar an einer Ausnahmeregelung gearbeitet, um syrischen FlĂŒchtlingen Erkundungsreisen in ihr Herkunftsland zu ermöglichen, ohne dass sie dadurch ihren Schutzstatus in Deutschland verlieren. Erlaubt wĂ€re demnach entweder eine einmalige Reise fĂŒr die Dauer von maximal vier Wochen oder zwei Reisen von jeweils maximal zwei Wochen, jeweils mit dem Ziel, auszuloten, ob eine RĂŒckkehr möglich wĂ€re.

Mehrere Unionspolitiker haben sich allerdings kritisch zu dem Vorschlag geĂ€ußert - unter anderem der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU).

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